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Saudi Arabien : König leitet Generationswechsel ein

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König Salman hat die Machtpositionen seines Landes neu besetzt. Bild: AFP

Saudi-Arabiens König Salman hat seine Kronprinzen ausgetauscht. Damit wird sein Nachfolger erstmals kein Sohn des Staatsgründers mehr sein. Auch der dienstälteste Außenminister der Welt wurde entlassen.

          Mit dem Austauschen seines Kronprinzen und weiteren personellen Veränderungen hat Saudi-Arabiens neuer König Salman einen Generationswechsel eingeleitet. Der Königspalast in Riad teilte am Mittwoch mit, Salman komme mit einem entsprechenden königlichen Dekret der Bitte von Kronprinz Muqrin bin Abdulaziz bin Saud nach, ihn von diesem Posten zu entbinden. Er werde durch Innenminister Mohammed bin Nayef ersetzt. Dieser übernehme von Muqrin auch den Posten des Vize-Ministerpräsidenten. Das Innenministerium soll bin Nayef weiter führen.

          Mit dem Schritt hat König Salman nach dem Tod seines Vorgängers Abdullah im Januar auch die letzte Schlüsselposition neu besetzt. Der 69 Jahre alte Muqrin ist der jüngste Sohn des Gründers des Königreiches, Abdulaziz ibn Saud. Mit bin Nayef würde erstmals ein Enkel des Staatsgründers an die Spitze des Landes treten.

          „Dies ist ein politisches Erdbeben größten Ausmaßes“, sagte Khalil Jahshan, Direktor des Arab Centre of Washington dem arabischen Nachrichtensender Al Dschazira. „Das Saudi-Arabien, was wir vor ein paar Stunden kannten, gibt es nicht mehr.“ Auch der Korrespondent des Senders sprach von einem bedeutsamen Wechsel.

          Mohammed bin Nayef (Mitte) wird der neue Kronprinz und ersetzt damit Muqrin bin Abdelaziz (l.). Sein Stellvertreter wird Verteidigungsminister Mohammed bin Salman (r.).

          Mohammed bin Nayef war in den vergangenen Jahren für die Anti-Terror-Politik Saudi-Arabiens verantwortlich. Er genießt einen Ruf als effizienter Administrator. „Seine Ernennung ist eine gute Nachricht, da sich die Königsfamilie auf einen jüngeren Kandidaten einigen konnte“, sagte der Golf-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik, Guido Steinberg, der Deutsche Presse-Agentur.

          Bin Nayefs Ernennung stärkt überdies den Sudairi-Zweig der Königsfamilie, zu dem Salman gehört und der unter Abdullah an Einfluss verloren hatte. In diesem Zusammenhang ist auch die Ernennung von Salmans Sohn Prinz Mohammed bin Salman zum Vize-Kronprinzen zu sehen, die nun ebenfalls mitgeteilt wurde. Er ist bereits Verteidigungsminister.

          Salman ersetzte per Dekret außerdem den altgedienten Außenminister Saud bin Faisal, der aus gesundheitlichen Gründen um seine Entlassung gebeten habe. Er werde künftig die Aufgabe eines Beraters und Sondergesandten des Königs übernehmen, teilte der Palast mit. Neuer Ressortchef wird der bisherige Botschafter in den Vereinigten Staaten, Adel al-Dschubeir.

          Bin Faisal hatte den Ministerposten 1975 übernommen und war damit der dienstälteste Außenminister der Welt. Er hatte sich kürzlich in den Vereinigten Staaten einer Rückenoperation unterzogen.

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          Das Volk wurde in einer offiziellen Mitteilung aufgefordert, dem neuen Kronprinzen und dem Stellvertreter die Treue zu schwören, hieß es nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur SPA.

          Die Regierungsumbildung betrifft auch das Gesundheitsministerium. So wird der bisherige Chef der Erdölfördergesellschaft Saudi Aramco neuer Gesundheitsminister und gleichzeitig Vorsitzender des staatlichen Ölkonzerns. Außerdem wird Adel Fakeih, bisheriger Arbeitsminister, Minister für Wirtschaft und Planung, während Norah al Faiz, die dienstälteste Frau in der saudischen Regierung, als stellvertretende Bildungsministerin abgesetzt wird.

          Des Weiteren ordnete König Faisal in einem Dekret an, dass die Mitglieder der Armee und Sicherheitskräfte, die an den militärischen Aktionen im Jemen beteiligt sind, einen einmonatigen Lohn-Bonus bekommen.

          Salman hatte Ende Januar nach dem Tod von König Abdullah den Thron bestiegen. Damals kündigte er an, die Politik seines Vorgängers fortsetzen zu wollen. Mit dem militärischen Eingreifen im Nachbarland Jemen begann Saudi-Arabien nur wenige Wochen später eine deutlich aggressivere Regionalpolitik.

          Die saudische Luftwaffe und ihre arabischen Verbündeten bombardieren seit Ende März Stellungen der schiitischen Houthi-Rebellen im Jemen. Damit unterstützt die Koalition den jemenitischen Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi, der vor den Houthis ins Ausland geflohen ist. Die Luftangriffe richten sich indirekt aber auch gegen den ebenfalls schiitischen Iran. Das sunnitische Saudi-Arabien wirft Teheran vor, die Rebellen im Jemen zu unterstützen.

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