https://www.faz.net/-gq5-7fe2l

Syrien-Krieg : Saudische Verhandlungsmission in Moskau gescheitert

  • Aktualisiert am

Bezahlt, noch nicht geliefert: Boden-Luft-Raketen vom Typ S-300 Bild: dpa

In Geheimgesprächen hat Saudi-Arabien versucht, Russland zu einer Abkehr der Unterstützung Assads zu bewegen. Angeboten wurde ein „Paket-Geschäft“. Aber Putin blieb hart.

          Russland bleibt bei seiner Unterstützung des syrischen Machthabers Baschar al Assad. Der Versuch des Geheimdienstchefs von Saudi-Arabien, Bandar Bin Sultan, Moskau zum Nachgeben zu überreden, sei gescheitert, berichteten russische Zeitungen am Freitag. Bandar hatte Ende Juli in Moskau mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin verhandelt. Nach Angaben der „Nesawissimaja Gazeta“ habe der Prinz Putin ein Waffengeschäft im Wert von umgerechnet elf Milliarden Euro vorgeschlagen und zudem eine Garantie angeboten, dass Syrien nach dem Fall Assads auf keinen Fall zum Transitland für Gas aus dem Gebiet des Persischen Golfs - insbesondere geht es dabei um Erdgas aus Qatar - in Richtung Europa werde und die Stellung des russischen Erdgasmonopolisten in Staatshand, Gasprom, auf diesem Markt weiter schwäche.

          Als Gegenleistung habe Bandar verlangt, dass Moskau sein Vetorecht im UN-Sicherheitsrat nicht länger dazu nutzen solle, Sanktionen gegen Assad zu verhindern. Dem Vernehmen nach hat Bandar in Moskau zudem einen Plan unterbreitet, wie Riad die Machtübernahme islamistischer Extremisten in Syrien nach Assad verhindern wolle. Es sei jedoch nicht gelungen, Putin von den saudischen Vorstellungen zu überzeugen, so dass nicht mit dem Zustandekommen des „Paket-Geschäfts“ zu rechnen sei.

          Moskau ist wegen der Möglichkeit, dass die Welle der Gewalt im Nahen Osten samt der islamistischen Ideologie die muslimischen Gebiete der Russischen Föderation erfasst, tief beunruhigt. Ein weiteres Motiv dafür, dass Putin den Prinzen habe abblitzen lassen, sei aber, dass Russland seine Rolle als Zünglein an der Waage im Syrienkonflikt nicht aufgeben wolle, indem es Assad fallen lasse, weil es befürchte, dadurch im Nahen Osten politisch an den Rand gedrängt zu werden.

          Russland hält S-300 zurück

          Saudi-Arabien, schrieb die Zeitung „Wedomosti“, habe nicht zum ersten Mal versucht, Russland mit der Aussicht auf lukrative Geschäfte in eine bestimmte politische Richtung zu drängen. So habe Riad Mitte des vorigen Jahrzehnts Moskau mit einem Milliardengeschäft davon abhalten wollen, Flugabwehrsysteme vom Typ S-300 an Iran zu liefern. Die Verhandlungen seien dann aber im Sande verlaufen. Moskau verzichtete später aus eigenem Antrieb auf die Lieferung und sah sich deshalb Drohungen Teherans mit Entschädigungsforderungen ausgesetzt.

          Aus eigenem Kalkül heraus habe Russland auch bisher darauf verzichtet, einen 2011 mit Syrien geschlossenen Vertrag über die Lieferung von S-300 zu erfüllen. Weiter hieß es, diese Waffensysteme - die dazu gehörenden Raketen seien bereits produziert - würden in Russland zurückgehalten, obwohl Syrien bereits Anzahlungen von Hunderten Millionen Dollar geleistet habe. Assad werde indes keinesfalls versuchen, den Kreml unter Druck zu setzen, weil er ihn als Bündnispartner benötige.

          Was Saudi-Arabien angeht, so haben Politiker wie Putin, die sowjetische Wurzeln haben, sicher nicht vergessen, dass die Saudis als Führungsmacht der Opec - und im Hintergrund Washington - während der zweiten Ölkrise im vorigen Jahrhundert mit einem Großangebot von Öl zu niedrigen Preisen zwar den westlichen Industrieländern entgegenkamen, aber in der Sowjetunion, die Öleinnahmen für Getreidekäufe dringend benötigte, eine Krise auslösten, aus der sie sich nicht mehr erholte.

          Topmeldungen

          Jeder hat sein Kreuz zu tragen: Matteo Salvini am Strand auf Sizilien.

          Italienische Regierung : Ohne den Segen des Papstes

          Italiens Innenminister Salvini gibt sich gerne als gläubiger Christ. Damit hat er den Zorn Franziskus’ auf sich gezogen – und am Ende auch den des scheidenden Ministerpräsidenten Conte.

          An Scholz’ Seite : Manchmal liegt das Glück ganz nah

          Das Rennen um den SPD-Vorsitz geht weiter: Wofür die Kandidatin an Scholz’ Seite steht – und wieso der erfolgsverwöhnte Niedersachse Stephan Weil plötzlich beschädigt ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.