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Syrien : Wer findet den rauchenden Colt?

Präzisionsarbeit: Chemiewaffeninspekteure nehmen Proben in einem Damaszener Vorort, in dem sich am 21. August ein Giftgasangriff ereignet haben soll Bild: REUTERS

Jetzt schlägt die Stunde von Chemikern und Waffeninspekteuren. Drei Labore prüfen die Proben des vermuteten Sarin-Angriffs in Damaskus. Eines davon ist in Deutschland.

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          Schleimblasen quellen aus der Nase des Mädchens, sein Körper liegt leblos auf steinernem Boden. - Ein Mann zieht die Hand an den Kopf, er lebt noch, um seinen Mund hat sich weißer Schaum gebildet. - Leichname, mehr als ein Dutzend junger Männer; sie liegen auf dem Rücken, ihre Hände über dem Bauch verschränkt. Das waren die schrecklichen Bilder, die die Welt aufschreckten. Bilder, die nach dem mutmaßlichen Giftgaseinsatz in östlichen und südlichen Vororten von Damaskus am 21. August gemacht wurden.

          Thomas Gutschker
          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          „Diese Bilder sagen wenig, sie irritieren mich eher“, sagt Ralf Trapp. Trapp ist kein Zyniker, sondern Chemiewaffenfachmann mit vier Jahrzehnten Berufserfahrung. Der promovierte Chemiker, 1953 in Erfurt geboren, vertrat erst die DDR, dann die Bundesrepublik in der Genfer Abrüstungskonferenz, und er baute die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) mit auf, für die er 13 Jahre lang tätig war. Er kennt die Macht der Bilder - und die Trugschlüsse aus ihnen.

          Es schlägt die große Stunde der Chemiewaffeninspekteure

          Das Nervengas Sarin, das in Damaskus eingesetzt worden sein soll, führt zu Atemnot, Speichelfluss, Muskelzucken, Krämpfen - aber nicht zu Schaum vor Mund und Nase und schlaffen Leibern. Aber auch der Umkehrschluss wäre falsch: dass die Personen auf den Bildern nicht vergiftet worden sind. Der Schaum könnte die Folge von Wiederbelebungsversuchen sein, mutmaßt Trapp, und die jungen Männer wurden offenkundig erst nach ihrem Tod in eine halbwegs würdevolle Haltung gebracht.

          Was an jenem Augustmorgen gegen halb drei in Damaskus geschehen ist und nach amerikanischen Angaben mehr als 1.400 Menschen das Leben gekostet hat, darunter 400 Kindern, wird nicht mit Bildern und Videos bewiesen werden. Es schlägt jetzt die große Stunde der Chemiewaffeninspekteure. Sie waren zufällig in Syrien, als sich der Angriff in Damaskus ereignete - um im UN-Auftrag frühere vermutete Giftgaseinsätze aufzuklären. Fünf Tage später war das Team der OPCW, mit Übersetzern rund zwanzig Personen, am Ort des Geschehens.

          Die Spurensuche geht im Labor weiter

          Eine Woche haben sie Einschlagstellen von Granaten überprüft, Proben genommen, Opfer, Helfer und Ärzte befragt. Am vergangenen Wochenende kehrten sie zurück. Nun geht die Spurensuche im Labor weiter. Es war kein Routineeinsatz für die Inspekteure - einmal gerieten sie sogar in die Schusslinie, zwei Fahrzeuge wurden getroffen. Wenn die Leute der OPCW sonst ausrücken, begutachten sie chemische Betriebe, immer ordentlich angemeldet, oder Altbestände von Chemiewaffen in militärischen Arsenalen.

          Kaum jemand interessiert sich für diese Arbeit, die durch die Chemiewaffenkonvention gedeckt ist, eine internationale Übereinkunft, die 1997 in Kraft trat. Während die Kontrolleure der Internationalen Atomenergiebehörde durch ihre Einsätze im Irak, in Iran und Nordkorea zu wichtigen Akteuren wurden, sogar mit dem Friedensnobelpreis geadelt, führten die Kollegen der OPCW bislang ein Schattendasein. Syrien ist der erste Fall, in dem sie einen vermuteten Giftgaseinsatz aufklären sollen.

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