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Syrien-Krieg : Russen dementieren Luftangriffe auf Palmyra

  • Aktualisiert am

Das russische Verteidigungsministerium veröffentlicht Videos der Luftangriffe in Syrien im Internet. Bild: AFP

Die russische Luftwaffe hat in Syrien angeblich Stellungen der Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat“ in Palmyra angegriffen. Das russische Verteidigungsministerium bezeichnet entsprechende Berichte jedoch als Lügen.

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          Das russische Verteidigungsministerium hat dementiert, Ziele in der syrischen Stadt Palmyra angegriffen zu haben. „Alle Berichte ausländischer Medien, dass russische Flugzeuge Luftangriffe gegen die Stadt Palmyra geflogen sind, sind absolute Lügen“, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Dienstag in Moskau. Zuvor hatte das syrische Fernsehen unter Berufung auf Militärkreise von Luftangriffen auf Ziele der Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) in und um Palmyra berichtet. Die Extremisten der radikalsunnitischen IS-Organisation hatten die zum Weltkulturerbe gehörende antike Stadt Ende Mai erobert und seither zahlreiche wertvolle Stätten dort zerstört.

          Der Direktor der Antikenbehörde, Mamun Abdelkarim, warnte vor kurzem, dem der Stadt drohe die vollständige Vernichtung. Palmyra könne nur gerettet werden, wenn die internationale Gemeinschaft die syrische Armee bei der Befreiung der Stadt von der IS-Miliz unterstütze.

          Russland hatte am 30. September mit seiner Militärintervention in Syrien begonnen. Moskau will nach eigener Darstellung mit den Luftangriffen die Extremisten der IS-Miliz und der Al-Nusra-Front sowie andere „Terroristen“ bekämpfen. Der Westen wirft Russland aber vor, vor allem Staatschef Baschar al-Assad stützen zu wollen.

          Eine erste Untersuchung der von Russland durchgeführten Bombenangriffe unterstützt diese Annahme. Wie sowohl die „New York Times“ als auch das unabhängige Rechercheportal „Bellingcat“ berichten, sollen die Ziele größtenteils nicht in dem vom IS okkupierten Territorium gelegen haben. Die „New York Times“ stützt sich dabei auf Daten, die das Carter-Center gesammelt hat, während die Rechercheure von Bellingcat die Videos der Angriffe, die vom russischen Verteidigungsministerium im Internet veröffentlicht wurden, technisch auf ihren Entstehungsort hin ausgewertet haben.

          Die „New York Times“ berichtet weiter, dass der russische Admiral Wladimir Komojedow am Montag gesagt habe, dass russische Freiwillige in die Kämpfe in Syrien eingreifen könnten. Russlands Präsident hatte bis dato immer betont, dass er keine Truppen in das Bürgerkriegsland schicken werde. Der Hinweis auf die Freiwilligen könnte diese Aussage umgehen.

          Regime mobilisiert ausländische Truppen

          Syrische Rebellen haben derweil den von russischen Kampfflugzeugen unterstützten Regierungstruppen eine schwere Niederlage bei einer möglichen Offensive angedroht. „Wir sagen dem Regime und seinem russischen Verbündeten: Ihr werdet geschlagen“, so ein Sprecher der radikalen Nusra-Front, Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida, zur Deutschen Presse-Agentur. „Ihr werdet nicht einen Meter des Landes befreien können, das die Nusra-Front und andere Rebellen gewonnen haben.“

          Das Regime plant nach bisherigen Erkenntnissen eine Großoffensive in den Provinzen Hama und Idlib. Für den Angriff würden Tausende Kämpfer der Armee, der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah, der iranischen Revolutionsgarden und verbündeter Milizen mobilisiert, heißt es aus dem Umfeld eines von der Hisbollah geführten Bündnisses. Die Offensive richtet sich gegen eine Koalition verschiedener moderater und radikaler Rebellen, zu der auch die Nusra-Front gehört.

          Ein Militärberater der moderaten Freien Syrischen Armee (FSA) erklärte, Tausende Kämpfer aus dem Iran und von der Hisbollah seien nach Syrien entsandt worden. „Die Offensive wird nicht zu einem Vormarsch des Regimes führen“, sagte Osama Abu Seid. „Sie setzen ausländische Kämpfer ein, die nicht auf ihrem eigenen Boden kämpfen.“

          Stoltenberg fordert engeren Kontakt zu Russland

          Die Verletzung des türkischen Luftraums durch russische Kampfflugzeuge war nach Einschätzung der Nato „kein Unfall“. Am Wochenende habe es gleich zwei Vorfälle gegeben, bei denen russische Kampfflugzeuge von Syrien aus in den türkischen Luftraum eingedrungen seien, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Dienstag in Brüssel weiter. Die Verletzung habe zudem „lange Zeit im Vergleich mit vorangegangenen Verletzungen des Luftraums gedauert, die wir anderswo in Europa gesehen haben“.

          „Für uns sieht das nicht wie ein Unfall aus“, sagte Stoltenberg. „Es ist eine schwerwiegende Verletzung des Luftraums.“ Solche Vorfälle könnten zu „gefährlichen Situationen“ führen. Der Nato-Generalsekretär wollte sich nicht zu der Frage äußern, ob die russischen Kampfflugzeuge auch ihr Waffenradar aktiviert und türkische Maschinen ins Visier genommen hätten.

          Syrien-Konflikt : Türkei fängt russischen Kampfjet ab

          Die Nato habe von Moskau bisher „keine wirklichen Erklärungen“ wegen der Vorfälle erhalten, kritisierte Stoltenberg. Er sprach sich dafür aus, auch bestehende direkte Telefonverbindungen zum russischen Militär zu nutzen, um die ernste Sorge über die Vorfälle zum Ausdruck zu bringen. Russland müsse für eine Deeskalation sorgen, sagte er.

          Am Samstag wurde nach Angaben des Außenministeriums in Ankara ein russisches Kampfflugzeug abgefangen, das in den türkischen Luftraum eingedrungen war. Am Sonntag habe eine nicht identifizierte Mig-29 zwei türkische Kampfflugzeuge „bedrängt“. Ein Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums sagte am Dienstag, das Eindringen eines russischen Kampfflugzeugs vom Typ Su-30 am Samstag habe nur „einige Sekunden“ gedauert und sei aufgrund „schlechter Wetterverhältnisse“ erfolgt.

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