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Syrien : Al-Qaida-Verbündete verfügen offenbar über chemische Waffen

  • -Aktualisiert am

Anhänger der radikalislamischen Al-Nusra-Front auf einer Kundgebung Mitte September, nahe Aleppo Bild: dapd

Laut übereinstimmenden Angaben von syrischen Aufständischen und der Regierung in Damaskus hat die Al Qaida nahe stehende Al-Nusra-Front eine Chlorgasfabrik unter ihre Kontrolle gebracht. Das Assad-Regime versicherte indessen, keine Chemiewaffen gegen die eigene Bevölkerung einzusetzen.

          Das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al Assads  hat vor dem Einsatz von Massenvernichtungswaffen durch Aufständische  gewarnt. Die Führung in Damaskus habe sich mit einem entsprechenden Schreiben  an den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gewandt, berichteten staatliche  Medien am Wochenende unter Berufung auf das Außenministerium in  Damaskus. Zugleich versicherte das Ministerium, dass die syrische Regierung  unter keinen Umständen mit chemischen Waffen gegen die eigene Bevölkerung  vorgehen würde. Aufständischen ebenso wie Regierungsangaben zufolge gelang es  der Al Qaida nahe stehenden Al-Nusra-Front im November, eine Produktionsstätte  für Chlorgas östlich von Aleppo unter ihre Kontrolle zu bringen. Amerikanische  und britische Medien hatten vorige Woche außerdem davon berichtet, dass die  Al-Nusra-Front in den Besitz von Flugabwehrraketen gelangt sei.

          Im Norden Syriens hat die islamistische Miliz in den vergangenen Monaten immer  mehr an Einfluss gewonnen, berichteten die britische Zeitschrift „Economist“  und die amerikanische Tageszeitung „New York Times“. Kommandeure der  Al-Nusra-Front waren jedoch nicht zu einem Treffen von mehr als 250 FSA-Führern  im türkischen Antalya eingeladen worden, bei dem der bewaffnete Arm der  syrischen Opposition am Wochenende eine neue Führungsstruktur beschloss. Auf  Druck der Vereinigten Staaten, Saudi-Arabiens und Qatars einigten sich die  Militärführer auf einen dreißig Mitglieder umfassenden Hohen Militärrat, der  künftig von General Salim Idriss angeführt werden soll. Der bisherige  FSA-Kommandeur, Riad al Asaad, war zu dem Treffen nicht eingeladen worden. Der  militärische Zusammenschluss kommt nur wenige Tage vor einem Treffen der  „Freunde Syriens“ im marokkanischen Marrakesch, bei dem die syrische Opposition  Diplomaten zufolge auch von den Vereinigten Staaten und Deutschland als  legitime Vertretung des syrischen Volkes anerkannt werden soll. Frankreich,  Großbritannien, Italien, die Türkei und Mitglieder des Golfkooperationsrates  haben diesen Schritt bereits im November vollzogen.

          Regierungstruppen riegelten am Wochenende unterdessen Damaskus ab, berichtete  die Deutsche Presseagentur. Angaben von Aktivisten und Augenzeugen zufolge  wurden die Zufahrtstraßen in die syrische Hauptstadt gesperrt, nachdem  Kontrollstellen der Armee angegriffen worden waren. Der Bundesnachrichtendienst  (BND) ist überzeugt, dass die Herrschaft des syrischen Regimes zu Ende  geht. „Das Regime Assad wird nicht überleben“, sagte BND-Präsident Gerhard  Schindler der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. „Bei den Gruppen des  bewaffneten Widerstands wird gleichzeitig die Koordinierung immer besser. Das  macht den Kampf gegen Assad effektiver“, sagte Schindler. „Es mehren sich die  Anzeichen, dass das Regime in Damaskus sich in seiner Endphase befindet.“  Obwohl im Moment weder das Regime noch die bewaffnete Opposition entscheidende  Vorteile erzielen könnten, verliere Assad immer mehr die Kontrolle. Die Folge  davon sei eine „Wagenburgmentalität“.

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