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Scheich Hamad : Der König von Bahrein

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Scheich Hamad Bin Isa Al Chalifa herrscht seit 1999 über das kleine Inselreich von Bahrein Bild: dpa

Auch wenn einige schiitische Demonstranten den Rücktritt des sunnitischen Königs fordern, so ist sein Thron noch nicht gefährdet; aber ein Warnzeichen. Bahrein bedarf umfassender Reformen seines politischen Systems, wenn es auf Dauer bestehen will.

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          Auch wenn einige Demonstranten am Donnerstag schon die Parole „Nieder mit den Al Chalifa“ skandierten, so ist doch sein Thron noch nicht gefährdet; aber ein Warnzeichen – auch für die Herrscher in der Nachbarschaft – sind die Unruhen in Bahrein allemal. Scheich Hamad Bin Isa Al Chalifa hat sich für das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte auf dem zentralen Perlen-Platz der Hauptstadt Manama entschuldigt, das offenbar von dem aus der Familie stammenden Ministerpräsidenten befohlen worden war: von Scheich Chalifa Bin Salman Al Chalifa.

          Scheich Hamad herrscht seit 1999 über das kleine Inselreich von Bahrein, das außer den beiden Hauptinseln Bahrein und al Muharraq noch etliche zum Teil sehr kleine Eilande umfasst. Scheich Hamad ist Nachfolger seines Vaters, Emir Isa Bin Salman Al Chalifa, der sehr viel zur Modernisierung des Landes getan hat. Seit 2002 trägt Scheich Hamad den Titel König (malik). Theoretisch ist Bahrein seither auch eine konstitutionelle Monarchie, doch fehlen dafür die demokratischen Institutionen. Ein Despot aber ist der Herrscher nicht.

          Bahrein bedarf umfassender Reformen

          Der am 28. Januar 1950 geborene Scheich Hamad wurde zum Soldaten ausgebildet, nach Studien in Cambridge absolvierte er amerikanische und britische Militärakademien, unter anderem das berühmte Sandhurst, wie so viele Herrscher jener Teile Arabiens, die unter britischem Einfluss standen. Wie das gesamte Herrscherhaus bekennt sich der König zum sunnitischen Islam. Da siebzig Prozent seiner Untertanen aber Schiiten sind, kommt es immer wieder zu Ausbrüchen von Unzufriedenheit, die Schiiten klagen über Diskriminierung auf vielen Gebieten des öffentlichen Lebens. Auch gehören viele von ihnen zu den ärmeren Schichten dieses an sich nicht armen Landes, dessen Erdölvorräte freilich zur Neige gehen und das deshalb Finanzplatz, Dienstleistungszentrum und Luftverkehrsdrehscheibe geworden ist.

          Bild: dpa

          Als im 17. Jahrhundert und um die Mitte des 18. Jahrhunderts Beduinenstämme aus dem Inneren der Arabischen Halbinsel zur Ostküste wanderten, gingen einige – unter den Al Sabah – nach Kuweit, andere, wie die Al Thani, nach Qatar. Die Al Chalifa, die sich zunächst auch in Kuweit aufhielten, übernahmen hingegen 1783 die Herrschaft über Bahrein. Für die dort lebenden Schiiten, die zeitweilig auch zu Persien gehört hatten, waren sie „Hereingeschmeckte“. Insbesondere seit der schiitischen Revolution Ajatollah Chomeinis gab es immer wieder einmal Unruhen in Bahrein, doch gelang es auch immer wieder, die Einheit von Sunniten und Schiiten zu beschwören.

          Diesmal sind die Demonstrationen nicht isoliert, sondern Teil eines Aufbegehrens, das große Teile der arabischen Welt erfasst hat, von Tunesien über Ägypten und Jordanien bis in den Jemen. Bahrein bedarf umfassender Reformen seines politischen Systems, die 2001 auch schon einmal angedacht waren, wenn es auf Dauer bestehen will. Nicht zuletzt den Amerikanern, deren 5. Flotte dort liegt, ist dies ein wichtiges Anliegen.

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