https://www.faz.net/-gq5-7v25r

Türkei und PKK : Droht ein Ende der Friedensgespräche?

Kämpfer der PKK Anfang August bei Arbil im Nordirak Bild: AFP

Wegen der Untätigkeit der Türkei im Kampf gegen die Terrormiliz IS im kurdischen Kobane spricht die PKK von einem Abbruch des Dialogs und droht damit, zum bewaffneten Kampf zurückzukehren. Doch ein Rückfall in alte Zeiten ist kaum vorstellbar.

          Am vergangenen Wochenende hat Cemil Bayik, einer der Führer der PKK, von seinem Hauptquartier in den Kandilbergen in Irakisch-Kurdistan gedroht, die „Friedensgespräche“ mit der türkischen Regierung, die mit Rückschlägen seit 2005 geführt werden, abzubrechen und zum bewaffneten Kampf zurückzukehren. Denn ein Massaker, das in Kobane wegen der türkischen Untätigkeit drohe, sei kein geeigneter Rahmen, um diese Gespräche fortzusetzen.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Cemil Bayik ist einer der wichtigsten Repräsentanten der PKK. Er gehörte am 27. November 1978 zu den 25 Gründungsmitgliedern. Die damals stramm marxistisch-leninistisch organisierte PKK hatte sich zum Ziel gesetzt, durch einen Guerrillakrieg eine Revolution auszulösen und dabei einen kurdischen Staat zu schaffen. 1984 nahm die PKK ihren bewaffneten Kampf gegen den türkischen Staat auf, dessen Ideologie keinen Platz für die kurdische Minderheit vorsah, sondern Kurden lange als „Bergtürken“ diffamiert hatte.

          Cemil Bayik, Führer der PKK, droht mit der Beendigung der Friedensgespräche

          In dem Bürgerkrieg von 1984 bis 1999 wurden mutmaßlich 37.000 Menschen getötet; die materiellen Kosten des Krieges beliefen sich schätzungsweise auf 400 Milliarden Dollar. Die Türkei erreichte, dass die meisten mit ihr befreundeten Staaten die PKK zur Terrororganisation erklärten. Den türkischen Sicherheitskräften gelang es aber nicht, die PKK militärisch zu besiegen. Je länger der Krieg dauerte, desto mehr identifizierten sich die Kurden der Türkei mit der PKK, auch wenn es in dieser immer wieder blutige Machtkämpfe gegeben hat.

          Heute ist Bayik Ko-Vorsitzender des Exekutivrats der KCK, der „Koma Civaken Kurdistan“, was sich als „Union der Gemeinschaften Kurdistans“ übersetzen lässt. In einer PKK, die sich in vielem verändert hat, zählt Bayik zu den Hardlinern. Hammer und Sichel waren 1991 aus dem Logo der „Arbeiterpartei Kurdistans“ (PKK) verschwunden; mehrfach hat sich die PKK danach umbenannt, zuletzt 2007 in KCK; und seit 2011 verfolgt sie offiziell das Ziel einer „demokratischen Autonomie“. Nach der Verhaftung ihres Gründers Abdullah Öcalan am 15. Februar 1999 war sie zunehmend von ihrer Forderung abgerückt, einen kurdischen Staat zu gründen.

          Seit der Festnahme Öcalans durchlief die PKK eine Transformation

          Seit der Festnahme Öcalans und seiner Verurteilung zu lebenslanger Haft auf der Gefängnisinsel Imrali durchlief die PKK eine Transformation, die Öcalan mit seinen Schriften, die er in der Einzelhaft verfasste, entscheidend angestoßen hat. In seiner Verteidigungsschrift für ein Gericht in Ankara 1999 und zwei Jahre später in seiner Stellungnahme für den Europäischen Menschengerichtshof in Straßburg wandte er sich vom bewaffneten Kampf und der Idee eines eigenen Kurdenstaats ab. In der Schrift für das Gericht in Ankara argumentierte er, das Ideal sei ein demokratischer Staat, wie ihn Atatürk, der Gründer der Republik, angestrebt habe, wegen der schwierigen Umstände der Zeit aber nicht habe verwirklichen können. An den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof schrieb Öcalan, eine Befreiung sei nicht durch Staatlichkeit zu erreichen, sondern allein durch die Vertiefung der Demokratie.

          Topmeldungen

          Klimaschützer fordern, dass das Fliegen teurer werden soll.

          FAZ Plus Artikel: Flugverkehr : Warum die Kerosinsteuer eine Luftnummer ist

          Flüge sind viel zu billig, klagen Klimaschützer. Spitzenpolitiker versprechen im Wahlkampf deshalb eine Kerosinsteuer auf EU-Ebene. Doch die könnte gegen internationale Regelungen verstoßen – und ist politisch kaum durchsetzbar.
          Fühlt sich hintergangen: Düsseldorfs Trainer Friedhelm Funkel hat sich klar zu früheren Weggefährten positioniert

          Trainer Funkel rechnet ab : „Das Tischtuch ist zerschnitten“

          Weil er sich durch eine aktuelle Trainerverpflichtung hintergangen fühlt, hat sich Düsseldorfs Coach Friedhelm Funkel nun zu Wort gemeldet. Vor allem zu früheren Weggefährten hat er eine klare Meinung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.