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Tod von Denis Cuspert : Al Baghdadis deutscher Helfer

Denis Cuspert auf einem Propagandabild des „Islamischen Staats“. Bild: dpa

Der ehemalige Berliner Rapper Denis Cuspert galt als deutsche Prominenz unter den Kämpfern der Terrormiliz „Islamischer Staat“. Nun soll er bei einem Luftangriff getötet worden sein – wieder einmal.

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          Das amerikanische Verteidigungsministerium scheint sich diesmal sicher zu sein, dass Denis Cuspert, das deutsche Sprachrohr der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS), tot ist. Cuspert sei zwar nicht das vorrangige Ziel gewesen, teilte das Pentagon mit. Doch bei einem amerikanischen Luftangriff unweit von Rakka, sei am 16. Oktober auch der deutsche Dschihadist und frühere Berliner Rap-Musiker Cuspert getötet worden. Das Bundesinnenministerium wollte die Todesnachricht weder bestätigten noch dementieren, weil Cuspert schon so oft tot gemeldet worden sei.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Tatsächlich war der gebürtige Berliner schon im September 2013 in einen Angriff der syrischen Armee geraten. Doch nach einer mehrmonatigen Genesungsphase meldete er sich via Internet zurück. Wenig später hieß es abermals, Cuspert sei tot. Aber im April 2014 wurde im Netz ein Film veröffentlicht, in dem Cuspert beim Ablegen des Treueschwurs auf Abu Bakr al Baghdadi, den militärischen Anführer des „Islamischen Staats“ (IS), zu sehen ist. Der Schwur war, wie es in er Lageanalyse des Berliner Verfassungsschutzes heißt, das „ letzte Kapitel im Radikalisierungsverlauf Cusperts, der innerhalb von etwa vier Jahren von einem konsumorientierten Rapper zur ‚Prominenz‘ der salafistischen Szene in Deutschland aufstieg und nun in einer der weltweit radikalsten und brutalsten dschihadistischen Terrororganisation“ wirke und „über direkten Zugang zu Führungskreisen des IS verfügt“.

          Denis Cuspert kam 1975 als Sohn einer Deutschen und eines Ghanaers in Berlin zur Welt. Er wuchs in ein „soziales Milieu hinein, das sich anlog zur US-amerikanischen Gang-Kultur über Gewalt, kriminelle Geldbeschaffung und exzessive Lebensführung definierte“, wie es in der Verfassungsschutz-Analyse heißt. Mit Ende Zwanzig versuchte Cuspert – unter anderem unter dem Namen „Deso Dogg“ – eine Karriere als „Gangsta-Rapper“. Doch der erhoffte Durchbruch blieb aus.

          Erste Belege für seine Radikalisierung lassen sich laut Verfassungsschutz auf Februar 2010 datieren. Damals traf Cuspert in einer Neuköllner Moschee mit dem salafistischen Prediger Pierre Vogel zusammen. In der folgenden Zeit machte sich Cuspert in der salafistischen Szene mit radikalen Sprechgesängen einen Namen. Seine Internet-Veröffentlichungen wurden tausendfach angeklickt und dürften nach Einschätzungen des Verfassungsschutzes „in den Radikalisierungsverläufen zahlreicher Personen einen festen Platz eingenommen haben“. Als besonders drastisches Beispiel gilt Arid U., der im März 2011 am Frankfurter Flughafen zwei amerikanische Soldaten erschoss. U. soll sich unter anderem mit Cusperts Sprechgesängen auf seinen Terroranschlag eingestimmt haben.

          Gemeinsam mit dem österreichischen Dschihadisten Mohammed Mahmoud gründete Cuspert 2011 die Organisation „Millatu Ibrahim“, die schnell zum wichtigsten Sammlungsort extremistischer Salafisten in Deutschland wurde. Im Mai 2012 trat Cuspert bei einer Demonstration in Bonn als Wortführer mit Megafon auf, in deren Verlauf ein Salafist zwei Polizisten mit Messerstichen schwer verletzte. Kurz darauf wurde „Millatu Ibrahim“ verboten. Im Juni reisten Mahmoud und Cuspert dann zunächst nach Ägypten aus. Trotz des Verbots spielen die Netze der Gruppe eine entscheidende Rolle dabei, junge deutsche Dschihadisten mit Paradiesverheißungen auf die syrischen Schlachtfelder zu locken. Immer wieder tauchten Filme auf, die Cuspert mit neuen Syrien-Kämpfern zeigten.

          Seit geraumer Zeit ermittelte die Bundesanwaltschaft gegen Cuspert, der sich zuletzt „Abu Talha al-Almani“ nannte. Im Juli 2014 veröffentlichte der IS ein Video, in dem er bei der Schändung eines Leichnams zu sehen ist, im November folgte ein Film, in dem Cuspert den Kopf eines exekutierten IS-Gegners in Händen hält.

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