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Aufstand im Jemen : Auch der arabische Süden zerfällt

Schiitische Kämpfer jubeln am Montag auf einem Hügel über der jemenitischen Hauptstadt Sanaa Bild: dpa

Die politischen Unruhen in der arabischen Welt greifen um sich. Nach Syrien und dem Irak reiht sich auch der Jemen ein. Aufständische haben die Hauptstadt übernommen.

          Nachdem im Osten der arabischen Welt der Staatszerfall in Syrien und im Irak begonnen hatte, beschleunigt er sich nun auch im Jemen. Die aufständischen Houthis, eine schiitische Volksgruppe aus dem Norden des Landes, haben in den vergangenen Tagen die Hauptstadt Sanaa unter ihre Kontrolle gebracht. Sie haben die wichtigsten staatlichen Institutionen besetzt, unter anderem den Sitz des Ministerpräsidenten, und kontrollieren die großen Verkehrsadern. Staatspräsident Abd Rabbo Hadi machte am Dienstag eine „Verschwörung“ gegen seine Führung für den Zerfall des Jemens verantwortlich.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Auch der Friedensvertrag, den Vertreter der Houthis und Präsident Hadis am Sonntag unterzeichnet haben, hat die angespannte Lage nicht beruhigt. Darin hatte sich Hadi verpflichtet, Repräsentanten der Houthis und der Separatisten aus dem Süden des Landes in seinen Beraterstab aufzunehmen. Zudem soll in den kommenden Tagen eine Regierung der nationalen Einheit gebildet werden. Das Abkommen war von dem UN-Sonderbeauftragten für den Jemen, Jamal Benomar, ausgehandelt worden. Die Houthis unterzeichneten indes nicht den Anhang zum Abkommen, bei dem sie sich zur Rückgabe aller erbeuteten Waffen verpflichten würden. Politische Gegner der Houthis sprechen von einem „Mini-Putsch“. Ministerpräsident Muhammad Salem Basindawa war am Sonntag zurückgetreten.

          Am Montag hatten die Houthis mit der Vertreibung von General Ali Mohsin al Ahmar einen wichtigen Erfolg erzielt. Trotz des Abkommens eroberten ihre Kämpfer das Hauptquartier des Generals, der in den Jahren von 2004 bis 2010 im Auftrag des damaligen Staatspräsidenten Ali Abdullah Salih gegen sie Krieg geführt hatte. Wo sich Ahmar seither aufhält, ist unbekannt. Die Houthis erbeuteten schwere Waffen aus dem Hauptquartier der Ersten Division der jemenitischen Armee, die Ahmar befehligt hatte. Salih hatte 2004 den damaligen Führer der Houthis, Hussein al Houthi, hinrichten lassen. Unter dessen Bruder Abdalmalik al Houthi wuchs die Protestbewegung rasch, so dass Salih seinen damaligen Vertrauten Ahmar mit der Niederschlagung des Aufstands beauftragte, die aber erfolglos blieb.

          Die Houthis steigern langsam ihren Einfluss

          Im langsamen Staatszerfall, der sich seit dem Rücktritt Salihs 2012 fortsetzt, bauten die Houthis von ihrem Zentrum in Saada im Norden des Jemens ihre Macht kontinuierlich aus. In den vergangenen zwölf Monaten gelang es ihnen, durch die Eroberung von Provinzen wie Jawf und Allianzen mit einzelnen Stämmen die traditionelle Vormachtstellung der Stammeskonföderation der Haschid zu brechen. Diese Föderation hatte zuletzt über die islamistische Islah-Partei die Regierung gestellt. Zu ihr gehört auch General Ahmar.

          Hussein al-Ezzi, Vertreter der aufständischen Houthi, unterschreibt den Friedensvertrag. Dahinter steht der Präsident des Yemens Abd Rabbo Hadi (blaue Krawatte)

          Ende August begannen die Houthis mit einem Vorstoß auf die Hauptstadt Sanaa. Sie protestierten gegen die unpopuläre Streichung der Subventionen für Kraftstoffe, was ihnen die Sympathie weiter Bevölkerungskreise einbrachte. Dazu errichteten sie, wie es die Demonstranten im Frühjahr 2011 getan hatten, Protestlager in Sanaa, das wichtigste vor dem Innenministerium. Präsident Hadi entließ als Geste des Entgegenkommens am 2. September die Regierung. Dies besänftigte die Demonstranten unter Führung von Abdalmalik al Houthi nicht. Bei einem Zusammenstoß von Anhängern Houthis mit der Armee wurden zunächst am 9. September sieben Personen getötet. Nach neuerlichen Zusammenstößen, die sich am 18. September nach der Einnahme des staatlichen Fernsehsenders ereigneten, sogar vierzig Personen. Daraufhin trat Ministerpräsident Basindawa zurück.

          Mit dem Erstarken der schiitischen Houthis und der Schwächung der sunnitischen Islah-Partei besteht die Gefahr, dass Al Qaida von dem Staatszerfall profitiert, da die Terrorgruppe nun mit dem Krieg gegen die Houthis um neue Bewaffnete werben dürfte. Saudi-Arabien sieht sich damit einer doppelten Gefahr ausgesetzt: dem „Islamischen Staat“ im Norden und einem zerfallenden Jemen im Süden.

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