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Syrien : Russlands Luftangriffe sollen hunderte Zivilisten getötet haben

  • Aktualisiert am

Nach einem russischen Luftangriff im syrischen Idlib am vergangenen Montag Bild: Reuters

„Kriegsverbrechen“ komme es gleich, was russische Bombardierungen in Syrien anrichten, kritisiert Amnesty International. Moskau mache falsche Angaben über zivile Opfer. 

          Die Einsätze der russischen Luftwaffe in Syrien kosten nach Darstellung von Amnesty International hunderte Zivilisten das Leben und hinterlassen schwere Schäden in Wohngebieten. Es seien eine Moschee, ein Markt und medizinische Einrichtungen getroffen worden, teilte die Menschenrechtsorganisation an diesem Mittwoch in London mit. Die Angriffe kämen Kriegsverbrechen gleich.

          Der Amnesty-Bericht konzentriert sich auf sechs Angriffe zwischen September und November in Homs, Idlib und Aleppo, bei denen rund 200 Zivilisten ums Leben gekommen seien. Die Organisation wirft Moskau vor, falsche Angaben zu zivilen Opfern gemacht zu haben. Zudem gebe es Hinweise darauf, dass die russischen Soldaten Streumunition und Bomben ohne Lenksysteme in dicht besiedelten Gebieten einsetzten. Manchmal habe es kein erkennbares militärisches Ziel gegeben.

          Forderung nach Untersuchung

          „Es ist unbedingt notwendig, dass die mutmaßlichen Verstöße unabhängig und unparteiisch untersucht werden“, sagte der Mitteilung zufolge Philip Luther, der bei Amnesty für den Nahen Osten und Nordafrika zuständig ist. Für den Bericht hat die Organisation nach eigenen Angaben Augenzeugen befragt und Bildmaterial ausgewertet.

          Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte am Dienstag mit, dass durch russische Angriffe inzwischen 2132 Menschen getötet worden seien. Demnach handelte es sich um 598 IS-Kämpfer, 824 Kämpfer der mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbündeten Al-Nusra-Front und 710 Zivilisten, darunter 161 Kinder und 104 Frauen. Die Beobachtungsstelle stützt sich auf Aktivisten vor Ort, ihre Angaben sind unabhängig kaum überprüfbar.

          Ein Su-34-Kampfbomber in einem Video des russischen Verteidigungsministeriums

          Insgesamt wurden im syrischen Bürgerkrieg bereits mehr als 250.000 Menschen getötet. Laut der Beobachtungsstelle wurden allein am Dienstag bei verschiedenen Angriffen und Kämpfen im Land fast 50 Menschen getötet. Allein 23 Menschen, darunter neun Kinder, starben demnach bei einem Angriff der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat auf eine Schule in der östlichen Stadt Deir Essor.

          Kämpfe an vielen Fronten

          Russland kämpft in Syrien gegen die Terrormiliz IS, aber auch gegen andere Gegner des syrischen Machthabers Baschar al-Assad. In Syrien tobt seit fast sechs Jahren ein Bürgerkrieg. Im Sommer vergangenen Jahres eroberte zudem der IS große Teile des Landes und des benachbarten Nordiraks.

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          Einheimische Truppen und eine internationale Allianz unter Führung der Vereinigten Staaten bekämpfen den IS in beiden Ländern aus der Luft. Die Allianz wirft Moskau vor, zur Stabilisierung von Assads Regierung auch mit dem Westen verbündete gemäßigte Rebellen zu bekämpfen. Russland weist dies zurück.

          UN-Sicherheitsrat erneuert Resolution

          Der UN-Sicherheitsrat hat eine Resolution zu humanitären Hilfslieferungen in das Bürgerkriegsland Syrien erneuert. Die 15 Mitglieder des Gremiums, darunter auch Russland, stimmten dem Text am Dienstag in New York geschlossen zu. Dieser sieht wie bereits vorherige Resolutionen Hilfslieferungen auch ohne das Einverständnis der Regierung in der syrischen Hauptstadt Damaskus vor.

          Seit dem vergangenen Jahr werden Hilfen aus der Türkei, aus Jordanien und aus dem Irak durch von syrischen Rebellen gehaltene Gebiete in das Land geschickt. Der Sicherheitsrat kritisierte in der Resolution vom Dienstag jedoch, dass die Maßnahmen nicht zu den gewünschten Erfolgen führten. Etwa 4,5 Millionen Menschen lebten nach wie vor in schwer erreichbaren Regionen des Landes.

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