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Syrien : Das Massaker von Tremseh

  • -Aktualisiert am

Damaskus: Der Chef der UN-Mission für Syrien, Robert Mood, bestätigt schwere Gefechte in Tremseh. Bild: AFP

Was genau in dem Ort in der Region Hama geschah, ist unklar. Sicher ist nur, dass sehr viele Menschen getötet wurden. Syriens Opposition fordert eine Intervention.

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          Die Stellungnahme der Sprecherin traf mitten in der Nacht zum Freitag ein. „Das Massaker von Tremseh zeigt die logische Verbindung zwischen den bisherigen Initiativen der internationalen Gemeinschaft und dem Blutvergießen auf dem Boden“, schrieb Bassma Kodmani in einer E-Mail. Nun sei es an der Zeit, dass die Länder, die die syrische Bevölkerung wirklich beschützen wollten, zur Tat schritten, forderte die Sprecherin des Syrischen Nationalrats (SNC) – „wenn nötig, außerhalb des Rahmens des UN-Sicherheitsrats“.

          Tremseh – New York: Obwohl viele tausend Kilometer zwischen beiden Orten liegen, war die Verbindung für die Sprecherin der syrischen Auslandsopposition sofort gegeben. Die Beratungen im UN-Sicherheitsrat über eine neue Syrien-Resolution waren nur wenige Minuten nachdem Nachrichtenagenturen die ersten Berichte über ein Massaker in der in der zentralsyrischen Provinz Hama gelegenen Gemeinde verbreitet hatten, wieder einmal erfolglos beendet worden. „Eine Kluft“ liege zwischen den westlichen Mitgliedern des Gremiums sowie Russland und China, sagte Deutschlands Botschafter Peter Wittig nach der Zusammenkunft – und die betreffe Kapitel VII der UN-Charta, das heißt: Sanktionen.

          Assad weiß, dass der moralische Druck steigt

          Sollten sich Berichte bestätigen, nach denen Truppen des syrischen Regimes in Tremseh mehr als 200 Menschen getötet haben, wüchse der moralische Druck auf die Staatengemeinschaft enorm, in Syrien einzugreifen. Präsident Baschar al Assad weiß das. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana bezichtigte am Freitag „zionistische Medienkanäle“ und „blutige“ Sender wie Al Dschazira und Al Arabija, die öffentliche Meinung „zu manipulieren, um eine ausländische Intervention in Syrien zu erzwingen“.

          Syrien sei bereits seit 16 Monaten Ziel von Angriffen durch vom Ausland unterstützte „terroristische Gruppen“. Auch die „mehr als 50 Toten“ von Tremseh gingen laut Sana auf das Konto von Terroristen. Nach Augenzeugenberichten seien die Kämpfer in den 7000 Einwohner zählenden Ort eingedrungen, hätten dort Häuser geplündert und zerstört, heißt es in einem Bericht auf der englischsprachigen Internetseite von Sana unter der Überschrift: „Terroristen überlaufen Tremseh und verüben ein Massaker“. Erst dann seien „die zuständigen Behörden eingetroffen“, die den Kämpfern „riesige Verluste“ zugefügt und „eine Menge“ von ihnen verhaftet hätten.

          Die Version von Menschenrechtsaktivisten und Oppositionskämpfern sieht anders aus. Die libanesische Nachrichtenwebsite „Now Lebanon“ zitiert einen nördlich von Tremseh stationierten Rebellenführer namens Abu Mohammed, der von einem fast zehn Stunden währenden Beschuss durch Armeeeinheiten und irreguläre, regimetreue Schabiha-Milizen berichtete. Die Armee habe Hubschrauber, Panzer und Raketenwerfer eingesetzt. Nadim Houry, Büroleiter der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch in Beirut, sagte der F.A.Z. am Freitagmittag, alle Telefonleitungen in die Stadt seien unterbrochen. Es sei nicht möglich, zu Überlebenden zu sprechen. Auf Youtube hochgeladene Videos, die unzählige Tote mit teils schweren Kopfverletzungen und Schusswunden zeigen, konnten nicht darauf überprüft werden, ob sie tatsächlich aus Tremseh stammen.

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