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Syrien : Regierungstruppen rücken in Homs ein

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Anti-Assad-Demonstranten am Freitag in Hula in der Nähe von Homs Bild: REUTERS

Syrische Regierungstruppen sind in die Stadt Homs eingerückt. Es gab Tote und Verletzte. Regimekritiker fordern nun internationalen Schutz, um Massaker an der Zivilbevölkerung zu verhindern. Die Arabische Liga hat ein weiteres Krisentreffen angekündigt.

          Nach tagelangem Panzerbeschuss sind syrische Sicherheitskräfte in ein Viertel der Stadt Homs eingerückt. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Bewohner. Die Verteidiger hätten ihre Stellungen im Stadtteil Bab Amro aufgegeben und sich zurückgezogen, sagten Aktivisten am Montag. Das Militär sei daraufhin nachgerückt. „Sie stürmen jetzt die Häuser und verhaften die Menschen“, sagte ein Aktivist per Telefon. Allerdings wohnten dort kaum noch Menschen.

          Bab Amro gilt als Hochburg der Gegner von Präsident Baschar al Assad. Die Sicherheitskräfte hatten das Wohnviertel sechs Tage lang beschossen. Dabei sollen Dutzende Menschen getötet und Hunderte verletzt worden sein. Eine Überprüfung der Angaben aus Homs ist nicht möglich, da Syrien unabhängigen Medien den Zugang verweigert.

          Oppositionelle: Homs „Katastrophengebiet“

          Ein Aktivist sagte der Nachrichtenagentur dpa im Libanon, in Homs seien Lebensmittel- und Wasservorräte inzwischen knapp. Auch Strom gebe es nicht mehr. Im Internet bezeichnen Oppositionelle die Stadt deshalb als „Katastrophengebiet“.

          Die Opposition fordert „internationalen Schutz“ für die belagerte Stadt im Zentrum des Landes. Sicherheitskräfte von Präsident Assad würden „barbarische Massaker“ an Zivilisten verüben, sagte der syrische Nationalrat am Montag. Der Nationalrat forderte die Vereinten Nationen, die Organisation der Islamischen Konferenz sowie andere internationale und arabische Organisationen auf, die Zivilisten in Homs zu schützen.

          Außerdem forderte die Opposition die Entsendung von arabischen und internationalen Beobachtern in die syrische Stadt. Sie sollen die Lage überwachen und weitere Massaker verhindern. „Das Regime umzingelt Homs jetzt bereits den sechsten Tag in Folge, um den Willen seiner Einwohner zu brechen“, sagte der oppositionelle Nationalrat.

          Arabische Liga: „Tief besorgt über andauernde Gewalt“

          Die Arabische Liga hat angesichts der andauernden Gewalt auf Antrag Qatars ein Krisentreffen einberufen: Es solle darüber diskutiert werden, dass die syrische Regierung trotz ihrer Zustimmung zum Friedensplan ihre Verpflichtungen nicht einhalte, sagte der qatarische Außenminister Hamad Bin Dschassim Bin Dschabr Al Thani der Nachrichtenagentur Mena.

          Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al Arabi, warnte am Wochenende vor den „katastrophalen Folgen" für Syrien und die gesamte Region, sollte das Regime in Damaskus den Friedensplan nicht in die Tat umsetzen. Er äußerte sich mit „tiefem Bedauern und extrem besorgt“ über das gewaltsame Vorgehen der Regierungskräfte.

          Sein Stellvertreter Ahmad Bin Hilli sagte, die Arabische Liga habe erwartet, dass das syrische Regime mit der Unterzeichnung des Abkommens am vergangenen Mittwoch umgehend die Gewalt einstelle. Lediglich der Dialog mit der Opposition sollte erst 14 Tage nach der Annahme des Friedensplans beginnen.

          Der stellvertretende syrische Außenminister Abdulfattah Ammura bekräftigte indes, dass Syrien jeden Punkt des Abkommens verwirklichen werde. „Wenn wir einer Sache zustimmen, tun wir es auch“, sagte er. Als Geste des guten Willens hat das Regime anlässlich des muslimischen Opferfestes 553 der 70.000 politischen Gefangenen entlassen.

          Großmufti: „Assad nicht Präsident auf Lebenszeit“

          In Kairo übergab der syrische Botschafter bei der Arabischen Liga, Yusuf al Ahmad, Dokumente, die angeblich Angriffe und Sabotageakte bewaffneter Gruppen gegen staatliche Einrichtungen dokumentieren. Der Vorsitzende des oppositionellen syrischen Nationalrats, Burhan Ghalioun, sagte dem Nachrichtensender Al Dschazira, er habe die Vereinten Nationen und die Arabische Liga um die Entsendung von Beobachtern gebeten, um die zivile Bevölkerung zu schützen.

          Syriens Präsident Assad setzt auf direkte Gewaltanwendung zum Machterhalt

          Unterdessen äußerte der eng mit dem Regime verbundene syrische Großmufti Scheich Hassun vorsichtige Kritik an Staatspräsident Assad. Dessen Regime habe sich nicht schnell und umfassend genug liberalisiert, sagt er der Zeitschrift „Spiegel". Assad sei nicht „Präsident auf Lebenszeit", er habe ihm, Hassun, mehrmals von seinem Traum erzählt, wieder in seinen alten Beruf als Augenarzt zurückzukehren und eine Klinik zu leiten.

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