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Syrien-Konflikt : Luftangriffe an der Grenze Libanons

  • Aktualisiert am

Vertreter der syrischen Opposition am Montag in Istanbul Bild: AFP

Das syrische Militär hat nach Angaben der Vereinigten Staaten ein Gebiet im Nord-Libanon mit Raketen beschossen. Der seit zwei Jahren währende Bürgerkrieg war zuletzt immer wieder über die Grenzen Syriens getragen worden.

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          Das syrische Militär hat nach Angaben der Vereinigten Staaten am Montag ein Gebiet im Nord-Libanon mit Raketen beschossen. Dies stelle eine bedeutende Eskalation dar, sagte eine Sprecherin des Außenministeriums in Washington. „Solche Souveränitätsverletzungen sind absolut inakzeptabel.“ Hubschrauber und Kampfflugzeuge hätten die Raketen abgefeuert. In Sicherheitskreisen war die Rede von vier Geschossen, die in einem nicht bewohnten Gebiet an der Grenze zum Libanon eingeschlagen seien.

          In Damaskus beschossen die Rebellen derweil nach eigener Aussage den Präsidentenpalast. Ob er getroffen wurde, war unklar. Von unabhängiger Seite ließen sich die Angaben nicht überprüfen. Der Angriff im Libanon ereignete sich den Sicherheitskreisen zufolge in der Nähe der Stadt Arsal im Bekaa-Tal. Hinweise auf Opfer gebe es nicht. Die Bewohner der Stadt unterstützen in ihrer Mehrheit die seit zwei Jahren gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad kämpfenden Rebellen.

          Syrien hatte vor vier Tagen mit Angriffen auf Rebellen gedroht, die in dem Nachbarland Zuflucht suchen. Der Libanon hat sich im syrischen Bürgerkrieg für neutral erklärt. Er fürchtet jedoch, in die Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern Assads hineingezogen zu werden. Seit Beginn des Aufstands gegen den Machthaber vor zwei Jahren sind nach Schätzungen der UN mehr als 70.000 Menschen getötet worden. Der Libanon war von 1976 bis 2005 von syrischen Truppen besetzt.

          Opposition will eigenen Regierungschef wählen

          In Istanbul sind unterdessen Vertreter der syrischen Opposition zusammengekommen, um über die Wahl eines eigenen Regierungschefs zu beraten. Ziel der zweitägigen Zusammenkunft ist die Wahl eines Premiers für die Gebiete im Norden und Osten Syriens, die unter Kontrolle der Rebellen stehen. Zu den Favoriten für den Posten zählen der frühere Landwirtschaftsminister Assaad Mustafa, der einst unter Assads Vater Hafis amtierte und später zu den Rebellen überlief, sowie der  Wirtschaftsexperte Ussama al Kadi und der Technologie-Manager Ghassan Hitto. Der Regierungschef der Aufständischen soll ein Kabinett bilden, das von der Oppositionsallianz Nationale Syrische Koalition bestätigt werden muss.

          Die Opposition hatte bereits mehrfach versucht, eine Gegenregierung zu Präsident Baschar al Assad aufzustellen. Bislang konnte sie sich aber nicht auf einen Regierungschef einigen. Auch bei dem Treffen in Istanbul ist ein Durchbruch alles andere als sicher. Zunächst sollte nach Angaben eines Sprechers darüber beraten werden, ob eine Übergangsregierung oder ein Exekutivorgan mit beschränkten Befugnissen gebildet werden soll.

          Der Rebellen-Regierungschef und seine Oppositionsregierung müssten auf jeden Fall in Syrien selbst und nicht im Exil angesiedelt sein, betonte Koalitionssprecher Chaled al Saleh: „Eine Regierung per Internettelefon wird nicht funktionieren.“ Die Assad-freundliche syrische Zeitung „Al-Watan“ kritisierte den Versuch der Wahl eines Rebellen-Regierungschefs als „verrückt und verwirrt“. Damit zeige die Nationale Koalition, dass sie völlig realitätsfern sei und keine Ahnung von der Lage vor Ort in Syrien habe.

          Die Bildung einer Rebellenregierung dürfte die Chancen auf eine friedliche Beilegung des seit zwei Jahren andauernden Konflikts in Syrien noch weiter verringern. Die Führung von Assad habe jedoch ohnehin keinerlei Anstalten für Verhandlungen mit der Opposition unternommen, sagte al Saleh: „Diese Option ist vom Tisch.“

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