https://www.faz.net/-gq5-71svc

Syrien : Rebellen greifen Flughafen bei Aleppo an

  • Aktualisiert am

Ein Kämpfer der Freien Syrischen Armee während Kämpfen am Mittwoch im Stadtzentrum von Aleppo Bild: REUTERS

Die bewaffnete Opposition geht nach den Angriffen der Regierungskräfte in der Millionenstadt Aleppo ihrerseits in die Offensive. Ein im Internet erschienenes Video deutet auf Menschenrechtsverletzungen der Rebellen hin.

          Syrischen Rebellen haben offensichtlich in der in Aleppo die Initiative ergriffen und mit von der regulären Armee erbeuteten schweren Waffen den Luftwaffenstützpunkt nahe der umkämpften Millionenstadt angegriffen. Von dort aus waren in den vergangenen Tagen Hubschrauber und Kampfflugzeuge der regimetreuen Truppen aufgestiegen und hatten die in Aleppo verschanzten Rebellen angegriffen. Bei dem Beschuss des Flughafens setzten die Rebellen dem Vernehmen nach auch einen erbeuteten Kampfpanzer der regulären syrischen Armee ein. Auch in Damaskus gingen die Kämpfe am Donnerstag weiter. Laut Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur SANA wurden dabei zahlreiche Aufständische getötet oder festgenommen.

          Indizien für Menschenrechtsverletzungen der Rebellen

          In der UN-Vollversammlung wurde derweil weiter an einer Rücktrittsforderung an Assad gearbeitet. Die Abstimmung über einen entsprechenden Resolutionsentwurf wurde auf Freitag verschoben. Das von Saudi-Arabien ausgearbeitete Papier sieht eine Machtübergabe an eine Übergangsregierung vor. Zudem werden darin die syrischen Streitkräfte zu einer Einstellung von Bombardements und zum Rückzug in ihre Kasernen aufgefordert. Die Resolution hätte lediglich Symbolcharakter, da die aus 193 Mitgliedsstaaten bestehende Vollversammlung sie rechtlich nicht durchsetzen kann.

          Doch auch die Rebellen geraten mit ihren Methoden immer mehr in die Kritik. Ein im Internet veröffentlichtes Video zeigte, wie allem Anschein nach ein Mitglied der regierungstreuen Miliz Schabiha im Stile einer Hinrichtung von Aufständischen erschossen wird. Die Echtheit der im Internet aufgetauchten Aufnahmen konnte nicht unabhängig überprüft werden. Dennoch könnte der Vorfall die Widerstandsbewegung gegen Assad, die sich in einem moralisch gerechtfertigten Kampf gegen ein autoritäres Regime sieht, in Erklärungsnot bringen.

          Ischinger sieht Syrien als Schauplatz eines Religionskrieges

          Nach Ansicht des Leiters der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, ist der Konflikt in Syrien inzwischen vor allem religiös motiviert. Der Aufstand gegen Assad sei ein „schiitisch-sunnitischer Religionskrieg“ geworden, sagte er im Deutschlandfunk. Dabei spielten benachbarte Länder eine zentrale Rolle: Sunnitisch geprägte Staaten wie Saudi-Arabien und Katar unterstützten die Aufständischen, während der schiitische Iran der Assad-Regierung helfe. Ischinger sprach daher von einem Stellvertreterkrieg. „Letztlich geht es um die Vormacht in der Region zwischen Saudi-Arabien und seinen sunnitischen Partnern auf der einen und dem schiitischen Teheran auf der anderen Seite“, sagte er.


           

          Topmeldungen

          Kommentar zu Straßburg : Das ist deutsche Hybris

          Kann es uns wirklich besser als Franzosen, Briten und Spaniern gelingen, die Ausbreitung von integrationsunwilligen Parallelgesellschaften zu verhindern? Ein Kommentar.

          Ein Stabschef fürs Weiße Haus : Nachfolger dringend gesucht

          Donald Trump sagt, für den Posten seines Stabschefs stünden die Leute Schlange. Doch die Realität scheint die Worte des amerikanischen Präsidenten Lügen zu strafen.

          FAZ Plus Artikel: Organspende : Auf Herzen und Nieren

          Die Regierung will die Zahl der Organspenden erhöhen, indem sie Krankenhäuser besser ausstattet. Werden auf den Intensivstationen nicht alle möglichen Spender erkannt?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.