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Waffenruhe in Syrien : Nach dem Drehbuch Putins

Seite an Seite: Assad und Putin bei einem Treffen im Kreml im Oktober Bild: dpa

Washington hat seine Zweifel am Erfolg der vereinbarten Feuerpause in Syrien und ein Offizier der Rebellen sagt: „Es ist schier unmöglich.“ Moskau aber freut sich. Alles läuft nach Putins Plan.

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          Zumindest Wladimir Putin sieht Grund zum Feiern. Nachdem der russische Machthaber die Vereinbarung mit Präsident Barack Obama über eine Einstellung der Kampfhandlungen am Telefon besiegelt hatte, verkündete er in einer Erklärung: „Es hat sich endlich eine wirkliche Chance eröffnet, das langjährige Blutvergießen und die Gewalt zu beenden.“ Er, Putin, sei überzeugt, dass die mit der amerikanischen Seite vereinbarten gemeinsamen Maßnahmen geeignet seien, eine radikale Wende in der Syrien-Krise zu erreichen. Russland werde nach Kräften auf das syrische Regime einwirken, um eine Einstellung der Kampfhandlungen zu erreichen.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Das Regime in Damaskus verkündete am Dienstag, es akzeptiere die Vereinbarung - natürlich werde gemäß der Übereinkunft der Kampf gegen Terrorgruppen wie den „Islamischen Staat“ (IS) sowie die unter dem Banner von Al Qaida kämpfende Nusra-Front und ihre Verbündeten weitergeführt.

          Der Ton in Washington war deutlich gedämpfter als der in Moskau. Obama habe gegenüber Putin darauf gedrungen, das Leid der syrischen Bevölkerung zu mindern, den Fokus auf den Kampf gegen den IS zu legen und die Verhandlungen für eine politische Lösung des Syrien-Konfliktes voranzutreiben, teilte das Weiße Haus mit. Es werde schwierig sein, die angestrebte Feuerpause ins Werk zu setzen, sagte der Sprecher Josh Earnest. Sogar der für seinen beharrlich zur Schau getragenen Optimismus bisweilen belächelte amerikanische Außenminister John Kerry zeigte sich skeptisch. Es gebe Anlass zur Hoffnung, erklärte er. Aber Kerry machte auch deutlich, dass er einen Erfolg als alles andere als einen Selbstgänger ansieht.

          Noch pessimistischere Töne kamen von der syrischen Opposition. Der Koordinator des Syrischen Hohen Verhandlungskomitees, Riad Hidschab, sagte, er glaube nicht daran, dass der Diktator Baschar al Assad und seine Verbündeten tatsächlich die Kampfhandlungen einstellen würden. Schließlich hänge das Überleben des Regimes davon ab, dass es weiter unterdrücke, morde und vertreibe. Das Komitee stimmte der Vereinbarung „unter Bedingungen“ zu. Das unter saudischer Führung aus maßgeblichen Oppositionskräften geformte Bündnis verlangt unter anderem Garantien dafür, dass Belagerungen von Orten aufgehoben werden, die von den Rebellen kontrolliert werden, dass das Bombardement von Zivilisten eingestellt wird und dass Hilfslieferungen ermöglicht werden.

          Der Sturm vor der Ruhe

          Von Offizieren und Funktionären der Rebellen ist unisono zu hören, Moskau und Damaskus sei einfach nicht zu trauen. „Das russische Verhalten in den vergangenen Monaten gibt keinen Anlass zu Optimismus“, sagt etwa ein Anführer der islamistischen Rebellenbrigade Nour al Din al Zenki, die zu den stärkeren Kräften in Aleppo gehört, das derzeit im Zentrum der Kämpfe steht. Man werde sich zwar der Waffenstillstandsvereinbarung verpflichtet fühlen, aber sie werde scheitern, sollten wieder Zivilisten zum Ziel von Luftangriffen werden.

          Die Opposition hat nicht vergessen, dass Russland und Assad nach der Einigung von München, in deren Geiste die Gewalt eigentlich hätte zurückgehen sollen, ihre Militäroperationen noch einmal verschärften. Auch am Dienstag meldeten Aktivisten russische Luftangriffe auf die Versorgungsroute, die den von den Assad-Gegnern gehaltenen Teil Aleppos im Norden mit der Türkei verbindet.

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