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Saudi-Arabien und Amerika : Entfremdung zweier Verbündeter

14. Februar 1945: Roosevelt und der saudische König Abdalaziz Bin Saud an Bord der USS Quincy Bild: © Bettmann/CORBIS

Saudi-Arabien fühlt sich von Amerika im Stich gelassen. Vor allem Washingtons Energiepolitik, die Annäherung zu Iran und dessen Verhalten im Syrien-Konflikt sind den Saudis ein Dorn im Auge. Riad geht nun eigene Wege.

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          Zum ersten Mal stehen die Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien bei den großen Konflikten des Nahen Ostens auf entgegengesetzten Seiten. Barack Obama hatte den Putsch gegen den ägyptischen Präsidenten Muhammad Mursi kritisiert, wohingegen Saudi-Arabien den Sturz des Muslimbruders begrüßte. Zudem verfolgt Saudi-Arabien, das sich als Führungsmacht der sunnitischen Welt versteht, mit Argwohn die amerikanische Annäherung an den Erzfeind Iran, die Führungsmacht der schiitischen Muslime.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Den größten Zorn hat in Saudi-Arabien aber Obamas Weigerung ausgelöst, Syrien nach dem Giftgasmassaker vom 21. August zu bombardieren. Das sichtbarste Zeichen dafür war schließlich Riads Weigerung, zwei Jahre als nichtständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat Platz zu nehmen. Offiziell begründete das saudische Außenministerium die Ablehnung der Wahl mit der Ineffizienz des UN-Sicherheitsrats. In Wirklichkeit war es eine Ohrfeige für den Partner, dem Saudi-Arabien nicht länger zu vertrauen glaubt. Die saudische Königsfamilie setzt sich zunehmend vom amerikanischen Präsidenten ab.

          Wie eng die Beziehungen zwischen dem lange weltgrößten Ölexporteur und dem weiter weltgrößten Ölverbraucher über ein halbes Jahrhundert einst waren, dokumentieren zwei historische Fotos. Auf dem einen vom 14. Februar 1945 sitzen Präsident Franklin D. Roosevelt und der saudische König Abdalaziz Bin Saud auf dem Deck des amerikanischen Kriegsschiff USS Quincy, das sich im Roten Meer befand. Roosevelt sicherte dem König im Gegenzug für den Zugang zu saudischem Öl zu, die territoriale Integrität des Königreichs zu schützen und ihn fortan als den wichtigsten Partner Amerikas im Nahen Osten zu behandeln. Der saudische König brauchte einen starken Verbündeten, und auch die Vereinigten Staaten brauchten einen verlässlichen Partner. Im Kalten Krieg sollte Saudi-Arabien der wichtigste Partner in der arabischen Welt bleiben. Ägypten, Syrien und der Irak fielen in den Orbit der Sowjetunion, und Iran, der zweite Pfeiler am Golf, fiel mit der Revolution von 1979 weg.

          Furcht vor amerikanischer Annäherung mit Iran

          Das zweite historische Foto zeigt am 27. August 2002 den amerikanischen Präsidenten George W. Bush, wie er sich auf seiner Farm in Crawford mit dem ebenfalls leger gekleideten saudischen Botschafter Bandar Bin Sultan Al Saud, der lässig auf einer Couchlehne sitzt, unterhält. Der Kontakt zwischen beiden war so eng, dass Bandar bei dem Präsidenten erreichte, noch am 11. September trotz des geschlossenen Luftraums zwei Flugzeuge mit saudischen Bürgern in die Heimat zurückfliegen zu lassen.

          Dass 15 der 19 Attentäter saudische Bürger waren, führte zur ersten nachhaltigen Verschlechterung der Beziehungen. Frühere Stresstests, wie 1948 die saudische Kritik an der amerikanischen Unterstützung für die Gründung des Staats Israel, waren von kurzer Dauer. Saudi-Arabien fühlte sich damals weder außen- noch innenpolitisch durch den neuen Staat bedroht. Die Sicherung der amerikanischen Unterstützung, politisch und militärisch, war dem saudischen König wichtiger. Nicht zuletzt angesichts der zunehmenden kommunistischen Bedrohung und der anrollenden Welle eines linken arabischen Nationalismus.

          Nie dagewesene Entfremdung

          Erst drei Entwicklungen in den vergangenen Jahren führten zu einer nie da gewesenen Entfremdung. Erstens fürchten die Saudis die Umwälzungen, die 2011 in der arabischen Welt eingesetzt haben. Die Saudis kritisierten die Vereinigten Staaten offen dafür, dass sie Husni Mubarak in Ägypten und Zain al Abidin Ben Ali in Tunesien – beide langjährige Verbündete von Washington und Riad – fallenließen. Washington missbilligte den Putsch in Ägypten vom 3. Juli 2013, während Riad daran nicht unbeteiligt war. Die Saudis fürchten, dass die Ideologie der islamistischen Muslimbruderschaft auf ihre (junge) Bevölkerung übergreift und die Herrschaft der Al Saud gefährdet.

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