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Syrien : Damaszener Dämonen

Für eine Intervention des Auslands ist es in Syrien zu spät. Das Land ist zur Hölle geworden. Was, wenn auch der Teufel am Leben bliebe?

          Die öffentlichen Einlassungen des syrischen Diktators Baschar al Assad sind vor allem deshalb immer schwerer zu ertragen, weil der Kontrast zwischen seiner Welt und den Greueln der Wirklichkeit immer schärfer wird. Nun will er der Kapitän sein, der sein Schiff auch in einem Sturm nicht verlässt. Sollte Syrien das Schiff sein, dann stimmt dieses Bild nicht. Dieses Schiff ist schon gesunken.

          Für eine Intervention des Auslands ist es zu spät. Der syrische Bürgerkrieg weitet sich immer stärker zu einem regionalen Konflikt aus. Hizbullah-Führer Nasrallah hat das längst Bekannte inzwischen bestätigt, dass nämlich seine Kämpfer Assad dabei helfen, die Drecksarbeit zu verrichten. Israel hat Angriffe in Syrien geflogen, Damaskus hat mit Vergeltung gedroht. In Teheran macht man ohnehin kein großes Geheimnis aus der massiven Unterstützung für den Despoten in Syrien. Der Bombenanschlag im türkischen Reyhanli war eine deutliche Warnung Assads an die Nachbarschaft: Seht her, mein Arm (oder der meiner Handlanger) reicht über die Grenzen Syriens hinaus.

          Seine Truppen haben offenbar noch genug Kraft, um Rebellenhochburgen anzugreifen. Die Zeit, in der Assads Soldaten in großer Zahl desertierten, scheint vorbei zu sein. Dank der Luftwaffe und der großzügigen Hilfe aus Moskau könnte der Bürgerkrieg noch einige Jahre dauern. Wer jetzt für den Diktator kämpft, der kämpft mit ihm ums Überleben. Die Zurückhaltung des Westens hat dazu beigetragen, dass in den Reihen der Rebellen radikale Islamisten den Ton angeben - die jetzige Ratlosigkeit dürfte dazu führen, dass sich dieser Prozess fortsetzt. Denn auch das Assad-Regime schürt gezielt die Radikalisierung seiner Feinde, weil es ihm nutzt, die Rebellen als Terroristen diskreditieren zu können.

          Wäre angesichts dieser düsteren Aussichten der Zerfall Syriens sogar das geringere Übel? Dann drohte allerdings, dass radikale Islamisten einen eigenen Kalifatskanton im Norden des Landes errichten. Sollte man eine zynische und gefährliche Wette darauf abschließen, ob sich die Dschihadisten in Syrien nicht doch Kampf mit dem Regime langsam aufreiben? Lieber den bekannten Teufel als die unbekannten Dämonen eines zerfallenden Syriens, ließ nun ein israelischer Geheimdienstoffizier wissen. Diese Dämonen sind längst beschworen, Syrien ist zur Hölle geworden. Was, wenn auch der Teufel am Leben bliebe?

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

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