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Syrien : Milizen sollen Teherans Macht sichern

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Aleppo, Anfang März: Im Stadtteil Ansari weist ein Mann mit Schuttstaub bedecktem Gesicht nach einem Luftangriff auf ein zerstörtes Haus Bild: dpa

Um ihren Einfluss in Syrien aufrechtzuerhalten, bauen Iran und die libanesische Hizbullah laut einem Medienbericht ein Netz bewaffneter Milizen auf. Derweil ist ein Dialog zwischen Oppositionsvertretern und dem Assad-Regime wieder in die Ferne gerückt.

          Iran und die mit ihm verbündete schiitische Hizbullah aus dem Libanon bauen nach einem Bericht der „Washington Post“ ein Netzwerk von Milizen in Syrien auf. Damit wollen sie ihre Interessen im Falle eines Sturzes des Regimes von Präsident Baschar al Assad schützen, schrieb die Zeitung am Sonntag unter Berufung auf amerikanische und arabische Beamte. Die Milizen würden die Rebellen zur Zeit gemeinsam mit syrischen Regierungstruppen bekämpfen, um Assad die Macht zu sichern. Das langfristige Ziel sei es, verlässliche Verbündete zu haben, falls Syrien in ethnische und an Glaubensrichtungen orientierte Landesteile zerfallen sollte.

          Eine hoher Beamter der Regierung von Amerikas Präsident Barack Obama zitierte iranische Behauptungen, nach denen Teheran 50 000 Milizionäre in Syrien habe. Das Mullah-Regime finanziere die Milizen in Syrien großzügig. Ein Auseinanderfallen Syrien ist eine große Sorge der Nachbarstaaten, vor allem weil sich nach etwa zwei Jahren Bürgerkrieg kein militärischer Sieg der Rebellen oder des Assad-Regimes einerseits oder eine diplomatische Lösung andererseits abzeichnet.

          Oppositionsführer Muas al Khatib Bilderstrecke

          Unterdessen nahmen in Syrien am Sonntag islamistische Rebellen mutmaßlich eine Armeestellung in der nördlichen Provinz Raka ein. Dabei hätten die Dschihaddisten in Tabka Munition und Artilleriegeschütz erbeutet, berichtete die oppositionelle Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Zudem hätten Aufständische in der östlichen Stadt Deir Essor mit ihren Panzern den Sitz einer Armeebrigade beschossen. Aktivisten bezeichneten die humanitäre Lage in der Stadt als „dramatisch“.

          Die Beobachtungsstelle gab die Zahl der am Sonntag in Syrien getöteten Menschen mit mindestens 50 an, darunter 23 Zivilisten. Am Samstag gab es demnach 125 Tote, davon 52 Zivilisten. Die Angaben können von unabhängiger Seite nicht überprüft werden.

          Der Chef der regierungsfeindlichen Koalition, Ahmed Moas al Khatib, beklagte derweil, dass die Regierung sein Angebot zum Dialog abgelehnt habe. „Damit hat das Regime eine seltene Gelegenheit verpasst und eine sehr negative Botschaft nach innen und nach außen gesandt“, schrieb er auf seiner Facebook-Seite.

          Al Chatib hatte mehrfach direkte Gespräche mit Regierungsvertretern angeboten, unter anderem auf der Münchner Sicherheitskonferenz, die „kein Blut an den Händen“ hätten. Sein Bündnis machte deutlich, dass es dabei unbedingt auch um einen Rücktritt von Staatschef Baschar al Assad gehen müsse. Zudem drohte al Chatib, er werde sein Gesprächsangebot zurückziehen, wenn die Regierung nicht bis Sonntag alle festgenommenen Aufständischen freilasse.

          Die syrische Regierung hatte sich am Freitag zu einem Dialog mit den Aufständischen „ohne Vorbedingungen“ bereiterklärt, ohne auf das Angebot von al Chatib einzugehen. Dieser bekam für seinen Vorstoß Unterstützung von den Vereinigten Staaten und der Arabischen Liga, aber auch von den Assad-Verbündeten Russland und Iran. Der Syrische Nationalrat, größter Bestandteil der Opposition, lehnte dagegen jeglichen Dialog mit der syrischen Regierung ab und propagierte stattdessen den „Sturz des Assad-Regimes mit allen seinen Bestandteilen“.

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