https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/naher-osten/syrien-assads-sicherheitschef-angeblich-getoetet-11761457.html

Syrien : Assads Sicherheitschef angeblich getötet

Mächtiger Mann in Assad-Regime: Assef Schaukat (l.) galt als gefürchteter Sicherheitschef in Syrien und war der Schwager von Maher Assad und Bashar al Assad (Archivbild)

Mächtiger Mann in Assad-Regime: Assef Schaukat (l.) galt als gefürchteter Sicherheitschef in Syrien und war der Schwager von Maher Assad und Bashar al Assad (Archivbild) Bild: dapd

In Syrien verdichten sich die Hinweise darauf, dass der gefürchtete Schwager von Staatspräsident Assad, Assef Schaukat, bei einem Giftanschlag getötet wurde. Er galt als zentrale Figur im syrischen Sicherheitsapparat.

          2 Min.

          In Syrien verdichten sich die Hinweise darauf, dass der gefürchtete Schwager von Staatspräsident Baschar al Assad, Assef Schaukat, bei einem Anschlag am vergangenen Freitag getötet wurde. Eine offizielle Bestätigung gibt es nicht dafür. Doch berichtete der arabische Nachrichtensender Al Arabija, die Einwohner von Schaukats Heimatdorf Madahle trauerten um ihn; er sei dort am Dienstag beigesetzt worden.

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.

          Überall in der Gemeinde seien schwarze Trauerflaggen aufgehängt worden. Ferner haben Vertraute Schaukats, des Ehemanns von Assads Schwester Buschra, in den vergangenen Tagen ungewöhnlich abweisend auf Nachfragen zu Schaukats Zustand reagiert.

          In einem Bekennervideo hatte am vergangenen Samstag ein Mitglied einer „Brigade der Freien Syrischen Armee in Damaskus“ behauptet, dass sechs Mitglieder von Assads Krisenstab während eines Treffens vergiftet worden seien, unter ihnen Schaukat.

          Weitere Vergiftete ums Leben gekommen?

          Am Sonntag meldeten sich jedoch zwei der Totgesagten, Innenminister Ibrahim al Schaar und General Hassan Turkmani, telefonisch beim staatlichen Fernsehen. Die syrische Opposition gab daraufhin zu, einige Personen hätten die Attacke überlebt. Sie bekräftigte aber, Schaukat sei getötet worden. Schaukat galt als zentrale Figur im mächtigen syrischen Sicherheitsapparat.

          Am Wochenende waren die Zufahrten zum führenden Damaszener Krankenhaus al Schami gesperrt. Mutmaßlich sind dort die Vergifteten behandelt worden, zudem soll Assad sie dort besucht haben. Neben Schaukat fehlt auch von Verteidigungsminister Daoud Radschha, dem nationalen Sicherheitschef Hisham Bachtiar und dem stellvertretenden Vorsitzenden der Baath-Partei Muhammad Said Bachtian jedes Lebenszeichen.

          Die UN-Beobachter haben unterdessen erstmals erfolgreich zwischen dem Regime und der Opposition vermittelt, um die Freilassung von Gefangenen zu erreichen. In der Ortschaft Khan Scheikhun wurden zwei inhaftierte Regimegegner auf freien Fuß gesetzt; dafür gaben die Rebellen den regulären Streitkräften einen zerstörten Panzer zurück.

          Das Internationale Rote Kreuz war an dem Austausch beteiligt. In Syrien sind gegenwärtig 250 UN-Beobachter tätig. In den kommenden Tagen soll die vorgesehene Zahl von 300 Beobachtern erreicht werden. Einen Tag nach dem Besuch von UN-Beobachtern in Rastan nahe Homs sind Städte der aufständischen Region von Einheiten der regulären Armee mit schwerer Artillerie massiv beschossen worden. Rastan ist ein wichtiges Zentrum der Deserteure. Die meisten Zivilisten haben als Folge der anhaltenden Kämpfe die Stadt Rastan in den letzten Wochen verlassen.

          Gefechte in Damaszener Vorstädten

          Tote wurden am Mittwoch außerdem aus Daraa, Aleppo und Homs gemeldet. In der Nacht zum Mittwoch soll es Gefechte in den Damaszener Vorstädten Harasta und Douma gegeben haben. In Damaskus wurden am Mittwoch drei Menschen in einem Fahrzeug auf der Schnellstraße vom Flughafen in die Stadt bei einem Bombenanschlag getötet. Das berichtete die oppositionelle Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London.

          Am Mittwoch wurde zudem die Entführung von drei iranischen Lastwagenfahrern in Syrien bekannt. Ungewiss blieb derweil das Schicksal von elf schiitischen Pilgern aus dem Libanon und ihres Fahrers. Die Gruppe war nördlich von Aleppo verschleppt worden. Die Pilger hatten sich auf dem Rückweg aus Iran befunden.

          Entführt wurden auf dem Weg von der Grenze zur Türkei nach Aleppo lediglich die Männer der Gruppe, nicht aber die Frauen. Staatliche syrische Medien machten eine „bewaffnete Terrorgruppe“ für die Entführung verantwortlich.

          Nasrallah ruft zu Zurückhaltung auf

          Der libanesische Außenminister Adnan Mansour sagte, hinter der Entführung stecke eine „Splittergruppe der bewaffneten syrischen Opposition“. Nach der Bekanntgabe der Entführung war es im schiitischen Süden Beiruts zu Demonstrationen und zur Sperrung von Straßen gekommen.

          Der Generalsekretär der schiitischen Hizbullah, Hassan Nasrallah, rief seine Anhänger zu Zurückhaltung und zum Verzicht auf Vergeltungsmaßnahmen auf. Gewalt werde den Entführten nicht helfen, sagte er in einer vom Fernsehen ausgestrahlten Ansprache. Die Verhandlungen mit Syrien und anderen Ländern der Region zur Freilassung der Pilger liefen.

          Topmeldungen

          Ein Fahrdienstleiter in der Betriebsleitstelle der VGF - laut Ökonom Michael Webb muss sich dieser Job besonders verändern.

          Künstliche Intelligenz : Bekommt der Computer Ihren Job?

          ChatGPT & Co: Plötzlich wird deutlich, was die Künstliche Intelligenz schon kann. Sie ersetzt vor allem die Arbeit von gebildeten Menschen. Testen Sie sich selbst: Kann die KI Ihre Arbeit übernehmen?

          Türkei und Syrien : Warum es nun zu Nachbeben kommt

          Menschen und Helfer im Erdbebengebiet müssen draußen schlafen, weil die Gefahr von Nachbeben besteht. Doch wie kommt es zu solchen Nachbeben? Und wie stark sind sie?
          Joe Biden während seiner Rede zur Lage der Nation am 1. März 2022

          Vor Rede zur Lage der Nation : Welche Themen Joe Biden bewegen

          In der Nacht zu Mittwoch hält Joe Biden seine jährliche Rede zur Lage der Nation. Worum es gehen wird? Vier Themen, über die der US-Präsident dieser Tage besonders gern spricht – oder am liebsten gar nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.