https://www.faz.net/-gq5-71fxz

Syrien : Mitten ins Herz

  • -Aktualisiert am
Präsident Assad und Verteidigungsminister Daud Radschha (rechts) während einer Militärzeremonie am 1. August 2010

Die Truppen, die das Massaker von Hama im Februar 1982 verübten, dirigierte er gemeinsam mit Hafiz’ Bruder Rifaat. Der damalige Kampf des Regimes gegen die Islamisten prägte auch die drei Söhne Hafiz al Assads - der seit dem Tod seines Vaters im Sommer 2000 regierende Baschar war 14 Jahre alt, als sein Vater im Juni 1980 einen Mordanschlag überlebte.

Doch zwölf Jahre nach seinem Amtsantritt wird es langsam eng für ihn. Vor allem der Tod seines Schwagers Asef Schaukat dürfte den Zusammenhalt des Regimes erheblich schwächen. Abgesehen vielleicht von Assads Bruder Maher, verkörperte Schaukat wie kein anderer die Brutalität des Regimes und die Dominanz des syrischen Repressionsapparats seit der Machtergreifung Hafiz al Assads 1970. Lange stand er an der Spitze des gefürchteten Militärgeheimdienstes; der deutsche UN-Sonderermittler zur Aufklärung des Mordes an Libanons Ministerpräsident Rafik al Hariri verhörte ihn 2005 in Wien wegen mutmaßlicher Mittäterschaft. Zwar drängte Assad den Mann seiner Schwester Bushra nach dem Mord an Hariri im Februar 2005 bis 2009 zur Seite. Der Präsident rehabilitierte ihn jedoch ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als das internationale Werben um den einstigen Paria des Nahen Ostens seinen Höhepunkt erlangte: Im Juli 2008 lud Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy Assad zum Nationalfeiertag auf die Champs Elysées. Die damalige These, wonach Assad ein Getriebener seiner Umgebung sei, lässt sich spätestens seit diesen Tagen nicht mehr aufrecht erhalten. Im Juli 2009 ernannte er Schaukat zum Stabschef der Armee, im September 2011 zum stellvertretenden Verteidigungsminister.

Nach einem Jahr haben die Rebellen Damaskus erreicht

Ein knappes Jahr später, und 16 Monate nach Beginn des Aufstands im südsyrischen Daraa haben die bewaffneten Rebellen Damaskus erreicht. „Damaskus ist schwer in die Knie zu zwingen, selbst wenn sich die ganze Welt gegen diese Stadt verbünden sollte“, tönte die Staatszeitung „Al Thaura“. Doch die Kämpfe dauern an. Schon den vierten Tag in Folge kam es am Mittwoch zu Gefechten in vielen Vierteln der Hauptstadt, die über Monate hinweg von Assads Geheimdiensten ruhig gehalten wurde. Viele an den Stadträndern stationierte Soldaten der von Assads Bruder Maher geleiteten 4. Division und der Eliteeinheit Republikanische Garde, die Manaf Tlass Anfang des Monats verließ, sollten ein Übergreifen der freiheitlichen Volkserhebung verhindern.

Auch Assads Schwager und Radschas Stellvertreter, Asef Schaukat (Mitte) wurde getötet.

Eine repressive Friedhofsruhe prägte das erste Jahr des Aufstands in der syrischen Hauptstadt - auch wenn die Verhaftungen, die die Niederschlagung des Aufstands von den ersten Mahnwachen im Januar 2011 an prägten, und oft in Folter und Tod endeten, nie aufhörten. Eben so wenig wie die bewaffneten Einsätze des Sicherheitsapparats, um Demonstrationen zu stoppen. Auch in Damaskus fanden diese schon am Karfreitag vergangenen Jahres statt - lange bevor die Serie von großen Bombenanschlägen im Dezember 2011 begann.

Dass es nun Angehörige von Assads innerstem Führungszirkel traf, dürfte den Zerfall des Regimes beschleunigen - und den immer stärker entlang konfessioneller Linien ausgetragenen Bürgerkrieg weiter brutalisieren. Manaf Tlass, beteuerte am Dienstag, dass ihn dafür keine Schuld treffe. „Ich habe Handlungen weder akzeptiert noch mich daran beteiligt, die das Land in seine jetzige tragische Lage geführt haben“, sagte er in Paris.

Topmeldungen

Klopp beim FC Liverpool : Kurz vor der Königsweihe

Jürgen Klopp hat mit Liverpool die Champions League gewonnen, die Fans aber sehnen seit beinahe dreißig Jahren die Meisterschaft herbei. Sie wollen nicht mehr warten.

Zukunftsforscher : „Es wird auf jeden Fall keine zweite Greta geben“

Greta Thunberg gilt als das Gesicht schlechthin, wenn es um den Kampf gegen den Klimawandel geht. Zukunftsforscher Matthias Horx erklärt, was die Sechzehnjährige mit Winston Churchill, Albert Einstein und Bob Marley gemeinsam hat.
Die Botschaft der Demonstrantin vor dem Supreme Court ist klar: „Kein Parlament, keine Stimme!“

Großbritannien : Supreme Court verhandelt über Parlamentspause

In der Verhandlung über die Zwangspause des Parlaments hagelt es Kritik am britischen Premierminister. Der Anwalt der Hauptbeschwerdeführerin wirft Boris Johnson vor, Verfassungsgrundsätze auf den Kopf zu stellen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.