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Terrorismus : Amerika wirft Pakistan Beteiligung vor

  • -Aktualisiert am

Erfrischend undiplomatisch: Admiral Mike Mullen im Senat Bild: AFP

Islamabad droht Washington mit dem Ende der strategischen Partnerschaft. Ausgelöst wurde dies durch die Vorwürfe der Vereinigen Staaten, der pakistanische Geheimdienst ISI sei direkt für Terroranschläge in Afghanistan verantwortlich.

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          Die Regierung in Islamabad hat auf die Vorwürfe Washingtons, der pakistanische Geheimdienst ISI sei direkt für Terroranschläge in Afghanistan verantwortlich, mit der Drohung reagiert, die strategische Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten aufzukündigen. Außenministerin Hina Rabbani Khar sagte während der UN-Vollversammlung in New York, sollten die Vereinigten Staaten weiter unbegründete Vorwürfe gegen Pakistan erheben, dann würden sie „zu ihrem eigenen Nachteil einen Alliierten verlieren“.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Die Spannungen zwischen Washington und Islamabad haben sich durch die ungewöhnlich deutliche Kritik des Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs, Admiral Michael Mullen, bei einer Anhörung im Senat zugespitzt. Mullen warf dem pakistanischen Militärgeheimdienst ISI vor, die Haqqani-Terrorgruppe in Pakistan, die für zahlreiche schwere Anschläge der vergangenen Wochen im Nachbarland Afghanistan verantwortlich gemacht wird, nachhaltig zu unterstützen. „Das Haqqani-Netz ist ein veritabler Arm des ISI“, sagte Mullen. Mit Unterstützung des ISI hätten Kämpfer der Haqqani-Gruppe die amerikanische Botschaft und andere Ziele im Diplomatenviertel in Kabul angegriffen. Bei dem schwersten Angriff in der afghanischen Hauptstadt seit dem Sturz der Taliban von Ende 2001 hatten vergangene Woche mehrere Selbstmordattentäter Botschaftsgebäude mit Raketen beschossen und sich 20 Stunden lang in einem Rohbau verschanzt. Auch für den Selbstmordanschlag mit einem mit Sprengstoff beladenen Lastwagen vom 10. September auf einen Stützpunkt der internationalen Sicherheitstruppen in der Provinz Wardak machte Mullen die Haqqani-Gruppe verantwortlich. Außerdem gebe es „stichhaltige Beweise“, dass die vom ISI unterstützte Haqqani-Gruppe hinter dem Anschlag auf das Hotel „Intercontinental“ in Kabul vom 28. Juni sowie „hinter einer ganzen Reihe kleinerer, aber effizienter Operationen“ stecke.

          Größte Bedrohung für die Stabilisierung Afghanistans

          Mullen verlässt in wenigen Tagen seinen Posten als Vorsitzender der Vereinigten Stabschefs. Der Admiral hatte während seiner vierjährigen Amtszeit stets enge Beziehungen zum einflussreichen pakistanischen Armeechef General Ashfaq Pervez Kayani unterhalten und sich intensiv um die Partnerschaft mit Pakistan bemüht. Mullens scharfe Kritik richtete sich auch direkt gegen die Regierung in Islamabad. „Mit ihrer Entscheidung, gewalttätigen Extremismus als Instrument ihrer Politik einzusetzen, bedrohen die pakistanische Regierung und zumal die Streitkräfte sowie der ISI nicht nur unsere strategische Partnerschaft, sie beschädigen auch Pakistans Ruf als respektierte Nation“, sagte Mullen. Das Misstrauen der Vereinigten Staaten gegenüber dem Verbündeten Pakistan wurde unter anderem bei der Aktion gegen Al-Qaida-Führer Bin Ladin im Mai deutlich, über die pakistanische Stellen vorab nicht unterrichtet worden waren. Die pakistanische Führung hatte darauf erbost reagiert.

          Washington verlangt von Islamabad seit langem, entschiedener gegen Terrorgruppen in den Nordwestprovinzen des Landes vorzugehen, vor allem gegen die Haqqani-Gruppe. Die von Dschalaluddin Haqqani gegründete Terrorgruppe kämpft vom pakistanischen Stammesgebiet Nordwasiristan aus gegen die internationalen Truppen in Afghanistan und gegen afghanische Regierungssoldaten. Die Gruppe verfügt nach Einschätzung der amerikanischen Geheimdienste über 4000 bis 5000 erfahrene und gut ausgebildete Kämpfer. Aus Sicht der Amerikaner stellt die Haqqani-Gruppe inzwischen die größte Bedrohung für die Stabilisierung Afghanistans dar. Weil sich die Unterschlupfe der heute von den Söhnen Haqqanis geführten Terrorgruppe in dichtbesiedelten Stadtgebieten von Miram Shah, der Hauptstadt von Nordwasiristan befinden, haben die amerikanischen Streitkräfte und Dienste bisher keine Angriffe mit Drohnen gegen die Haqqani-Gruppe geflogen.

          Mit der abermals verschärften Kritik erhöht Washington den Druck auf Islamabad, damit die pakistanische Armee ihrerseits gegen die Terrorgruppe vorgeht. Der pakistanische Innenminister Rehman Malik bestritt am Freitag Verbindungen des ISI zu der Gruppe. Zugleich bekräftigte er, dass es keine Kommandoaktionen amerikanischer Einheiten in Pakistan geben werde. „Die pakistanische Nation wird keine Stiefel ausländischer Soldaten auf unserem Heimatboden dulden, niemals“, sagte Malik. Pakistan kooperiere mit den Vereinigten Staaten, „aber sie müssen auch unsere Souveränität respektieren“, forderte Malik. Unterdessen hat der Haushaltsausschuss des amerikanischen Senats die künftige Freigabe der Finanz- und Militärhilfe für Pakistan in Höhe von mehr als zwei Milliarden Dollar jährlich an die Bedingung geknüpft, dass Islamabad die Haqqani-Gruppe entschieden bekämpft.

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