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Sorge vor Unruhen : Israel zieht Botschafter aus Jordanien ab

Die Grenze zwischen Israel und einem künftigen Palästinenserstaat ist eines der Kernprobleme Bild: dpa

Aus Furcht vor gewaltsamen Demonstrationen hat Israel seine Diplomaten aus Jordanien vorübergehend abgezogen. Aktivisten haben einen „Marsch der Millionen“ auf die israelische Botschaft angekündigt.

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          Die israelische Regierung hat am Donnerstag alle Diplomaten aus der jordanischen Hauptstadt Amman abgezogen. Dort war im Internet für den Abend zu einem „Millionen-Menschen-Marsch“ vor die israelische Vertretung aufgerufen worden. Die Organisatoren der Kundgebung wollten ihrer Forderung Nachdruck verleihen, die israelische Botschaft zu schließen. Das israelische Außenministerium teilte mit, Botschafter Daniel Nevo und seine Mitarbeiter hätten nur den Wochenendaufenthalt in Israel vorgezogen und würden bald auf ihre Posten zurückkehren.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Nach dem Sturm auf die israelische Botschaft in Kairo am Freitag vor einer Woche, wegen dem der dortige israelische Botschafter und fast alle Diplomaten nach Israel zurückgekehrt waren, sind die Sicherheitsvorkehrungen in Amman bereits verstärkt worden. Die Umgebung der Botschaft wurde in einem Umkreis von 500 Metern zum militärischen Sperrgebiet erklärt. In Jordanien halten sich die Diplomaten fast nur auf dem streng bewachten Gelände auf; nach Israel fahren sie in einem besonders gesicherten Konvoi. Auf Demonstrationen von Regierungsgegnern waren seit Anfang des Jahres auch immer wieder anti-israelische Slogans zu hören. Mehr als die Hälfte aller Jordanier ist palästinensischer Herkunft. König Abdullah hatte zu Wochenbeginn gesagt, wenn er ein Israeli wäre, würde er jetzt sehr besorgt sein.

          Israel bereitet sich auf Großdemonstrationen vor

          Auch in Israel bereiten sich die Sicherheitskräfte intensiv auf Demonstrationen anlässlich der erwarteten palästinensischen UN-Bewerbung vor. Die Armee berief Reservisten ein. Die Behörden schafften große Mengen an Tränengas, Gummimantelgeschosse und weitere Ausrüstung an. Armee und Polizei trainieren seit Wochen. Zudem rüsten sich die Siedler im Westjordanland und bilden dafür angeblich auch Polizeihunde aus. Die israelische Presse zitierte einen Armeesprecher mit der Befürchtung, mögliche Unruhen könnten monatelang andauern.

          Demonstranten stürmten am Wochenende die israelische Botschaft in Kairo
          Demonstranten stürmten am Wochenende die israelische Botschaft in Kairo : Bild: dpa

          In den Autonomiegebieten werden die Rettungskräfte von nächstem Mittwoch an in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Für diesen Tag ist zu den ersten Großdemonstrationen aufgerufen. Bisher nahmen jedoch nur wenige Palästinenser an Kundgebungen für eine Vollmitgliedschaft bei den UN teil, die die PLO nach neuen Angaben am 23. September beim UN-Sicherheitsrat beantragen will.

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