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Terror : Al Qaida ist noch nicht besiegt

Bild: F.A.Z.

Al Qaida ist zurück, und wieder geht der Schrecken vor ihrem Terror um. Zwei Entwicklungen haben dem Terrornetz zu der Renaissance verholfen. Die neue Generation hat aus den Schwächen der vorigen gelernt.

          Noch vor zwei Jahren schien Al Qaida besiegt. Die arabische Jugend erhob sich friedlich, ohne Anwendung von Gewalt stürzte sie autokratische Herrscher. Al Qaidas verquaste Ideologie, mit Gewalt für die Errichtung islamischer Staaten auf der alleinigen Grundlage der Scharia zu kämpfen, hatte offenbar an Attraktivität eingebüßt. Ob Bin Ladin oder nach dem 1. Mai 2011 sein Nachfolger Zawahiri - die arabische Jugend hörte nicht mehr auf die bärtigen alten Männer, die sich im Hindukusch auf der Flucht verborgen hielten. Sie feierte viel lieber ihre bunten Revolutionen.

          Al Qaida ist zurück, und wieder geht der Schrecken vor ihrem Terror um. Zwei Entwicklungen haben dem Terrornetz zu der Renaissance verholfen: Erst flossen die Waffen, die im Jahr 2011 zur Unterstützung der Rebellen im Aufstand gegen Gaddafi nach Libyen gelangt waren, weiter nach Mali; dort bildete sich eine neue Basis für den Dschihad.

          Dann zog der Bürgerkrieg in Syrien islamistische Extremisten aus aller Welt an - ein zweites Zentrum war entstanden. Während Mali als geographischer Mittelpunkt Dschihadisten von Marokko bis Nigeria als Ausgangspunkt dient, erweitert Syrien den Radius der irakischen Dschihadisten. Sie schienen mit dem Ende des irakischen Bürgerkriegs im Jahr 2008 besiegt. Als Folge des uneinsichtigen schiitischen Ministerpräsidenten Maliki und vor allem des Bürgerkriegs in Syrien sind sie aber stärker denn.

          Als drittes Element könnte die Rückkehr von Al Qaida befördern, dass Islamisten, die es mit der Demokratie versuchen wollten, zu der Überzeugung gelangten, dass Demokratie nur dann gilt, wenn Säkulare die Wahlen gewinnen.

          Die neue Generation von Al Qaida hat aus den Schwächen und Fehlern der vorigen gelernt. Während Al Qaida vor „9/11“ noch hierarchische Strukturen hatte, die auf Bin Ladin zuliefen, passte sie sich mit dem Krieg gegen den Terror an. Sie entwickelte flache Hierarchien mit Zellen, die untereinander nicht verbunden sind. Heute setzt Al Qaida im Zeichen neuer Stärke auf regionale Zusammenschlüsse - im Maghreb, zwischen dem Irak und Syrien, zwischen dem Jemen und Somalia. Galionsfiguren wie einst Bin Ladin brauchen die Dschihadisten nicht länger. Denn wo immer es an funktionierenden und gerechten Strukturen mangelt, gedeiht ihr primitives Weltbild, das sie mit Waffengewalt durchsetzen. Drohnen allein sind für ihre Bekämpfung keine Lösung.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

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