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Syrien : Mitten ins Herz

  • -Aktualisiert am

Schauplatz eines blutigen Endkampfes? Damaskus im März Bild: dapd

Das Assad-Regime ist empfindlich getroffen worden. Zwei enge Vertraute des Machthabers wurden getötet und die Macht des Repressionsapparates scheint weiter zu schwinden.

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          Manaf Tlass muss es geahnt haben. Assad reiße das Land „in die Hölle“, soll der desertierte General einem Vertrauten voller Ärger gesagt haben, kurz bevor er sich am 6. Juli in die Türkei absetzte. Andere Stimmen in der syrischen Hauptstadt haben behauptet, Tlass habe sich aus Ärger über seine Nichtbeförderung zum Verteidigungsminister schon im vergangenen Jahr aus dem inneren Machtzirkel um Assad verabschiedet. Fast ein Jahr lang sei er kalt gestellt gewesen.

          Die Monate vor seiner Flucht habe er unter Hausarrest gestanden, habe sich die Haare immer länger wachsen lassen. Auch Uniform habe der Sunnyboy, der sich am Dienstag knapp zwei Wochen nach seiner Flucht aus Syrien erstmals zu Wort meldete, keine mehr getragen. „Ich bin bereit, wie jeder andere Syrer auch, ganz ohne andere Ambitionen, meinen zivile Pflicht zu tun, um zu einer besseren Zukunft meines Landes beizutragen“, sagte er vor der Presse in Paris, wo seine Schwester und sein Vater schon seit Jahren wohnen.

          Was vor zwei Tagen noch nach Worthülsen klang, könnte sich im Nachhinein gar als Bewerbungsrede für die Nachfolge Assads herausstellen. Der syrische Machthaber wurde am Mittwoch empfindlich getroffen. Daud Radschha - der Mann auf dem vom Tlass einst angeblich begehrten Posten des Verteidigungsministers - wurde bei einem Bombenanschlag auf das Hauptquartier des Nationalen Sicherheitsbehörde in Damaskus getötet. Den christlichen Politiker hatte Assad erst im August vergangenen Jahres an die Spitze des Ministeriums befördert, das die Niederschlagung der seit 16 Monaten andauernden Revolte gemeinsam mit den Geheimdiensten koordiniert. Der Sprengsatz sei während eines Treffens mehrerer Minister mit Angehörigen der Sicherheitsbehörden detoniert, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Sana. Auch Assads Schwager und Radschas Stellvertreter, Asef Schaukat wurde getötet. Innenminister Muhammad al Schar und der Chef des Auslandsgeheimdienstes, Hischam Bekhtyar, seien verletzt worden, hieß es. Der Zustand des Innenministers soll nach Angaben des Regimes stabil sein.

          Assad ist kein Getriebener seiner Umgebung

          Sowohl die wichtigste Oppositionsmiliz, die Freie Syrische Armee (FSA), wie eine islamistische Gruppe namens Liwa al Islam (Brigade des Islam) bekannten sich zu dem Anschlag. Damit setzt sich der seit einigen Monaten offenbar unaufhaltbar stattfindend Zerfall des auf der Macht seines Sicherheitsapparats basierenden Regimes fort.

          Anders als der syrische Botschafter im Irak, Nawaf Fares, der vergangene Woche seinen Posten in Bagdad aus Protest gegen die Brutalität Assads verließ, forderte Tlass nicht den Rücktritt des Präsidenten, den er seit Jugendtagen kennt. Auch der Verweis des 48 Jahre alte Sunniten darauf, dass „die Armee gedrängt“ werde, „einen Kampf zu führen, der gegen ihre Prinzipien verstößt“, lässt ihm die Möglichkeit offen, in einer Übergangsphase als versöhnendes Bindeglied zwischen Gefolgsleuten des alawitischen Staatschefs und der sunnitisch dominierten Opposition zu fungieren. „Mein Gewissen, meine tiefe Überzeugung haben mich dazu gebracht, diesen zerstörerischen Taten entgegenzutreten und mich davon zu distanzieren“, sagte der Sohn des früheren Verteidigungsministers Mustafa Tlass, der seinem Jugendfreund, Baschars Vater Hafiz al Assad, stets die Treue gehalten hatte.

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