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Syrien : UN: Angriff auf Tremseh galt Gegnern des Regimes

  • -Aktualisiert am

Augenzeugenbericht: Ein UN-Beobachter erkundigt sich in Tremseh Bild: AFP

Nach Angaben der UN-Mission für Syrien galt der Angriff des Regimes auf die Ortschaft Tremseh Deserteueren und Regierungsgegnern. Die Zahl der Opfer ist weiter unklar. Damaskus bezichtigte derweil „Terroristen“.

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          Der Angriff syrischer Truppen auf das syrische Tremseh am vergangenen Donnerstag soll sich gegen Deserteure und Regimegegner gerichtet haben. Das hat die UN-Beobachtermission für Syrien (Unsmis) in Damaskus mitgeteilt. „Es gab Blutlachen und Blutflecken in den Räumen mehrerer Häuser sowie Patronenhülsen“, heißt es in einer Presseerklärung, in der die syrische Regierung aufgefordert wird, den „Gebrauch schwerer Waffen auf Bevölkerungszentren einzustellen“. Nach dem von Gegnern Präsident Baschar al Assads, aber auch von der amerikanischen Außenministerin Hillary Clinton als „Massaker“ bezeichneten Vorfall in Tremseh, bei dem nach Oppositionsangaben mehr als 150 Personen getötet wurden, hat ein Unsmis-Team die Gemeinde am Wochenende zweimal besucht.

          „Die Zahl der Todesopfer ist weiter unklar“, heißt es in der Mitteilung der UN-Mission, deren Mandat Ende dieser Woche ausläuft. Die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hatte am Wochenende behauptet, mehr als 100 in Tremseh getötete Zivilisten namentlich identifiziert zu haben, aber nicht bestritten, dass auch viele Rebellen unter den Opfern seien. Syriens Außenamtssprecher Dschihad Makdissi wies den Vorwurf zurück, in dem Ort sei ein Massaker verübt worden. „Es war kein Angriff der Armee auf Zivilisten, sondern Kämpfe zwischen der regulären Armee und bewaffneten Gruppen.“ Unter Berufung auf eine anonyme Quelle, die bei der Beisetzung der Toten in Tremseh am Freitag zugegen gewesen sei, sagte Makdissi, es seien 37 Bewaffnete und zwei Zivilisten getötet worden.

          UN-Beobachter von Regime behindert

          Zuvor hatte die amtliche Nachrichtenagentur Sana von 50 bei einem von „Terroristen“ verübten „Massaker“ berichtet. Drei Soldaten seien getötet worden. Ein dieser Zeitung vorliegender Unsmis-Bericht beschreibt, wie die Beobachter von staatlicher Seite daran gehindert wurden, Zivilisten in Sicherheit zu bringen, und wie die Gemeinde durch Militärhubschrauber beschossen wurde. Der Einsatz gehörte nach Unsmis-Angaben zu einer groß angelegten Militäroperation nördlich von Hama. Makdissi bestritt am Sonntag, dass in Tremseh Hubschrauber, Panzer und Artillerie eingesetzt wurden.

          Die Klärung des Tathergangs von Tremseh hatte schon am Freitag in den Beratungen der Mitglieder des UN-Sicherheitsrats für eine neue Syrien-Resolution eine wichtige Rolle gespielt. Die Gespräche sollen an diesem Montag in New York fortgesetzt werden. Russland sperrt sich bisher gegen einen von Großbritannien eingebrachten, der syrischen Regierung mit Sanktionen drohenden Resolutionsentwurf. Einer Verlängerung des Unsmis-Mandats will Moskau jedoch zustimmen. Der Syrische Nationalrat (SNC) forderte am Wochenende die Einstellung der Mission. Die wichtigste Vertretung der syrischen Opposition kündigte zudem an, nicht mehr mit den Vertretern des Syrien-Sondergesandten von Vereinten Nationen und Arabischer Liga, Kofi Annan, zusammenzuarbeiten. Dass „Massaker“ von Tremseh habe gezeigt, dass von dessen Sechs-Punkte-Plan „nur das Regime“ profitiere. Annan will nach Bagdad und Teheran nun Moskau besuchen, wo für Dienstag ein Treffen mit Präsident Wladimir Putin geplant ist. Dabei werde Russland seine Unterstützung für den Annan-Friedensplan bekräftigen, teilte der Kreml mit. „Die russische Seite ist der Ansicht, dass der Plan die einzige realisierbare Grundlage für die Lösung der innersyrischen Probleme ist.“

          Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete das Blutbad von Tremseh nach Angaben türkischer Medien als „versuchten Völkermord“. Die Taten seien Beleg dafür, dass das Regime dem Untergang geweiht sei. Das syrische Volk werde sich für diese Verbrechen rächen wollen, warnte er. Auch der deutsche Außenminister Guido Westerwelle warf dem Assad-Regime vor, einen Krieg gegen die eigene Bevölkerung zu führen. Jetzt müsse der UN-Sicherheitsrat dem Regime endlich seine Grenzen aufzeigen, sagte er der Zeitung „Bild am Sonntag“. Das Blutvergießen in Syrien ging derweil unvermindert weiter. Allein am Samstag wurden nach Angaben der Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter insgesamt 133 Personen getötet, darunter 77 Zivilisten. Am Sonntag starben nach Angaben von Aktivisten binnen weniger Stunden 28 Personen. Heftige Gefechte wurden aus der Provinz Deir as Saur gemeldet.

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