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Anschlag auf Synagoge : Drei Amerikaner und ein Brite getötet

Nach dem Anschlag: Sicherheitskräfte vor der Synagoge im Jerusalemer Viertel Har Nof Bild: AFP

Dem Massaker während des Morgengebets in einer Synagoge in Jerusalem sind drei amerikanische Staatsbürger und ein Brite zum Opfer gefallen. Die Polizei erschoss die beiden palästinensischen Attentäter. Die israelische Regierung kündigt eine Reaktion „mit harter Hand“ an.

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          Die Angreifer kamen während des Morgengebets. Mit Schlachtmessern und einer Pistole bewaffnet haben zwei Palästinenser in einer Synagoge in Westjerusalem ein Blutbad unter den Betenden angerichtet. Sie hätten „Allahu akbar“ gerufen und vier Menschen getötet, bevor herbeigerufene Polizisten die beiden Attentäter erschossen, heißt es in israelischen Medienberichten. Acht weitere Menschen wurden bei der Attacke verletzt, darunter zwei Polizisten.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Am Mittag teilte die Polizei mit, dass es sich bei den Todesopfern um drei Amerikaner und einen Briten handele. Sie seien nach Israel eingewandert und verfügten über eine doppelte Staatsbürgerschaft. Die Attentäter waren offenbar Cousins: Der 22 Jahre alte Udai Abu Dschamal und der 27 Jahre alten Ghassan Abu Dschamal. Sie sollen aus dem Ostjerusalemer Stadtteil Dschabel Mukaber stammen. Die Sicherheitskräfte rückten dort am Vormittag in großer Zahl an und vernahmen ihre Angehörigen. Nach gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen arabischen Einwohnern und der Polizei wurden neun Personen festgenommen. Die Polizei schließt mittlerweile aus, dass es einen dritten Angreifer gab, wie zunächst befürchtet.

          Zu der Tat bekannten sich die „Ali Abu Mustafa Brigaden“, ein militanter Arm der linken „Volksfront zur Befreiung Palästinas“. Die Terrororganisation rief alle palästinensischen Fraktionen dazu auf, „gemeinsam Widerstand gegen die (israelische) Besatzung zu leisten“.

          Wenige Stunden nach dem Attentat feiern maskierte Palästinenser in Rafah (Gazstreifen) vor Postern er mutmaßlichen Attentäter den Angriff auf die Synagoge in Jerusalem Bilderstrecke

          „Wir sind im Krieg“

          Anders als bei den Attentaten der vergangenen Wochen ereignete sich der Anschlag nicht an der Grenze zum arabischen Ostteil der Stadt, sondern in Har Nof, einem vorwiegend von strenggläubigen Juden bewohnten Viertel im Westen. Ein Polizeisprecher sagte, man stufe den Vorfall als einen Terroranschlag ein. Sicherheitsminister Itzhak Ahronovitch rief die Bürger dazu auf, das „Recht nicht in die eigenen Hände zu nehmen“ und nicht Selbstjustiz zu üben.

          Der Vorsitzende der ultraorthodoxen Schas-Partei Arie Deri sagte: „Wir sind im Krieg.“ Während Palästinenserpräsident Mahmud Abbas die Bluttat verurteilte, wies ihm der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu eine Mitverantwortung zu. Netanjahu berief sein Sicherheitskabinett ein und kündigte an, man werde mit „harter Hand“ reagieren. Abbas erklärte, er verurteile „alle Akte der Gewalt, gleich woher sie kommen“. Zugleich verlangte er in Ramallah ein Ende von „Provokationen durch Siedler“ vor der Al-Aqsa-Moschee. Der palästinensische Politiker Mustafa Barghuthi sagte dem britischen Sender BBC, Israel sei „verantwortlich für das Blutvergießen“. Dieses Jahr seien mehr als 2.000 Palästinenser durch israelische Soldaten und Siedler getötet worden. Die israelische Regierung habe „die Palästinenser auf diese schreckliche Weise provoziert“.

          Hamas: „Eine heroischen Tat“

          In einer Stellungnahme bezeichnete die islamistische Hamas-Organisation den Angriff als Vergeltung für den Tod eines arabischen Busfahrers am Sonntag. Der Mann aus Ostjerusalem war erhängt in einem Busdepot aufgefunden worden. Die israelische Polizei geht von einem Suizid aus. Eine Obduktion, an der auch ein von der Familie benannter Arzt teilnahm, habe keine Anhaltspunkte auf einen „kriminellen“ Hintergrund oder ein Fremdeinwirken ergeben. Angehörige und palästinensische Organisationen bezichtigten jedoch von Anfang an jüdische Extremisten, den 32 Jahre alten Fahrer getötet zu haben.

          Das Attentat am Dienstag sei auch eine Reaktion auf die „andauernden israelischen Verbrechen rund um die Al-Aqsa-Moschee“, hieß es in der Hamas-Erklärung, die zu neuen „Racheakten“ aufrief. Zuletzt war am Sonntagabend ein jüdischer Israeli in der Nähe der Altstadt mit einem Schraubenzieher angegriffen und leicht verletzt worden.

          Wie die Hamas lobte die Terrororganisation „Islamischer Dschihad“ das Attentat. In Jerusalem wurde aber noch untersucht, ob die Angreifer Verbindungen zu einer der Gruppen hatten oder Einzeltäter waren, die spontan zuschlugen.

          Der sephardische Oberrabbiner Jitzhak Josef verlangte laut der Zeitung „Haaretz“ Polizeischutz für alle Synagogen. Dem widersprach der Oberrabbiner der aschkenasischen Richtung des Judentums, David Lau. Das Modell strenger Sicherheitsvorkehrungen, wie sie um Synagogen im Ausland üblich seien, solle in Israel nicht wiederholt werden. Man dürfe nicht zulassen, dass das religiöse Leben „wegen ein paar blutgieriger Terroristen beendet“ werde, zitiert „Haaretz“ den Rabbiner.

          Frankreichs Präsident François Hollande verurteilte den Angriff in der Synagoge als „abscheuliches Attentat“. Hollande zeigte sich nach Angaben des Élyséepalastes vom Dienstag tief besorgt über „die Kette von Gewaltakten in Jerusalem, Israel und dem Westjordanland“.

          Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier verurteilte den Anschlag als „schreckliche Grenzüberschreitung in einer ohnehin extrem angespannten Lage“. Während eines Besuchs in Kiew sagte Steinmeier, er habe bei seinem Aufenthalt in Jerusalem am Wochenende spüren können, wie aufgeladen die Atmosphäre dort sei.

          Zuletzt hatten sich Steinmeier und der amerikanische Außenminister John Kerry darum bemüht, die Lage zu beruhigen. Kerry hatte Netanjahu und den jordanischen König Abdullah in Amman zu einem Gipfeltreffen zusammengebracht. Jordanien ist Hüterin der den Muslimen heiligen Stätten auf dem Jerusalemer Tempelberg, wo die Al-Aqsa-Moschee steht.

          Der Anschlag am Dienstagmorgen ist das schlimmste Attentat in Jerusalem seit Jahren. Bei den beiden jüngsten Anschlägen auf Haltestellen der Jerusalemer Straßenbahn waren jeweils zwei Passanten getötet und die Attentäter erschossen worden. In Tel Aviv und in der Nähe einer Siedlung im Westjordanland wurden zudem zwei Israelis getötet. Der Angriff auf die Synagoge erinnert an einen ähnlichen Anschlag im März 2008. Damals tötete ein palästinensischer Schütze in einer nationalreligiösen Talmud-Schule acht Studenten.

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