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Syrien : Der Tag danach

Die Vorbereitungen für den Tag nach Assads Sturz kommen seit Monaten nicht voran. Die Exil-Syrer, die im Ausland Pläne schmieden, sind in ihrer Heimat kaum verankert. Dort geht das Morden indessen weiter.

          Die Ankündigung klingt verheißungsvoll: Unter dem Motto „Am Tag danach“ haben sich syrische Oppositionelle über Monate in Berlin Gedanken gemacht, wie nach dem Sturz des Regimes von Baschar al Assad der Übergang in eine Demokratie eingeleitet werden könnte. Verheißungsvoll klingt auch, was am Tag zuvor der französische Präsident Hollande in die Welt setzte: Der Syrische Nationalrat möge eine Exilregierung bilden; sobald sie existiere, werde Frankreich sie anerkennen.

          Doch die Vorbereitungen für den Tag danach, wie sie im vergangenen Jahr in Libyen rechtzeitig getroffen wurden, kommen in Syrien seit Monaten nicht einen Zentimeter voran. Anders als in Libyen tritt die Opposition im Ausland nicht geschlossen auf. Außerdem ist sie von den Entwicklungen im Land abgeschnitten. Aus Berlin, Istanbul oder sonstwo wird sie aber nicht in der Lage sein, aus dem Stand heraus die Neuordnung des Landes in Angriff zu nehmen.

          Der Syrische Nationalrat präsentiert sich zwar gern als Anwärter auf die Regierung und brennt scheinbar nur darauf, nach einer militärischen Intervention als neue Regierung eingesetzt zu werden. Doch anstatt dass die Exilsyrer, die ihr Heimatland oft seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen haben, den Sturz Assads beschleunigen, blockieren sie sich mit endlosem Postengerangel. Die Vereinigten Staaten haben die Konsequenz gezogen und sprechen nicht mehr allein mit dem Syrischen Nationalrat. Doch mit wem sonst? Allein die syrischen Kurden verteilen sich auf 14 Oppositionsgruppen.

          Die Denkanstöße aus Berlin sind gut gemeint. Sie schweben aber so lange im leeren Raum, wie der Exilopposition die Verankerung in Syrien fehlt. Dass der Nationalrat und die Berliner Oppositionellen sich weigern, mit der innersyrischen Opposition auch nur zu sprechen, ist kein gutes Zeichen. Denn so bleiben Denkanstöße und Hollandes Aufforderung für den Verlauf des Bürgerkriegs ohne Folgen. In Syrien geht das Morden weiter. Die Truppen des Regimes haben jede Zurückhaltung abgelegt, die inzwischen fast 2000 örtlichen Rebellengruppen, die bestenfalls lose einem gemeinsamen Kommando unterstehen, führen einen Guerrillakrieg. Die Berliner Gedankenspiele und die syrische Wirklichkeit klaffen weit auseinander.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

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