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Syrien : Doppelanschlag im Zentrum von Damaskus

  • Aktualisiert am

Der Anschlagsort in Damaskus Bild: dpa

Vor der Passbehörde in Damaskus haben die Rebellen einen Doppelanschlag verübt. Mindestens 14 Menschen wurden getötet. Washington berät derweil intensiv über seine Syrien-Politik.

          Während Gegner des syrischen Präsidenten Baschar al Assad am Dienstag einen Doppelanschlag in der Innenstadt von Damaskus verübt haben, berät die amerikanische Regierung offenbar verstärkt über eine aktivere Syrien-Politik. Erstmals seit April sprengten sich zwei Selbstmordattentäter im Zentrum der syrischen Hauptstadt in die Luft. Nach Angaben des Staatsfernsehens wurden 14 Menschen getötet und 31 verletzt, einige von ihnen schwer. Alle Opfer sind demnach Zivilisten. Zwei Selbstmordattentäter zündeten ihre Sprengsätze um 8.45 Uhr am Mardsche-Platz vor der Passbehörde, die zum Innenministerium zählt. Im April waren ebenfalls auf dem Mardsche-Platz 13 Personen getötet worden. Kleinere Anschläge ereignen sich häufiger. So detonierte am 5. Juni im Stadtteil Dschaubar eine Bombe vor einer Polizeiwache. Die syrische Armee ist in Dschaubar zwar präsent, der Vorort ist jedoch eine Hochburg der Rebellen.

          Strengere Straßenkontrollen haben in den vergangenen Monaten zu einem Rückgang der Anschläge in Damaskus geführt, sie legen jedoch auch den Verkehr lahm. Der Mardsche-Platz ist eines der Handelszentren von Damaskus. Vollständige Kontrollen sind wegen der vielen Passanten und Kleinlastwagen, die Waren befördern, unmöglich. Tag und Nacht sind in Damaskus aus den Rebellenhochburgen in den Vororten Detonationen zu hören und Abschüsse von Raketen durch die Armee, gelegentlich auch Artillerie.

          Der jüngste Doppelanschlag vor der Passbehörde ist mutmaßlich eine Reaktion auf die Eroberung der strategisch wichtigen Stadt Qusair durch die Armee und deren Vorrücken in Aleppo. Am Stadtrand von Aleppo lieferten sich Soldaten der Armee und Rebellen Gefechte um den bisher von den Rebellen gehaltenen Militärflughafen Minagh. Ziel der Offensive der Assad-treuen Streitkräfte ist es, die Nachschubwege für die Rebellen im Norden und Westen Aleppos zu kappen. Auch in Damaskus drängt die Armee die Rebellen zurück, zuletzt aus dem Stadtteil Kafr Sousseh in den dahinter liegenden Stadtteil Daraya. In den vergangenen Tagen hat die Armee zudem begonnen, einen Ring um die ehemalige Oasensiedlung Ghuta zu schließen, sodass in den kommenden Tagen dort eine Offensive erwartet wird. Weitere Gefechte wurden aus der südlichen Stadt Daraa berichtet.

          McCain fordert militärisches Eingreifen

          Der amerikanische Außenminister John Kerry hatte eine Nahostreise verschoben, um im Weißen Haus an den Beratungen des Sicherheitskabinetts über die Lage in Syrien teilzunehmen. Wie das State Department in Washington mitteilte, werde Kerry möglicherweise erst in der zweiten Wochenhälfte seine ursprünglich für Montag geplante Reise nach Israel, in die Palästinensergebiete und in andere Staaten der Region antreten. Amerikanische Medien hatten in den vergangenen Tagen unter Berufung auf Regierungsmitarbeiter berichtet, das Weiße Haus könne seinen Widerstand gegen Waffenlieferungen an die syrische Opposition nun doch aufgeben. Präsidentensprecher Jay Carney sagte zu den Spekulationen, es gebe in der Sache „zu diesem Zeitpunkt nichts bekanntzugeben“. Außerdem wird die wegen Streits unter anderem zwischen Washington und Moskau inzwischen erst für Juli geplante internationale Syrien-Konferenz in Genf Gegenstand der Gespräche im Weißen Haus sein.

          Nachdem Qusair von den Truppen des Regimes in Damaskus und von Kämpfern der libanesischen Schiiten-Miliz Hizbullah eingenommen wurde, wächst in Washington die Sorge vor einem Fall der Rebellenhochburg Aleppo im Norden des Landes. Der ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain hat in der vergangenen Woche abermals eindringlich ein entschlossenes amerikanisches Engagement in der Region gefordert. Der gesamte Nahe Osten sei umkämpft, „und unsere Feinde setzen alles daran, zu gewinnen“, warnte McCain.

          Der Golfkooperationsrat (GCC) hat derweil beschlossen, gegen Angehörige der Hizbullah vorzugehen. Mitglieder der schiitischen Parteimiliz aus dem Libanon, die in den sechs GCC-Staaten Saudi-Arabien, Kuweit, Qatar, Bahrein, Vereinigte Arabische Emirate oder Oman leben, müssten mit „Maßnahmen in Bezug auf ihre Aufenthaltsbewilligungen und Handelsbeziehungen“ rechnen, teilte das Bündnis in der Nacht auf Dienstag mit. Die Staaten verurteilten die Beteiligung der von Hassan Nasrallah geführten Organisation im Krieg in Syrien, der ihre „wahre Natur und Ziele“ offenlege. Die libanesische Regierung wurde aufgefordert, ihrer Verantwortung gegenüber der Hizbullah gerecht zu werden. Am Wochenende war bei Protesten gegen die Hizbullah in Beirut ein Demonstrant erschossen worden.

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