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Saudi-Arabien : Warum Riad trotz Bedenken Obama hilft

  • -Aktualisiert am

König Abdullah Bild: AP

Saudi-Arabien ist Obamas wichtigster regionaler Verbündeter im Kampf gegen den Islamischen Staat. Aber seine Antiterrorstrategie trifft auf Vorbehalte.

          Saudi-Arabien wird sich im Irak nicht militärisch engagieren. Eine bewaffnete Intervention würde der Staatsräson des Königreichs widersprechen, das seinen Einfluss in der Region finanziell zu sichern pflegt. Zwar verfügt die Armee über 230.000 Soldaten und 120.000 Reservisten, doch sind diese Kräfte konsequent auf die Landesverteidigung ausgerichtet. Innerhalb des Sicherheits-Establishments reagiert man deshalb bislang gelassen auf den Vormarsch des „Islamischen Staats“ im Irak: Ein Interesse, Saudi-Arabien anzugreifen, haben die Dschihadisten nicht, heißt es in Riad.

          Für den amerikanischen Außenminister John Kerry, der am Donnerstag in der saudi-arabischen Hafenstadt Dschidda eintraf, ist König Abdullah dennoch der wichtigste regionale Verbündete im Kampf gegen die Terrorgruppe Abu Bakr al Bagdadis. Erklärtes Ziel der Reise Kerrys, die ihn am Roten Meer mit Außenministern aus elf – bis auf den Irak – mehrheitlich sunnitischen Staaten zusammenbrachte, war eine breite Allianz gegen die Dschihadisten. Politischer Druck auf Geldgeber und geistige Förderer des „Islamischen Staats“ zählen für Amerika dabei mehr als militärische Unterstützung.

          Harte Strafen für Syrien-Rückkehrer

          Die Zahl saudi-arabischer Kämpfer, die in Reihen des „Islamischen Staats“ und anderer Milizen in Syrien kämpfen, bezifferte ein Sprecher des saudischen Innenministers Muhammad Bin Nayef im Gespräch mit dieser Zeitung auf 1300. König Abdullah, mit dem Kerry in Dschidda ebenfalls zusammentreffen wollte, hat deshalb bereits seit Jahresbeginn harte Maßnahmen ergriffen, um den Einsatz seiner Landsleute in den Konfliktgebieten zu bestrafen: Bis zu 20 Jahre Haft drohen Rückkehrern, die gefasst werden und sich militärischer, finanzieller oder propagandistischer Unterstützung für die Dschihadisten schuldig gemacht haben. Ende August wurden zudem 88 Männer verhaftet, die Kämpfer rekrutiert haben sollen.

          März 2014: Obama besucht Saudi-Arabien

          Trotz öffentlicher Unterstützung des amerikanischen Vorgehens gegenüber dem „Islamischen Staat“ bleiben in Saudi-Arabien Vorbehalte gegenüber der überarbeiteten Antiterrorstrategie Präsident Barack Obamas bestehen. Das liegt vor allem daran, dass Riad eine Lösung des Syrien-Konflikts ohne den Sturz des Machthabers Baschar al Assad nicht für möglich hält. Für Misstrauen sorgt auch die indirekte militärische Kooperation, die die Vereinigten Staaten mit Saudi-Arabiens regionalem Rivalen Iran eingegangen sind. Um nicht sämtlichen Einfluss in Bagdad zu verlieren, setzt Riad nun alles daran, einen sunnitischen Verteidigungsminister im neuen Kabinett Ministerpräsident Haider al Abadis durchzusetzen.

          In Kerrys Plan, die irakische Armee mit Hilfe regionaler Partner zu einer Art Nationalgarde umzubauen, spielt Saudi-Arabien eine Schlüsselrolle. Von den amerikanischen Besatzern wurde die Truppe nach dem Sturz Saddam Husseins 2003 zunächst zerschlagen, ehe sie militärisch wieder hochgerüstet wurde. Der Vormarsch des „Islamischen Staats“ im Juni jedoch legte ihre Schwächen offen: Kampflos ergriffen tausende Soldaten die Flucht; von den meisten Sunniten wurde sie ohnehin nur noch als Schiitenmiliz betrachtet. Das zu ändern liegt im Interesse des wahhabitischen Königreichs.

          Wichtiger aber als der Irak ist für Riad Syrien. Das Königshaus will auf Dauer nicht hinnehmen, dass Teheran mit Assad seinen wichtigsten regionalen Verbündeten in einem der Gründungsstaaten der Arabischen Liga verfügt. Washington hingegen strebt keinen Regimewechsel in Damaskus an, sondern will lediglich den „Islamischen Staat“ bekämpfen. Obamas Weigerung, nach dem Giftgasangriff auf Oppositionsviertel vor einem Jahr syrische Armeestellungen zu bombardieren, hat man ihm in Riad bis heute nicht verziehen. Die Folge war die Gründung der „Islamischen Front“, eines Zusammenschlusses islamistischer Milizen rund um Damaskus. Auf Amerikas – so die Wahrnehmung in Riad – immer wieder gebrochenes Versprechen, die oppositionelle Freie Syrische Armee (FSA) stärker zu unterstützen, wollte sich danach in der saudi-arabischen Führung keiner mehr verlassen.

          Das könnte sich nun ändern, sollte der Kongress in Washington 500 Millionen Dollar Ausbildungs- und Ausstattungshilfen für die Aufständischen genehmigen, die Obama im Juni beantragt hatte. Dessen Ankündigung, den „Islamischen Staat“ auch in Syrien aus der Luft anzugreifen, bedeutet eine Abkehr von seiner bisherigen Position, die er im August mit der abschätzigen Bemerkung auf den Punkt gebracht hatte, eine besser bewaffnete FSA könnte etwas ausrichten, sei „immer eine Phantasie gewesen“. Gut ein Jahr nach Assads Chemiewaffeneinsatz solle Riad, so Kerry, die Federführung bei der Ausbildung der bewaffneten Gegner von Regime und Dschihadisten übernehmen. Neben Saudi-Arabien hatte vor allem Frankreich gegenüber Washington auf eine stärkere Bewaffnung der Oppositionsarmee gedrungen.

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