https://www.faz.net/-gq5-8ntp5

Kampf um Aleppo : Syrisches Regime erobert immer mehr Gebiete

  • Aktualisiert am

Soldaten der syrischen Armee in Aleppos Ostbezirk Hanano Bild: dpa

Im belagerten Osten von Aleppo verlieren die Rebellen zunehmend an Boden. Assads Regierungstruppen haben wichtige Bezirke eingenommen. Hunderttausende warten auf Lebensmittel.

          2 Min.

          Das syrische Regime drängt die Rebellen in Ost-Aleppo immer weiter zurück. Nachdem die Soldaten von Präsident Baschar al Assad am Samstagabend den Bezirk Hanano im Norden der belagerten Gebiete eingenommen hatten, entbrannten der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge auch Kämpfe in benachbarten Stadtteilen.

          Teile der Bezirke Dschabel Badro und Sachur seien von den Regierungseinheiten eingenommen worden, 1700 Zivilisten in die eroberten Bereiche geflohen und teilweise in den Westen der Stadt gebracht worden. Weitere 2500 Menschen seien in den von kurdischen Kämpfern kontrollierten Stadtteil Scheich Maksut geflohen. Es ist das erste Mal seit Monaten, dass eine solche Zahl an Zivilisten die seit Juli eingeschlossene Rebellen-Enklave verlässt.

          Spannungen zwischen Rebellen und den kurdischen Volksschutzeinheiten hatten in den vergangenen Monaten schon mehrmals zu Kämpfen geführt. Nun seien die kurdischen Kämpfer zum Teil in das von Rebellen gehaltene Stadtgebiet vorgedrungen.

          Aktivist: „Es ist alles vorbei“

          Offensichtlich versucht das syrische Regime, eine Schneise in die Rebellengebiete im Osten Aleppos zu schlagen. Damit wäre die Enklave der Aufständischen geteilt und könnte anschließend leichter eingenommen werden. Staatliche Medien berichteten, der Bezirk Dschabel Badro sei bereits eingenommen. Die russische Armee als Verbündeter bestätigte das Vordringen der syrischen Regierungstruppen.

          Aleppo gilt als eines der wichtigsten Schlachtfelder in Syrien und Symbol für das Bürgerkriegsland. Wenn das Regime den Ostteil der Stadt einnimmt, kontrolliert es wieder alle größeren Städte im Land. Dies könnte auch ein Wendepunkt für den seit mehr als fünf Jahren andauernden Bürgerkrieg sein. Der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, hatte zuletzt vor einer völligen Zerstörung Ostaleppos bis Weihnachten gewarnt.

          „Jeder, der auf einer der Hauptstraßen des belagerten Aleppos steht, wäre sich sicher (...), dass der Weltuntergang gekommen ist“, schrieb Aktivist Rami Sien am Sonntag auf Facebook. Zehntausende Vertriebene seien zu Fuß auf den Straßen unterwegs. Verletzte würden zu dem gebracht, was von den zerstörten Notaufnahmen noch übrig bleibe. „Es ist alles vorbei“, sagte ein Bewohner Aleppos der Deutschen Presse-Agentur bei einem Kontakt über das Internet.

          Nur noch ein Krankenhaus in Betrieb

          Die Zustände im Osten Aleppos sind verheerend. Nach heftigen Bombardierungen in den vergangenen Wochen durch das syrische Regime und seine Verbündeten, zu denen auch Russland zählt, sind nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) acht von neun Krankenhäusern außer Betrieb. Das internationale Rote Kreuz hatte zuletzt berichtet, dass in dem eingekesselten Gebiet die Nahrungsmittel zur Neige gehen. Dort sollen sich noch mehr als 250.000 Menschen aufhalten.

          Derweil wurden in Nordsyrien 22 protürkische Rebellen bei einem Giftgasangriff der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) verletzt, wie die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf eine Mitteilung des türkischen Militärs am Sonntag mitteilte. „Nach einem vom Daesh (IS) gestarteten Raketenangriff wurden an den Augen und Körpern von 22 Oppositionsmitgliedern Anzeichen von Giftgas festgestellt“, hieß es in der von Anadolu zitierten Mitteilung.

          Im Bürgerkrieg in Syrien sind mehrfach Chemiewaffen eingesetzt worden, nachweislich auch vom syrischen Regime selbst. In den letzten Wochen warf Russland der Opposition in Syrien vor, Giftgasgranaten verschossen zu haben. Die türkische Armee war Ende August mit von ihr unterstützten Rebellen erstmals in Nordsyrien einmarschiert und hatte einen Grenzstreifen unter ihre Kontrolle gebracht, in dem zuvor IS-Extremisten herrschten.

          Topmeldungen

          Reaktion auf Vorsitzendenwahl : Wie Friedrich Merz seinen Trumpf verspielte

          Der Wunsch, Minister zu werden, kostet Friedrich Merz Unterstützung im eigenen Lager. Führende CSU-Leute üben sich bei Kommentaren zum neuen CDU-Vorsitzenden derweil in Zurückhaltung – um sich die Gunst des eigenen Chefs zu sichern.

          Vor dem Krisengipfel : Ruf nach echtem Lockdown wird lauter

          Vor dem Treffen der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten mehren sich Forderungen nach härteren Maßnahmen. Gesundheitsminister Jens Spahn spricht angesichts der neuen Virus-Varianten von „besorgniserregenden Meldungen“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.