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Syrien : Assad gehen die Kämpfer aus

Syrischer Rebell mit Bild von Assad Bild: AP/dpa

Während im Westen Waffenlieferungen für die syrischen Rebellen geplant werden, hat das Regime Mühe, seine Kampfkraft aufrechtzuerhalten. Der Opposition nutzt das wenig. Ihr fehlt die Einheit.

          Ohne militärische Chancengleichheit sei eine politische Lösung in Syrien nicht zu erreichen: Mit diesem Argument hatte unlängst der saudische Prinz Turki Al Faisal unlängst gegenüber dieser Zeitung seine Forderung nach Waffenlieferungen an die syrischen Rebellen bekräftigt. Saudi-Arabien und Qatar leisten schon länger handfeste Hilfe, die auch auf dem Schlachtfeld nicht folgenlos zu bleiben scheint. Zuletzt hatten die Rebellen Geländegewinne und strategisch wichtige Erfolge gemeldet - sie überrannten Anfang des Monats die Provinzhauptstadt Raqqa. Nach Angaben von Oppositionellen stammen die meisten Waffen der Rebellen noch aus den Beständen der syrischen Armee. Mit französischer und womöglich britischer Hilfe könnte der militärische Druck auf Machthaber Baschar al Assad und seine Vertrauten bald weiter erhöht werden.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Die regimetreue Presse in Syrien gibt sich weiter siegesgewiss. Die Armee habe noch genug Waffen und Soldaten zur Verfügung, um ihren Kampf „jahrelang“ fortzuführen, schrieb vor einigen Tagen die Zeitung „Al Watan“. Zugleich hieß es, während die Armee ihre Pflicht erfülle, sollten die Bürger ihre Distrikte verteidigen, wie sie es schon in den Städten Aleppo, Hama und Homs getan hätten, wo also Einwohner zu den Waffen gegriffen hätten. Bereits zuvor hatte der Assad-treue syrische Großmufti Scheich Ahmad Badreddin Hassoun im Fernsehen an das syrische Volk appelliert, sich zum Dienst in der Armee zu melden.

          Iran will Volksmiliz aufbauen

          Gehen dem Regime von Machthaber Baschar al Assad die Soldaten aus? Die Führung in Damaskus setzt jedenfalls nach übereinstimmenden Berichten zunehmend auf paramilitärische Einheiten und die Bewaffnung des Volkes. „Die Erosion der Kapazitäten des Regimes beschleunigt sich“, sagte am Dienstag der amerikanische Geheimdienstkoordinator James Clapper. Am Donnerstag meldete das Londoner Internationale Institut für Strategische Studien (IISS), die reguläre Armee habe erheblich an Schlagkraft verloren. Anfangs hätten Assad etwa 220.000 Soldaten zur Verfügung gestanden, inzwischen könne er noch auf die Loyalität von etwa 50.000 Soldaten zählen. Das sind allerdings die von engen Vertrauten und Verwandten des Diktators kommandierten, gut ausgebildeten und ausgerüsteten Eliteeinheiten wie die Republikanischen Garden oder die Vierte gepanzerte Division. Sie kämpfen wie Assad ums Überleben.

          Ebenfalls am Donnerstag wies der Chef des israelischen Militärgeheimdienstes, Aviv Kochavi, darauf hin, dass Iran den Aufbau einer 50.000 Mann starken Volksmiliz vorantreibe, die von der Hizbullah ausgebildet werde und am Ende auf 100.000 Kämpfer anwachsen solle. Das Assad-Regime habe zuletzt nur etwa 20 Prozent der geplanten Rekrutierungen erreichen können. Nach Angaben der Rebellen ist die Zahl der Hizbullah-Kämpfer in Syrien zuletzt gestiegen. Iran soll nach Angaben von Diplomaten seine Waffenlieferungen an das syrische Regime verstärkt haben.

          Nicht alle Rebellen wollen einen islamischen Staat

          Eine konventionelle Armee wie die syrische ist nicht für einen langen Zermürbungskrieg im Inneren ausgebildet. Ihre Kraft reicht offensichtlich nicht aus, um die Rebellion an allen Orten im Land zu bekämpfen. Paramilitärs könnten die Armee entlasten, die vor allem die Machtzentren des Regimes sichern muss. Nach Angaben von Beobachtern werden etwa in Aleppo Kontrollpunkte des Regimes zunehmend mit Milizionären und bewaffneten Anwohnern besetzt.

          Militärfachleute weisen allerdings darauf hin, dass die syrische Armee noch immer gut organisiert und effektiver geführt sei als die Kämpfer der Assad-Gegner. Als eine der effektivsten Rebellengruppen gilt die dschihadistische Al-Nusra-Front, der im Westen niemand Waffen liefern möchte - schon gar nicht die Panzerabwehr- oder Flugabwehrwaffen, welche die Aufständischen vor allem verlangen. Die Nusra-Front arbeitet zwar bisweilen mit Brigaden der Freien Syrischen Armee zusammen. Doch sie steht in Konkurrenz zu den Rebellengruppen, die keinen islamischen Staat anstreben.

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