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Syrien : Vier entführte Rotkreuz-Helfer wieder frei

  • Aktualisiert am

Inspekteure der OPCW Anfang Oktober in Damaskus Bild: AFP

In Syrien sind vier der verschleppten humanitären Helfer freigelassen worden. Derweil trat Syrien der Chemiewaffenkonvention bei. Die Inspektoren der OPCW bekommen damit mehr Rückendeckung. Bei ihrer Ausbildung hilft die Bundeswehr.

          Vier der sieben in Syrien verschleppten humanitären Helfer sind wieder frei. Das teilte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) am Montag in Genf mit. Drei IKRK-Mitarbeiter sowie der Mitarbeiter des Roten Halbmondes seien wohlauf, bei drei weiteren entführten Kollegen warte die Organisation auf weitere Neuigkeiten, sagte ein Sprecher.

          Syrien ist am Montag unterdessen offiziell der Organisation für das Verbot der Chemiewaffen (OPCW) beigetreten. „Ab heute ist Syrien ein voller Mitgliedsstaat“, teilte die OPCW am Montag in Den Haag mit. Das Land ist das 190. Mitglied der Organisation, die in der vergangenen Woche mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden war. Syrien hatte vor 30 Tagen seinen Beitritt beantragt und damit der Vernichtung seines gesamten C-Waffenarsenals sowie aller Produktionsstätten zugestimmt.

          Ein Team von 60 Mitarbeitern der OPCW und der UN überwacht bereits seit dem 1. Oktober in Damaskus die Zerstörung. „Syrien hatte ausdrücklich um eine Beschleunigung des Verfahrens gebeten“, sagte ein OPCW-Sprecher. Daher sei die Kontrollbehörde von der in der Konvention vorgesehenen Frist von 30 Tagen abgewichen.Inspektionsteams von UN und OCPW sind seit Anfang Oktober in Syrien, um die Zerstörung des Chemiewaffenarsenals zu überwachen.

          Anlass für den Beitritt war ein Angriff mit Chemiewaffen im August in der Nähe von Damaskus, bei dem etwa 1400 Menschen getötet worden waren. Das syrische Regime hatte Vorwürfe westlicher Länder zurückgewiesen, dass es für die Angriffe verantwortlich war. Unter Druck Russlands und der Vereinigten Staaten hatte das Regime von Baschar al Assad dann jedoch der Vernichtung der C-Waffen zugestimmt.

          Niederländerin soll Chemiewaffen-Mission leiten

          Die gemeinsame Mission der UN und der OPCW zur Zerstörung der syrischen Chemiewaffen soll die Niederländerin Sigrid Kaag leiten. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon habe sich dafür entschieden, Kaag als „Sonderkoordinatorin“ einzusetzen, teilten Diplomaten in New York am Sonntag mit. Der UN-Sicherheitsrat werde am Mittwoch über den Vorschlag des UN-Generalsekretärs beraten.

          Der UN-Sicherheitsrat hatte am Freitag einen Plan des Generalsekretärs gebilligt, nach dem eine gemeinsame Mission der UN und der OPCW die Abrüstung des syrischen Chemiewaffenarsenals übernehmen soll. Bans Plan sieht vor, bis zu 100 Experten für die Mission abzustellen. Derzeit sind bereits rund 60 Experten und weitere Mitarbeiter der beiden Organisationen in Syrien. Gemäß der UN-Resolution sollen die Produktionsstätten für Chemiewaffen bis zum 1. November unbrauchbar gemacht und das Arsenal bis Mitte 2014 zerstört werden. Kaag ist seit 2010 stellvertretende Generalsekretärin des UN-Entwicklungsprogramms.

          Viele Tote bei Anschlag in Idlib

          Bei der Explosion einer Autobombe wurden in der nordsyrischen Stadt Darkusch am Montag unterdessen mindestens 20 Menschen getötet. Wie die oppositionsnahe Beobachtungsstelle für Menschenrechte weiter mitteilte, wurden Dutzende Menschen durch die Detonation verletzt. Der in der Provinz Idlib gelegene Ort Darkush wird von Rebellen kontrolliert und liegt etwa zwei Kilometer von der türkischen Grenze entfernt.

          Die in Großbritannien ansässige Gruppe, die die Gewaltakte im syrischen Bürgerkrieg registriert, hat ein enges Netz von Informanten im ganzen Land. Nach ihren Erkenntnissen sind zwölf der Todesopfer identifiziert. Außerdem seien acht stark verkohlte Leichen geborgen worden. In dem Bürgerkrieg sind nach Informationen der Beobachtungsstelle bereits mehr als 115.000 Menschen getötet worden. Der Konflikt dauert bereits anderthalb Jahre an.

          Bundeswehr schult Inspekteure

          Unterdessen hat die Bundeswehr mit der Ausbildung von OPCW-Inspekteuren begonnen. 24 Experten der OPCW nehmen seit Montag an einem viertägigen Lehrgang an der Infanterieschule des Deutschen Heeres in Hammelburg (Bayern) teil. Wie ein Bundeswehrsprecher aus Koblenz FAZ.NET mitteilte, bereite der Lehrgang die Teilnehmer aus aller Welt nicht speziell auf den Einsatz in Syrien vor. Auf dem an die Heeresschule angrenzenden Truppenübungsplatz Wildflecken sollten die angehenden Inspekteure vielmehr generell über das Verhalten in Krisen- und Konfliktregionen aufgeklärt werden.

          Hierzu werde zum Beispiel das Verhalten geschult, wenn ein Fahrzeugkonvoi unter Beschuss gerate. Auf dem Lehrplan stehen auch Hinweise bei Geiselnahmen, an Checkpoints und inmitten von Menschenmengen. Im Gebrauch von Waffen werden die Inspektoren nicht ausgebildet. Außenminister Westerwelle (FDP) äußerte zu dem Fortbildungsprogramm: „Deutschland unterstützt nachdrücklich die Arbeit der Organisation für das Verbot chemischer Waffen in Syrien.“ Die OPCW erhält für ihre Arbeit in diesem Jahr den Friedensnobelpreis.

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