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Syrien : IS-Kämpfer nehmen jordanischen Kampfpiloten als Geisel

  • Aktualisiert am

In Syrien haben Anhänger der IS-Miliz ein jordanisches Kampfflugzeug bei Rakka abgeschossen. Den Piloten nehmen sie gefangen. Im Irak kommen derweil bei Anschlägen der Dschihadisten mindestens 30 Menschen ums Leben.

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          Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat nach übereinstimmenden Angaben aus jordanischen Militärkreisen und von Aktivisten im Norden Syriens ein Kampfflugzeug der internationalen Anti-IS-Koalition abgeschossen. Die amtliche jordanische Nachrichtenagentur Petra berichtete am Mittwoch unter Berufung auf eine Quelle in der Militärführung, dass eine jordanische Maschine bei der ostsyrischen Stadt Rakka abgeschossen und ein Pilot vom IS als Geisel genommen worden sei. „Während eines Einsatzes mehrerer Maschinen der jordanischen Luftwaffe am Mittwochmorgen gegen Stellungen der Terrororganisation IS in der syrischen Region Rakka ist eine unserer Maschinen abgestürzt und der Pilot von der Terrororganisation IS als Geisel genommen worden“, zitierte Petra die Quelle aus dem Generalstab. Der IS trage die Verantwortung für Sicherheit und Leben des Piloten.

          Auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete nach „bestätigten Berichten“ den Abschuss eines Kampfflugzeugs der internationalen Anti-IS-Koalition bei Rakka; IS-Kämpfer hielten einen arabischen Piloten gefangen. Rakka ist die Stadt, die vom IS in Syrien zu seiner Hauptstadt erklärt wurde.

          Der IS erklärte, das Kampfflugzeug mit einer Abwehrrakete mit Hitzesuchsensoren abgeschossen zu haben. Die Miliz in Rakka veröffentlichte auf dschihadistischen Websites Fotos, die einen jordanischen Piloten zeigen sollen. Mehrere der Aufnahmen zeigen den Piloten nur in einem weißen T-Shirt statt Uniform, wie vier Männer ihn aus einem Gewässer holen; auf anderen ist er an Land zu sehen, umstellt von rund einem dutzend Bewaffneten. Ein Foto wiederum zeigt den angeblichen Armeeausweis der Geisel: Demnach handelt es sich um den 1988 geborenen Maas al-Kassasbeh.

          Der Vater der Geisel, Jussef Kassasbeh, sagte der jordanischen Nachrichtenwebsite Saraja, er sei von der Luftwaffe über die Gefangennahme seines Sohnes informiert worden. Die Luftwaffenführung habe ihn angerufen und ihm mitgeteilt, dass daran gearbeitet werde, das Leben seines Sohnes „zu retten“. König Abdullah II. verfolge die Angelegenheit und „will das Leben Ihres Sohnes retten“, zitierte der Vater demnach aus dem Telefonat. Der Vater bat den IS „Gnade“ walten zu lassen und seinen Sohn „freizulassen“.

          Die amerikanische Regierung hatte im September mit Unterstützung verbündeter arabischer Staaten Luftangriffe auf Stellungen und Fahrzeuge der IS-Miliz im Norden und Osten Syriens begonnen, um einen weiteren Vormarsch der Dschihadisten zu verhindern. Auch im Irak fliegen die Vereinigten Staaten sowie verbündete westliche Länder seit dem Sommer Angriffe auf die Dschihadisten. Der IS betrachtet die arabischen Unterstützerstaaten der Militärkampagne als Verräter und Vasallen der Vereinigten Staaten.

          Tote bei Anschlägen im Irak

          Bei mehreren Anschlägen des IS im Nordirak und der Hauptstadt Bagdad sind derweil mindestens 30 Menschen ums Leben gekommen und 44 verletzt worden. Zudem wurden nach Angaben von Sicherheitskräften 18 Kämpfer des IS bei Gefechten nördlich von Bagdad getötet. Bei einem Selbstmordanschlag auf einen Armeestützpunkt im Süden Bagdads starben nach Angaben von irakischen Behörden 26 Menschen. Der Anschlag sei zielgerichtet auf den Morgenappell des Stützpunkts abgepasst gewesen, zitiert die Zeitung „Al-Sumaria News“ eine Polizeiquelle. Bei dem Stützpunkt Madain hatten sich Kämpfer der Sahwa-Miliz versammelt, die gerade ihren Sold abholen wollten. 56 Personen seien verletzt worden, teilten die Behörden mit. Unklar war zunächst, wieviele der Opfer Sahwa-Milizionäre waren. Zunächst bekannt sich niemand zu der Tat.

          Zuvor hatten Kämpfer der IS-Miliz am Morgen im 50 Kilometer nördlich von Bagdad gelegenen Bakuba an zwei Stellen Sprengsätze gelegt. Bei der Explosion der ersten Bombe seien drei kurdische Peschmerga-Kämpfer getötet und vier verletzt worden, sagte ein irakischer Sicherheitsbeamter der Deutschen Presse-Agentur. Bei dem zweiten Anschlag seien drei Zivilisten getötet und zwei weitere verletzt worden. Nach Angaben des Sicherheitsbeamten wurden bei anschließenden Gefechten 18 IS-Dschihadisten getötet. Bakuba ist seit mehreren Tagen hart umkämpft, nachdem die Peschmerga den IS in anderen Teilen des Nordiraks zurückgedrängt hatten. Am Wochenende befreiten die Kurden das zuvor vom IS kontrollierte Sindschar-Gebirge.

          Washington organisiert die Luftangriffe

          Nach Angaben der Vereinigten Staaten beteiligen sich mehr als 40 Länder am Kampf gegen die Terrormiliz, allerdings nicht alle militärisch. In Syrien fliegen die Vereinigten Staaten und arabische Verbündete Angriffe, im Irak sind auch Nato-Länder sowie Australien dabei. Washington organisiert die internationalen Luftangriffe. Seit August werden Ziele im Irak bombardiert, seit Ende September auch IS-Stellungen in Syrien. Insgesamt 3000 amerikanische Soldaten sollen zudem im Irak irakische und kurdische Brigaden im Kampf gegen den IS ausbilden, ohne selbst an Kämpfen teilzunehmen. Jordanien fliegt Luftangriffe in Syrien, wie auch die Verbündeten Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Katar. Frankreich, Großbritannien, Kanada und Australien beteiligten sich an Luftangriffen im Irak.

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