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Türkei : Über hundert Tote bei Großoffensive gegen die PKK

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Einwohner fliehen am 14. Dezember im ostanatolischen Distrikt Sur aus ihren Häusern, nachdem Gefechte zwischen türkischer Armee und Kämpfern der kurdischen PKK in Diyarbarkir begannen. Bild: dpa

Die Kämpfe zwischen türkischer Armee und der verbotenen extremistischen kurdischen Arbeiterpartei (PKK) kosten immer mehr Menschenleben. Mit ihrer Großoffensive in der Provinz Sirnak will Ankara die seit 31 Jahren gegen sie kämpfende PKK vernichten.

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          Bei der jüngsten Großoffensive der Türkei gegen die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) sind innerhalb weniger Tage mehr als hundert Menschen getötet worden. Wie es am Sonntag aus Kreisen der Sicherheitskräfte hieß, starben seit Mittwoch 102 PKK-Kämpfer.

          Außerdem wurden demnach mindestens zwei Soldaten und fünf Zivilisten getötet. An dem Einsatz sind rund 10.000 Soldaten sowie Spezialkräfte der Polizei beteiligt.

          Der Militäreinsatz, bei dem auch Panzer eingesetzt werden, konzentriert sich auf die Städte Cizre und Silopi in der Provinz Sirnak im Grenzgebiet zu Syrien und dem Irak. Er zielt darauf ab, militante Kurden aus den Städten zu vertreiben. In der Kurdenregion gelten derzeit Ausgangssperren, in manchen Gegenden herrschen kriegsähnliche Zustände.

          Armeechef Hulusi Akar stattete den Truppen in der Region am Samstag einen Besuch ab. Der Einsatz vor Ort werde „mit Entschlossenheit fortgesetzt, bis die öffentliche Ordnung wieder hergestellt ist“, erklärte das Militär. Wie es weiter hieß, starteten zudem am Freitag von der Basis Diyarbakir aus Kampfjets, um PKK-Lager im Norden des Iraks anzugreifen. Auch in Diyarbakir selbst wurde gekämpft.

          Der Konflikt der Regierung in Ankara mit der PKK war im Sommer wieder eskaliert, der vor drei Jahren eingeleitete Friedensprozess kam zum Erliegen. Von der zuvor geltenden mehrjährigen Waffenruhe profitierten die PKK und die Kämpfer der ihr nahestehenden Revolutionären Patriotischen Jugendbewegung (YDG-H), die in den für „befreit“ erklärten Städten wieder an Einfluss gewannen. Dort stemmen sie sich unter anderem mit Barrikaden gegen die Sicherheitskräfte.

          Die Verlagerung der Auseinandersetzungen von ländlichen in städtische Gebiete trieb zudem rund 200.000 Menschen in die Flucht. Vielerorts in der südöstlichen Region erinnern Ortschaften wegen zerstörter Schulen und Krankenhäuser an die Lage im benachbarten Bürgerkriegsland Syrien.

          Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan zeigte sich zuletzt entschlossen, die PKK zu „vernichten“. Regierungschef Ahmet Davutoglu äußerte sich am Wochenende ähnlich und warnte vor einem Bürgerkrieg in der Region. Der Militäreinsatz werde so lange dauern, bis die betroffenen Städte „gesäubert“ seien, erklärte Davutoglu.

          Der Einsatz wird von Teilen der türkischen Opposition und der Zivilgesellschaft kritisiert. Die Menschenrechtsorganisation IHD kritisierte die Offensive sowie die „systematische Anwendung von Ausgangssperren“ als eine „inakzeptable Kollektivstrafe“.

          Kurdische Aufständische hatten im Jahr 1984 im Südosten der Türkei einen Kampf um größere Autonomierechte begonnen. In dem Konflikt wurden in den vergangenen 30 Jahren etwa 45.000 Menschen getötet.

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