https://www.faz.net/-gq5-88xhw

Syrien : Amnesty wirft kurdischen Kämpfern Kriegsverbrechen vor

  • Aktualisiert am

Kurdische Kämpfer vergangenes Jahr in der nordsyrischen Stadt Kobane Bild: AP

Gezielte Zerstörungen von Dörfern und Vertreibung der Bevölkerung: Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erhebt schwere Vorwürfe gegen einen engen Verbündeten der Amerikaner im Syrienkrieg.

          Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat den kurdischen Truppen im Norden und Nordosten Syriens Kriegsverbrechen vorgeworfen. Die Kurdenkämpfer zerstörten in der Region ganze Dörfer und Städte, die Bevölkerung werde vertrieben, heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Amnesty-Bericht. Verantwortlich seien Kämpfer der sogenannten Volksverteidigungseinheit YPG, die im Syrienkrieg mit den Vereinigten Staaten kooperiert.

          Die von einer in 14 Städte und Dörfer in der Region entsandte Mission vorgefundenen Zerstörungen seien laut Amnesty nicht das Ergebnis von Kämpfen gegen die Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS), sondern vielmehr einer „gezielten und koordinierten Kampagne zur kollektiven Bestrafung“ der Einwohner der zuvor vom IS kontrollierten Dörfer oder von Dörfern, die angeblich IS-Kämpfern Zuflucht boten.

          Munition von den Amerikanern

          Von Amnesty ausgewerteten Satellitenbildern zufolge wurde etwa das Dorf Husseinija im Nordosten Syriens in der Zeit zwischen Juni 2014 und Juni 2015 zu 94 Prozent zerstört. Ein von Amnesty zitierter Einwohner Husseinijas beschreibt, dass die Kurdenkämpfer die Menschen aus den Häusern getrieben, die Häuser angezündet und sie eins ums andere mit Planierraupen dem Erdboden gleichgemacht hätten, bis es das Dorf nicht mehr gegeben habe.

          Für die Zerstörungen gebe es keine militärische Rechtfertigung, sagte Amnesty-Mitarbeiter Lama Fakih. Die autonome Verwaltung der Region missbrauche ihre Macht und verstoße gegen internationales Menschenrecht. Nach Angaben der syrischen Kurden handelt es sich um Einzelfälle.

          Die Vereinigten Staaten meldeten unterdessen verstärkte die Militärhilfe für die Rebellengruppen im Norden Syriens. Die Luftwaffe habe die Kämpfer aus der Luft mit Munition versorgt, sagte ein Regierungsvertreter in Washington. In Nordsyrien kämpft vor allem die von Amnesty kritisierte Miliz YPG, der mit amerikanischer Hilfe beträchtliche Geländegewinne gegen den IS gelangen.

          Topmeldungen

          Johnson besucht Berlin : Warten auf ein erstes Blinzeln

          Der britische Premierminister Boris Johnson droht der EU mit einem harten Brexit und lockt mit vagen Zugeständnissen – doch in Brüssel und Berlin wächst nur das Unverständnis.
          CSU-Politiker Markus Söder

          Gesetzesvorstoß : Söder will Negativzinsen verbieten

          Bayerns Ministerpräsident will ein Gesetz in den Bundesrat einbringen, um Bankeinlagen von Normalsparern bis 100.000 Euro vor Strafzinsen zu schützen. Allerdings haben Gerichte bereits juristische Grenzen für Minuszinsen auf Kontoguthaben gezogen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.