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Baschar al Assad : Gefangener im eigenen Land

  • -Aktualisiert am

Auftritt am „Tag der Märtyrer“: Baschar al Assad Anfang Mai in Damaskus Bild: AFP

Nur mit ihm werde der Westen die Islamisten besiegen. So hat es der syrische Machthaber Assad stets erzählt und sich damit als das kleinere Übel präsentiert. Es gibt aber keinen Grund, das zu glauben.

          Nicht nur der Vorwurf war außergewöhnlich, sondern auch die Art der Übermittlung: Per Twitter-Nachricht bezichtigte die amerikanische Botschaft in Damaskus Syriens Machthaber Baschar al Assad, der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) mit Luftschlägen in ihrem Vormarsch auf Aleppo zu helfen. Im Nordosten der einstigen syrischen Wirtschaftsmetropole nahe der türkischen Grenze halten von Amerika unterstützte Oppositionsmilizen noch eines der wenigen Gebiete, das nun auch in die Hände der Dschihadisten zu fallen droht.

          „Wir beobachten schon seit langem, dass das Assad-Regime IS-Stellungen verschont, was den Behauptungen des Regimes völlig widerspricht, gegen den IS zu kämpfen“, ließen die amerikanischen Diplomaten die Welt vergangene Woche über den Kurzmitteilungsdienst wissen. Vielmehr sei Assads Luftwaffe „aktiv daran beteiligt, ihre Positionen zu stärken“. Die Antwort des an allen Fronten bedrängten Regimes ließ nicht lange auf sich warten. „Die syrische Armee bekämpft den ,Islamischen Staat‘ überall, wo er in Syrien präsent ist“, wies ein Militärsprecher die Vorwürfe der Vereinigten Staaten vergangene Woche zurück.

          Ohne Hilfe Irans verloren

          Dazu aber sind die nach vier Jahren Aufstand ausgezehrten Streitkräfte schon längst nicht mehr in der Lage. Mehr als die Hälfte des syrischen Territoriums wird inzwischen vom IS kontrolliert, ohne die Hilfe iranischer Militärberater sowie irakischer und libanesischer Schiitenmilizen wäre Assads Armee längst am Ende. Nach dem Fall der antiken Wüstenstadt Palmyra im Mai umfasst das IS-Kalifat im Irak und Syrien nun ein Gebiet von der Größe Italiens.

          Die Anschuldigungen aus Amerika sind deshalb nicht abwegig, und Assads Herrschaft ist so gefährdet wie nie zuvor seit Beginn des Aufstands gegen seine Diktatur im März 2011. Zum ersten Mal seit August 2013, als Barack Obama Assad mit Luftschlägen drohte, nachdem mehr als 1200 Personen bei einen Giftgasangriff auf Vororte von Damaskus getötet worden waren, erscheint ein Sturz des Regimes wieder möglich. Doch die Geschichte des Syrien-Konflikts zeigt auch, dass es sichere Wetten auf ein rasches Ende des Gewaltherrschers nicht gibt: Als im Juli 2012 bei einem Anschlag auf die Zentrale des Nationalen Sicherheitsdienstes wichtige Leute aus Assads Kriegskabinett ums Leben kamen, hieß es ebenfalls, seine Tage seien gezählt. Stattdessen eskalierte der Konflikt.

          Assad ist jeder Bündnispartner recht

          Die jüngsten Erfolge einer vom syrischen Al-Qaida-Ableger Nusra-Front geführten Islamistenallianz haben einen Sieg der Aufständischen erstmals wieder in Reichweite gebracht. Hektisch stattete Verteidigungsminister Fahad Jassim al Freij deshalb seinen Truppen vergangene Woche Besuche ab, um deren Moral zu stärken. Und Talal al Barazi, der Gouverneuer der Provinz Homs, in der Palmyra liegt, sah sich bemüßigt zu versichern, dass es „kein Auseinanderbrechen, keine psychologische Niederlage“ gäbe.

          Dass Assad angesichts dieser Lage jeder Bündnispartner recht ist, liegt auf der Hand, ebenso wie das Kalkül hinter dem Zweckbündnis mit den Gotteskriegern: Um die Milizen der Aufständischen zu schwächen, die zu Beginn der Revolution für politische Teilhabe, Freiheit und Rechenschaftspflicht auf die Straßen gegangen waren, ließ er die Gruppe des selbsternannten IS-Kalifen Abu Bakr al Bagdadi stillschweigend gewähren. Ungestört von den Einheiten des Regimes, konnte die sunnitische Terrormiliz zur stärksten Gruppe im Oppositionslager aufsteigen.

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