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Kampf gegen IS : Befreiung von Kobane steht kurz bevor

  • Aktualisiert am

Kampf um Kobane, aufgenommen von türkischem Gebiet im vergangenen Oktober Bild: dpa

Panzer, Raketen und Gewehre sollen die Milizionäre des „Islamischen Staats“ bereits zurückgelassen haben, doch noch dauern die Kämpfe um Kobane an. Vier Monate nach Beginn der Belagerung steht die Stadt aber offenbar kurz vor der Befreiung.

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          Für die Propaganda des „Islamischen Staats“ wäre es ein herber Schlag: Die syrische Kurdenenklave Kobane an der Grenze zur Türkei steht kurz vor der Befreiung. Und das, obwohl die mit dem Terrornetz Al Qaida um den Ruf als effektivste Terrormiliz weltweit buhlende Dschihadistengruppe schon mehrfach seit dem Beginn der Belagerung Kobanes im September vergangenen Jahres den Sieg vor Augen hatte.

          IS-Einheiten befänden sich auf dem Rückzug, sagte Devris Cimen vom Kurdischen Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit in Frankfurt gegenüber FAZ.NET. Berichte von Nachrichtenagenturen, die am Montag bereits die Rückeroberung der Grenzstadt von IS-Kämpfern gemeldet hatten, bezeichnete er aber als falsch. In Vororten werde weiter gekämpft. „Man kann davon ausgehen, dass Kobane in den nächsten Tagen, wenn nicht sogar heute oder morgen befreit werden wird“, sagte Cimen unter Berufung auf Gesprächspartner in Kobane.

          Immer wieder seit Beginn der Belagerung durch die sunnitischen Dschihadisten hatten Medien die angebliche Befreiung der Stadt gemeldet. Unterstützt durch Luftangriffe der von Amerika, Saudi-Arabien, Jordanien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) angeführten Anti-IS-Allianz ist es Kämpfern der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) in den vergangenen Wochen gelungen, den Ring um die Enklave weiter zurückzudrängen. Bilder von zurückgelassenen Panzern, Raketen und Gewehren der IS-Kämpfer wurden am Montag im Internet veröffentlicht.

          Ein symbolischer Sieg

          Ein möglicher Sieg des syrischen Arms der türkischen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) über den „Islamischen Staat“ ist allerdings allenfalls symbolischer Natur. Seit dem Blitzkrieg der sunnitischen Dschihadisten im Irak im vergangenen Sommer ist es der von Abu Bakr al Bagdadi angeführten Miliz immer wieder gelungen, neue Gebiete unter ihre Kontrolle zu bringen. Cimen vom Kurdischen Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit geht davon aus, dass IS-Einheiten die Kurdenmiliz YPG bald an anderer Stelle angreifen werden.

          Der kurdische Nordosten Syriens steht seit 2012 weitgehend unter Kontrolle des politischen Flügels der YPG, der Partei der Demokratischen Union (PYD). In mehreren Städten gibt es eine Koexistenz von Sicherheitskräften des Regimes Baschar al Assads und dem syrischen PKK-Ableger. Mitte Januar jedoch kam es in der Provinzhauptstadt Hasakah zu schweren Gefechten zwischen YPG-Kämpfern und Regimeeinheiten, die von der libanesischen Schiitenmiliz Hizbullah unterstützt wurden.

          Sollten die IS-Kämpfer in den kommenden Tagen wirklich den Rückzug aus Kobane antreten müssen, kämen sie durch Hasakah. Die Stadt liegt auf der Strecke zwischen Nordsyrien und den weitgehend von ihr kontrollierten Provinz Deir al Zor. Ob sie sich jedoch wirklich dem Kampf mit der von Iran unterstützten „Partei Gottes“ Hassan Nasrallah stellen wird, bezweifeln Beobachter. Immer wieder hat es Gerüchte gegeben, dass die Sunnitenmiliz auch iranische Interessen vertritt – und nicht so sehr das mit Teheran verbündete Assad-Regime bekämpft, sondern dessen Gegner von der moderaten Freien Syrischen Armee (FSA).

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