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Kampf um Kobane : Türkei verlangt Pufferzone an der Grenze zu Syrien

  • Aktualisiert am

Kurden beobachten von der Stadt Suruc an der türkisch-syrischen Grenze aus die Kämpfe in Kobane Bild: Reuters

Amerika und die Türkei streiten über die richtige Strategie im Kampf gegen den „Islamischen Staat“. Als Bedingung für ein militärisches Eingreifen fordert die Regierung in Ankara offenbar eine Flugverbotszone an der Grenze zum Nachbarland.

          Die Türkei dringt angesichts der anhaltenden Kämpfe in der Stadt Kobane offenbar auf die Errichtung einer Pufferzone an der Grenze zum Nachbarland Syrien. Über diesen Vorschlag werde es in den kommenden Tagen voraussichtlich Gespräche zwischen der Regierung in Ankara und den Vereinigten Staaten geben, berichtete die „New York Times“.

          Amerika und die Türkei streiten derzeit über die richtige Strategie im Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“. Die Vereinigten Staaten drängen die türkische Regierung dazu, militärisch gegen den Vormarsch des IS in Nordsyrien vorzugehen. Ankara indes hat die seit Jahren von der Türkei gefordete Pufferzone offenbar zur Bedingung erklärt. 

          Luftangriffe auf Kobane

          Voraussetzung hierfür wäre eine Flugverbotszone, die gegen die Luftwaffe des syrischen Machthabes Bashar al-Assad durchgesetzt werden müsste. Auch verstärkte Patrouillen zum Schutz gegen die syrische Luftabwehr wären nötig. Die amerikanische Regierung hat bislang sehr zögerlich auf die türkische Forderung reagiert - auch um eine direkte Konfrontation mit Assad zu vermeiden.  

          In der kommenden Woche soll eine amerikanische Militärdelegation nach Ankara reisen. Ziel sei, die bereits begonnenen Gespräche über den gemeinsamen Kampf gegen den IS fortzusetzen, sagte Außenamtssprecherin Jennifer Psaki. Washington hatte bereits den pensionierten General John Allen und den Irak-Beauftragten Brett McGurk nach Ankara geschickt. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte am Donnerstag, es sei „nicht realistisch“, dass die Türkei „allein eine Bodenoperation“ ausführe.

          Laut „New York Times“ prüfen amerikanische Militärstrategien derzeit, wie sich eine Pufferzone zwischen der Türkei und Syrien umsetzen lassen könnte. Allerdings ist der Vorschlag in Washington höchst strittig. Die Idee sei es wert, „sehr sehr genau angeschaut zu werden“, sagte Außenminister John Kerry diese Woche. Allerdings gibt es offenbar erhebliche Vorbehalte im Weißen Haus und im amerikanischen Verteidigungsministerium. 

          Offiziell begründet die Türkei die Forderung nach einer Pufferzone mit humanitären Gründen und dem Schutz von Flüchtlingen. Allerdings geht es der Regierung in Ankara allem Anschein nach auch darum, einen Schutz- und Rückzugsraum für moderate Rebellen zu schaffen, die dort für das Assad-Regime ausgebildet werden können. 

          Neue Luftangriffe auf Kobane

          Unterdessen haben die Amerikaner am Donnerstag neun Luftangriffe gegen Stellungen des „Islamischen Staats“ nahe der umkämpften nordsyrischen Stadt Kobane geflogen. Wie das Zentralkommando des amerikanischen Militärs in Tampa (Florida) mitteilte, galten sechs Luftschläge Zielen südlich von Kobane, drei weitere richteten sich gegen IS-Stellungen nördlich der Stadt an der syrisch-türkischen Grenze.

          Südlich der Stadt seien zwei von IS-Kämpfern besetzte Gebäude sowie ein Panzer und ein schweres Maschinengewehr zerstört worden, hieß es. Eine Kampfstellung des IS sei von den Bombern beschädigt, eine kleinere sowie eine größere IS-Einheit getroffen worden. Bei den drei Angriffen im Norden der Stadt hätten die Piloten zwei Gebäude der Terrormiliz zerstört und zwei kleinere IS-Einheiten getroffen. Auch im Irak seien Angriffe gegen die Dschihadisten geflogen worden.

          IS-Einheiten belagern unter anderem die Stadt Kobane im Norden Syriens, die an der Grenze zur Türkei liegt. Eine internationale Militärallianz unter Führung der Vereinigten Staaten fliegt seit Wochen Luftangriffe auf mutmaßliche Stellungen des IS im Irak und in Syrien.

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