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Widerstand in Ost-Aleppo : Bis zum letzten Blutstropfen

Rauch steigt über der Bustan-al-Basha-Nachbarschaft in Aleppo auf. Die syrische Regierung verübt währenddessen Angriffe auf Rebellentruppen. Bild: AFP

Syriens Machthaber Assad will den Widerstand in Ost-Aleppo brechen. Die Aussichten der Rebellen sind düster. Unter der Bevölkerung der Stadt macht sich Hoffnungslosigkeit breit.

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          Unsere Strategie ist es, standzuhalten und zu kämpfen“, sagt Yassir Youssef. Er gehört zur Führung der Gruppe Nur al Din al Zenki, einer der wichtigsten Rebellengruppen in Aleppo. Der Ausgang des Kampfes sei ungewiss, sagt er am Telefon. Sicher sei nur, dass man nicht aufgeben werde. Bis zum letzten Blutstropfen würden die Rebellen kämpfen. Das sind markige Worte in einer bedrohlichen Lage. Die Aussichten für die Rebellen im belagerten Osten der Stadt sind düster. Oppositionelle bestätigen die Meldungen aus Damaskus, nach denen die Truppen von Baschar al Assad und ihre Verbündeten die Rebellen immer weiter zurückdrängen.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Die Bodenoffensive war mit heftigen Luftangriffen vorbereitet worden. Das Dauerbombardement durch die syrische und russische Luftwaffe dauerte über Tage an. Seit im September die Syrien-Diplomatie zusammenbrach und eine Waffenruhe scheiterte, ist es Alltag in Aleppo, dass Fassbomben, Streubomben, Brandbomben oder bunkerbrechende Bomben in Wohnvierteln Ost-Aleppos einschlagen. In den vergangenen zwei Wochen, heißt es von Leuten in der Stadt, sei es besonders schlimm gewesen.

          Am Boden hilft das iranische Regime tatkräftig mit. Milizionäre einer schiitischen Internationalen unter Teheraner Führung sind an der Aleppo-Front zusammengezogen worden. Dort kämpfen Pakistaner, Afghanen, Iraker und libanesische Hizbullah-Milizionäre Seite an Seite mit der ausgezehrten syrischen Armee. An jeder Front stehe man einer anderen Nationalität gegenüber, sagt Yassir Youssef. Die Truppen des Regimes hatten zunächst versucht, die eingekesselten Rebellen in Scharmützel zu verwickeln, damit sie ihre Stellungen preisgeben und die wertvolle Munition verfeuern.

          Zuletzt sind Hunderte umgekommen

          Mehrere Stadtviertel haben Assads Männer und ihre Waffenbrüder in den vergangenen Tagen aus den Händen der Assad-Gegner zurückerobert. Es herrsche Chaos in den Rebellengebieten im Osten, heißt es in Augenzeugenberichten aus der Stadt. Der Sender Al Dschazira zitierte einen Journalisten aus dem Osten Aleppos, der berichtete, der Widerstand kollabiere und es fiele Viertel um Viertel an das Regime. Auch von Rivalitäten und Streit unter verschiedenen Rebellenbrigaden ist die Rede. Am Montag sah es so aus, als würde der nördlicher Teil Ostaleppos in die Hände des Regimes fallen. Es wurde zuletzt berichtet, dass der Stadtteil Al Sakhour von den Assad-Truppen erobert wurde.

          Kampf um Aleppo : Syrische Armee drängt Rebellen immer weiter zurück

          „Das ist leider wahr, Al Sakhour ist gefallen“, sagt Baibars Meschal, ein Aktivist des Zivilschutzes, der sogenannten Weißhelme am Montagnachmittag in einer Sprachnachricht an die F.A.Z. Seine Leute rücken nach den Luftangriffen aus, um Verletzte aus den Trümmern zu retten und die Toten zu bergen. In den vergangenen Wochen sollen Hunderte umgekommen sein. Die Rebellenenklaven im Norden Ost-Aleppos sind durch den Vorstoß des Regimes in Al Sakhour von den Oppositionsvierteln weiter im Süden abgeschnitten.

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