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Untersuchungsbericht : UN-Fachleute werfen IS Völkermord vor

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Ein yezidischer Junge im Januar in einem Flüchtlingscamp im Irak. Bild: Reuters

Fachleute der Vereinten Nationen werfen der Islamisten-Miliz „Islamischer Staat“ in einem Bericht Völkermord vor. Die gezielte Tötung hunderter Yeziden habe Merkmale eines Genozids. Auch eine andere Armee greifen die Fachleute an.

          Die Bluttaten der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Irak haben nach Einschätzung von UN-Fachleuten das Ausmaß von Völkermord erreicht. Zudem würden die Terroristen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begehen, heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten UN-Bericht.

          Die Verfasser - Ermittler im Auftrag des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte in Genf - fordern die Einschaltung des Internationalen Strafgerichtshofes. In ihrem erschütternden Bericht, der auf Aussagen von mehr als 100 Augenzeugen beruht, werden auch der irakischen Armee Verbrechen vorgehalten.

          Der Vorwurf des Völkermords gegen den IS bezieht sich auf die gezielte Tötung Hunderter Yeziden. Die IS-Milizen hätten Hunderte yezidische Männer zusammengetrieben und ermordet. Yezidische Jungen im Alter zwischen 8 und 15 Jahren seien vom IS verschleppt und zur Konvertierung zum Islam gezwungen worden. Danach habe man die Jungen für den Dschihad gedrillt. Mädchen und Frauen seien von den Terroristen vergewaltigt und als Sexsklavinnen verschleppt worden.

          Zudem berichten die UN-Autoren von schweren Verbrechen des sunnitischen IS an schiitischen Muslimen. Dazu gehört das Massaker an 600 Männern in einem Gefängnis im Juni 2014. Bis Anfang August 2014 seien rund 200.000 Christen und Angehörige anderer Minderheiten im Irak vor den anrückenden Terroreinheiten geflohen. Die marodierenden Milizen hätten Kirchen und andere Gebäude in den eroberten Gebieten zerstört.

          „Der Bericht dokumentiert weit verbreitete Gewalttaten, die vom IS begangen wurden - darunter Morde, Folter, Vergewaltigungen und sexuelle Versklavung sowie erzwungene religiöse Konvertierung und Zwangsrekrutierungen von Kindern“, erklärte das UN-Hochkommissariat. Dabei sei insbesondere die Gewalt gegen die Yeziden darauf gerichtet gewesen, sie „als Gruppe zu vernichten“. Deshalb sei mit sehr großer Wahrscheinlichkeit von Völkermord auszugehen.

          Den irakischen Streitkräften und mit ihnen verbündeten Milizen werfen die Ermittler ebenfalls schwere Verbrechen vor. Sie hätten in zahlreichen Fällen Zivilisten ermordet, gefoltert und entführt. „Einige dieser Untaten könnten Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie Kriegsverbrechen sein.“

          Die Ermittler appellieren an den gegenwärtig in Genf tagenden UN-Menschenrechtsrat, sich beim UN-Sicherheitsrat in New York für die strafrechtliche Verfolgung aller derartigen Verbrechen im Irak einzusetzen. Der UN-Sicherheitsrat müsse damit den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag beauftragen.

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