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Syrien-Politik : Für tödliche Missionen: CIA

  • -Aktualisiert am

Bild: AFP

Der amerikanische Auslandsgeheimdienst verstärkt seine Aktivitäten in Syrien und auch im Irak. Ausgewählten syrischen Rebellengruppen liefert die CIA Lagebilder und bildet sie zum Kampf gegen Assads Truppen aus.

          2 Min.

          Was amerikanische Streitkräfte im Nahen Osten nicht tun sollen, übernimmt zunehmend die CIA: In Syrien und auch im Irak verstärkt der Auslandsgeheimdienst seine Aktivitäten, während eine militärische Intervention oder auch nur Waffenlieferungen an die syrischen Aufständischen ausgeschlossen bleiben. In erster Linie geht es um die Stabilität im Irak und um den Sturz des Diktators Baschar al Assad in Damaskus. Doch als dritter - und womöglich wichtigster - Adressat ist Iran im Visier.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Wie amerikanische Medien in den vergangenen Tagen unter Berufung auf ranghohe Regierungsmitarbeiter berichteten, versorgen Mitarbeiter der CIA ausgewählte syrische Rebellengruppen mit Lagebildern und über mögliche Ziele von Angriffen. Außerdem bilden sie Aufständische in Lagern in Jordanien aus, etwa im Umgang mit Boden-Luft-Raketen zum Einsatz gegen Assads Luftwaffe. Von der Türkei aus überwachen CIA-Mitarbeiter seit Monaten die verschiedenen Rebellengruppen in Syrien, vor allem haben sie ein Auge auf die immer stärker werdende Al-Nusra-Front, einen Ableger der sunnitischen Terrororganisation „Islamischer Staat im Irak“.

          Schließlich unterstützt die CIA verbündete Staaten der Region wie die Türkei, Saudi-Arabien und Qatar bei der Beschaffung von Waffen für die Rebellen sowie bei deren Lieferung über den Landweg von der Türkei in die befreiten Gebiete im Norden Syriens. Seit November ist es zu einer deutlichen Zunahme der Frachtflüge mit Waffen - etwa aus Kroatien - zu einem Flughafen nahe Ankara gekommen, von wo die Ladung unter Aufsicht der türkischen Behörden mit Lastwagen weiter transportiert wird. Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri schätzt, dass in den vergangenen Wochen mindestens 3500 Tonnen Waffen, Munition und Ausrüstung an ausgewählte syrische Rebellengruppen geliefert wurden.

          Ohne Einfluss auf Maliki

          In Washington wie auch in Ankara, Riad und Doha wächst die Sorge, dass der Krieg in Syrien die Region - vor allem das Nachbarland Jordanien - weiter destabilisiert und sunnitischen Terrororganisationen wie der Al-Nusra-Front und der mit dem Terrornetz Al Qaida verbündeten Gruppe „Islamischer Staat im Irak“ in die Hände spielt. Aber auch die schiitische Theokratie Iran ist aktiv am Krieg in Syrien beteiligt: Teheran unterstützt das schiitisch-alawitische Assad-Regime mit Waffen, Ausrüstung und auch Kämpfern. Bei seinem Besuch in Bagdad hat der amerikanische Außenminister John Kerry soeben die irakische Führung heftig dafür kritisiert, dass iranische Frachtflugzeuge fast täglich über irakischen Luftraum nach Damaskus fliegen.

          Der schiitische Regierungschef Nuri al Maliki beharrte auf der Position, bei den Flügen handele es sich um Hilfslieferungen Irans für die notleidende Bevölkerung in Syrien. Kerry drohte ungewöhnlich direkt damit, die Partnerschaft Iraks mit den Vereinigten Staaten stehe auf dem Spiel, sollte Bagdad weiter Teheran dabei helfen, das Assad-Regime in Damaskus zu bewaffnen. Manch einer in Washington fragt nun, ob sich die Regierung von Präsident Barack Obama im Jahr 2011 nicht zu wenig um ein Truppenstationierungsabkommen mit Bagdad bemüht habe. Nun fehlt ihr nicht nur die Kontrolle über den irakischen Luftraum, sondern auch Einfluss auf Malikis Regierung, deren Drähte nach Teheran intakt sind.

          Im Kongress in Washington fordern immer mehr Vertreter beider Parteien, die Regierung Obama dürfe dem Blutbad in Syrien nicht länger tatenlos zuzusehen und müsse den Aufständischen mit mehr als Worten, Funkgeräten und Verbandszeug bei deren Kampf gegen das mörderische Assad-Regime helfen. Offiziell bleibt Obama bei der Position, Washington leiste den Aufständischen ausschließlich „nicht tödliche Hilfe“. Für alles andere gibt es seit jeher die CIA.

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