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Syrien : Brahimi dringt auf Waffenruhe

Der UN-Sondergesandte für Syrien, Lakhdar Brahimi Bild: dpa

Der UN-Sondergesandte für Syrien Brahimi geht von einer „mikroskopisch kleinen“ Chance auf einen länger andauernden Waffenstillstand in Syrien aus. Offenbar wirft nun auch Frankreich dem Assad-Regime vor, geächtete Streubomben einzusetzen.

          Der Sondergesandte der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga für Syrien, Lakhdar Brahimi, hat am Mittwoch von einer „mikroskopisch kleinen Chance“ für einen dauerhaften Waffenstillstand gesprochen. Wenn die syrische Regierung den ersten Schritt mache, werde die Opposition seiner Einschätzung nach die Waffen ebenfalls ruhen lassen, sagte er am Mittwoch in der libanesischen Hauptstadt Beirut. Sollte es tatsächlich zu einer Feuerpause am islamischen Opferfest Eid al Adha kommen, gäbe es eine „mikroskopische Chance“, dass es zu einer längeren Waffenruhe, dem Ende der Waffenlieferungen und einer politischen Lösung kommen könnte, sagte Brahimi.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Derweil warf nach Menschenrechtlern auch die französische Regierung dem Assad-Regime vor, international geächtete Streubomben im Kampf gegen Regimegegner einzusetzen. In den vergangenen Monaten sei „eine neue Stufe der Gewalt“ erreicht worden, indem nach sogenannten Fassbomben zuletzt Streubomben eingesetzt worden seien, sagte Frankreichs Außenminister Laurent Fabius in Paris. Der Minister äußerte sich auf einer Konferenz an der unter anderen Vertreter der sogenannten Revolutionskomitees teilnahmen, welche die von Rebellen kontrollierten Regionen im Norden Syriens verwalten. Die syrische Armee hatte in einer von der staatlichen Nachrichtenagentur Sana zitierten Erklärung entsprechende Vorwürfe der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch zurückgewiesen. Die Streitkräfte hätten solche Waffen nicht in ihrem Arsenal, hieß es darin.

          Truppen sollen selbstgefertigte Bomben abwerfen

          Human Rights Watch hatte berichtet, Streubomben seien aus Flugzeugen und Hubschraubern abgeworfen worden. Viele solcher Schläge hätten der Stadt Maarat al Numan gegolten; diese war zuletzt von Rebellen erobert worden und ist von großer strategischer Bedeutung, weil sie an der Nachschubroute von Damaskus ins seit Monaten umkämpfte Aleppo liegt. Nach Angaben von Aktivisten werfen die Truppen schon länger - auch in Wohnvierteln - selbstgefertigte Bomben aus Ölfässern oder Metallrohren aus Hubschraubern ab, die mit Sprengstoff, Öl und Metallsplittern gefüllt sind. Den Bomben, mit denen ganze Straßenzüge zerstört werden, seien schon zahlreiche Zivilisten zum Opfer gefallen.

          Der Heilige Stuhl will unterdessen eine Bischofsdelegation nach Damaskus entsenden. Man könne nicht „einfach Zuschauer einer solchen Tragödie sein, wie sie sich in Syrien abspielt“, sagte Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone. Man wolle die „brüderliche Solidarität“ der Kirche mit der Bevölkerung zu zeigen. „In den nächsten Tagen“ werden mit dem Präsidenten des päpstlichen Rats für den interreligiösen Dialog, Kardinal Jean-Louis Tauran, und dem vatikanischen Außenbeauftragten, Erzbischof Dominique Mamberti, der Erzbischof von Kinshasa, Laurent Monsengwo, und Erzbischof Timothy Dolan aus New York nach Syrien reisen.

          Damit geht Papst Benedikt XVI. auf Bitten der 260 Bischöfe ein, die derzeit an der Synode zur Neuevangelisierung teilnehmen. Benedikt hatte sich bisher mit solchen Missionen zurückgehalten, während Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. mehrmals Delegationen aussandte. Kardinal Bertone sagte jetzt, der syrische Konflikt könne nur politisch gelöst werden. Die Delegation solle in Damaskus zur Suche nach einer Einigung ermutigen, „die die Rechte und Pflichten aller respektiert, vor allem die Einhaltung humanitärer Standards“.

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