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Syrien : Rebellen melden Abschuss von Kampfflugzeug

  • Aktualisiert am

Syrier entrollen die Revolutionsflagge bei einer Demonstration in Damaskus Bild: dapd

Nach dem Absturz eines Kampfflugzeugs werden die Forderungen der Rebellen nach einer Flugverbotszone immer lauter, um gegen die Truppen bestehen zu können. Die Organisation der Islamischen Konferenz will Syrien offenbar aus dem Bündnis ausschließen.

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          Die syrischen Rebellen haben am Montag den Abschuss eines Kampfflugzeuges gemeldet. Die oppositionellen Lokalen Koordinierungskomitees und die Freie Syrische Armee veröffentlichten Bilder des Kampfflugzeugs, das im Osten des Landes in der Provinz Deir al Zor abstürzte.

          Nach Angaben der syrischen Staatspresse waren „technische Probleme“ die Ursache. Der Pilot habe sich mit dem Schleudersitz gerettet, nach ihm werde nun gesucht, hieß es zunächst.

          Das Assad-Regime setzt seit einiger Zeit auch Kampfflugzeuge gegen die Rebellen ein. Diese fordern immer lauter die Lieferung von Luftabwehrwaffen und die Einrichtung einer Flugverbotszone, um gegen die Truppen des Machthabers Baschar al Assad bestehen zu können.

          „Wir könnten mehr Gebiete unter unsere Kontrolle bringen, aber die Kampfflugzeuge des Regimes hindern uns mit ihren Bombardierungen daran“, sagte am Montag ein Rebellenkommandeur der Deutschen Presse-Agentur am Telefon. Eine Flugverbotszone sei „wesentlich für die Fortführung unseres Kampfes“, sagte er.

          Schutzzonen sind im Gespräch

          Abdelbaset Seida, der Vorsitzende des Syrischen Nationalrats, des größten Dachverbands der Opposition, hatte dies am Sonntag ebenfalls gefordert. Ein solcher Schritt würde Assad deutlich machen, dass es seine Gegner aus aller Welt ernst meinten, sagte er der Nachrichtenagentur AP.

          Am Wochenende hatten die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton und ihr türkischer Kollege Ahmed Davutoglu nach einem Treffen in Istanbul eine solche Option ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Schon länger denken die Regierungen in Washington und Ankara vernehmbar über die Einrichtung von Schutzzonen nach, die von den Aufständischen kontrolliert würden.

          Der Westen schreckt allerdings vor einem militärischen Eingreifen zurück, das zur Durchsetzung einer Flugverbotszone - wie es etwa in Libyen der Fall war - notwendig wäre. In Berlin sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes: „Wir glauben, dass die Diskussion über ein militärisches Eingreifen die Dinge eher erschweren könnte, da das die Gefahr eines regionalen Flächenbrandes heraufbeschwören könnte.“

          Gefechte dauern an

          In der Schlacht um das Wirtschaftszentrum Aleppo, die von beiden Seiten als entscheidend für den Ausgang des Bürgerkriegs dargestellt wird, dauerten am Montag die Gefechte an. Die Rebellen waren dort zuletzt von der Armee zurückgedrängt worden. Auch aus der Hauptstadt Damaskus wurden neue Zusammenstöße gemeldet.

          Nach Angaben der Opposition beschoss die Armee am Montag mehrere Viertel im Süden der Stadt Damaskus und ging nach Angaben von Aktivisten erstmals auch in der Altstadt mit Razzien gegen die Opposition vor. Es habe zahlreiche Festnahmen und Schusswechsel gegeben, hieß es.

          Der arabische Sender Al Arabija zitierte am Montag einen desertierten syrischen General, nach dessen Worten Schabiha-Milizen von iranischen Militärberatern kommandiert werden. Die berüchtigten Banden werden beschuldigt, mehrere Massaker an Zivilisten verübt zu haben. Der General nahm Bezug auf einen Vorfall vom Wochenende in der Oppositionshochburg Homs, wo Schabiha-Milizionäre nach Angaben der Opposition zehn junge Männer ermordet haben sollen.

          Diplomat läuft zur Opposition über

          Die UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos will an diesem Dienstag einen dreitägigen Besuch in Syrien und im Libanon beginnen. Während ihrer Reise wolle Frau Amos mit Vertretern der syrischen Regierung, des Arabischen Roten Halbmonds und anderer humanitärer Organisationen Möglichkeiten zu einer Verstärkung der Hilfsmaßnahmen und zum Schutz der Zivilbevölkerung erörtern, teilten die UN mit.

          Ein syrischer Diplomat am UN-Sitz in Genf lief am Montag zur Opposition über. Der Diplomat, der das Assad-Regime beim UN-Menschenrechtsrat vertreten hatte, bestätigte am Montag entsprechende Berichte. China kündigte für diesen Dienstag ein Treffen mit einer engen Vertrauten Assads an. Buthaina Schaaban werde Gespräche mit dem chinesischen Außenminister Yang Jiechi führen, hieß es am Montag auf der Internetseite des Ministeriums. Zudem werde erwogen, auch Mitglieder der syrischen Opposition einzuladen.

          OIC will Syrien ausschließen

          Einen Tag vor dem Beginn eines außerordentlichen Gipfeltreffens der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) hat das Exekutivkomitee der Organisation Syrien ausgeschlossen. Dem Exekutivkomitee gehören ranghohe Diplomaten der 57 Mitgliedstaaten an. Die Außenminister sollen zu Beginn des Gipfeltreffens dem Beschluss zustimmen, sagte der Generalsekretär der OIC, der Türke Ekmeleddin Ihsanoglu. Dann werde der Beschluss den Staats- und Regierungschefs vorgelegt.

          Iran hatte Bedenken gegen den Beschluss angemeldet, aber keine Unterstützung gefunden. Zu dem Treffen war kein Vertreter Syriens eingeladen. Das Gipfeltreffen der OIC, eines politischen Zusammenschlusses von Staaten der islamischen Welt mit Sitz in der saudischen Hafenstadt Dschidda, steht unter dem Motto „Islamische Solidarität“ und findet von diesem Dienstag an zwei Tage in Mekka statt. Im Mittelpunkt soll Syrien stehen. Vor neun Monaten hatte bereits die Arabische Liga die Mitgliedschaft Syriens suspendiert. Die Aufhebung der Suspendierung ist an den Rückzug der syrischen Armee aus den Städten geknüpft.

          Gastgeber des Gipfeltreffens ist der saudische König Abdullah. Der iranische Staatspräsident Mahmud Ahmadineschad hat die Einladung angenommen und wird als einziger Fürsprecher des syrischen Regimes in Mekka erwartet. Ahmadineschad will das Gipfeltreffen auch zu bilateralen Unterredungen nutzen.

          Das Gipfeltreffen sei eine Gelegenheit zur Annäherung und zum Schutz der Interessen islamischer Nationen, sagte Ahmadineschad vor dem Abflug nach Mekka. Saudi-Arabien und die anderen arabischen Golfstaaten unterstützen die syrischen Rebellen und werfen Iran vor, die Spannungen in der Region anzuheizen. Neben Syrien sollen die Lage in Palästina und die Verfolgung der muslimischen Minderheit der Rohingya in Burma besprochen werden. (her.)

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