https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/naher-osten/sergej-lawrow-herr-muerrisch-11827982.html

Sergej Lawrow : Herr Mürrisch

  • -Aktualisiert am
Sergej Lawrow: Ein Mann mit einer guten Portion Selbstironie und Witz
          4 Min.

          “Ja, ja, dann schickt mal am besten eure Soldaten!“ Das war Sarkasmus à la Sergej Lawrow, ein wenig bösartig und Teil der Antwort des russischen Außenministers auf die Frage, ob Russland, wenn das Blutvergießen in Syrien trotz der Moskauer Bemühungen als Friedenstifter kein Ende nähme, bereit sei, im Sicherheitsrat für die Entsendung von UN-Friedenstruppen mit einem robusten Mandat zu stimmen.

          Und ob dann vielleicht auch russische Blauhelme nach Syrien geschickt würden, um eine Waffenruhe zu erzwingen. Das sei eine Militärintervention, die Russland im Sicherheitsrat nicht billigen werde. „Njet, niemals!“ Schade eigentlich, dass diese dahingeknurrten Worte von Lawrow im Protokoll einer Pressekonferenz nicht erwähnt wurden, auf der dieser Tage neben Lawrow auch ein ziemlich entnervter deutscher Außenminister Westerwelle in Moskau sprach.

          Denn Sergej Lawrow hatte den Finger durchaus klug in die Wunde gelegt. Die Macht der grauenvollen Bilder aus Syrien, wo Präsident Assad seit vielen Monaten keineswegs nur auf „Terroristen“ schießen lässt, sondern auf sein eigenes Volk, entfaltet zwar Wirkung bei den Fernsehzuschauern und lässt Politiker im Westen nach Abhilfe rufen. Aber intervenieren? Lawrow kennt seine Pappenheimer und legte vor kurzem nach. Die Vorwürfe gegen Russland, es blockiere mit seinem Vetorecht gemeinsam mit China den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, um - wie am Donnerstag wieder geschehen - Sanktionen gegen das Assad-Regime zu verhindern, sollten nur verdecken, dass der Westen selbst nicht wisse, was er in der Syrien-Krise tun solle.

          Russland lasse sich von niemandem hineinreden

          Weiß es Russland? Moskau sei wenigstens klar, was es verhindern wolle, meint Ruslan Puchow, ein russischer Verteidigungsfachmann und Herausgeber einer Militärzeitschrift. Auf keinen Fall wolle es zulassen, dass das Regime Assad mit ausländischer, zumal westlicher Hilfe zu Fall komme. Das sei in der politischen Klasse Konsens. Denn der Verlust des Partners Assad würde bedeuten, den letzten Brückenkopf im Nahen Osten einzubüßen, über den Moskau noch gebiete. Dieser Vorposten sei eines der wenigen verbliebenen Symbole des sowjetischen Supermachtstatus.

          Um den Erhalt des russischen Marinestützpunktes im syrischen Tartus oder einträgliche Waffengeschäfte gehe es allenfalls in zweiter Linie. Putin, der inzwischen ganz offen davon spricht, dass es dem Westen nur darum gehe, aus Assads Sturz einen geopolitischen Vorteil zu ziehen, nutze die Syrien-Krise, um sich innenpolitisch als Verteidiger russischer Interessen darzustellen. Lawrow wiederum, so ist zu erkennen, übersetzt Putins Politikansatz nur und führt ihn aus. Zuletzt mit Zitaten aus dem schlichten Credo Putins, Russland betreibe eine eigenständige Außenpolitik und lasse sich von niemandem hineinreden. Und wenn Assad nicht zu halten ist?

          Lawrow hat immer wieder behauptet, es gehe Russland nicht um den Machthaber, sondern einzig darum, den Syrien-Konflikt mit politischen Mitteln zu lösen. Dazu gehöre aus Moskauer Sicht, dass Assad nicht einseitig verurteilt werden dürfe, weil das die Opposition nur zu weiterem Blutvergießen ermutige. Assad dürfe auch nicht von vornherein von einem möglichen Dialog der syrischen Konfliktparteien ausgeschlossen werden.

          Der Ton ist frostig geworden

          Das hatte der von Russland hochgelobte Vermittler Kofi Annan Ende Juni in Genf zwar etwas anders gesehen: Er hatte sich vor der Konferenz der Aktionsgruppe für Syrien sinngemäß dafür ausgesprochen, dass jene, die bis zu den Knien im Blut wateten, von den geforderten innersyrischen Gesprächen auszuschließen seien. Aber am Ende setzten sich in Genf die Russen durch, wenigstens auf dem Papier, denn im Kommuniqué stand kein Sterbenswörtchen über den „Schlächter von Damaskus“.

          Topmeldungen

          Meteoritenschauer : „Ich hab’ es Feuer regnen sehen“

          Was John Denver 1973 in seinem Lied „Rocky Mountain High“ besungen hat, ist der Höhepunkt des Meteoritenschauers der Perseiden. Jedes Jahr im August kann man nachts bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde sehen.
          Patricia Schlesinger bei einem Fototermin im Dezember 2020

          RBB-Skandal : Luxustrip nach London, Generalstaatsanwalt am Zug

          Der RBB will zum Schlesinger-Skandal selbst recherchieren. Auf Anfragen von außen gibt der Sender keine Auskunft, etwa zum Kurztrip der Ex-Intendantin nach London. Strafrechtliche Ermittlungen führt nun der Generalstaatsanwalt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.