https://www.faz.net/-gq5-8bxoy

„Wegen Terrordelikten“ : Saudi-Arabien richtet 47 Menschen hin

  • Aktualisiert am

Der saudische König, Salman ibn Abd al-Aziz Bild: dpa

Wegen Mitgliedschaft in „terroristischen Organisationen“ und „krimineller Verschwörungen“ sind in Saudi-Arabien 47 Gefangene exekutiert worden. Unter ihnen ist auch ein prominenter schiitischer Geistlicher, vor dessen Hinrichtung Iran gewarnt hatte.

          2 Min.

          Saudi-Arabien hat am Samstag 47 Menschen wegen Terrordelikten hingerichtet. Unter anderem wurde der prominente schiitische Geistliche Scheich Nimr Baker al-Nimr exekutiert, wie das Innenministerium mitteilte. Al-Nimr hatte zu den Anführern der Schiiten-Proteste im Osten des Königreichs gehört, die im Zuge des Arabischen Frühlings 2011 ausgebrochen waren. Es wurden auch mehrere Sunniten hingerichtet, die als Mitglieder des Terrornetzwerks Al Qaida in den Jahren 2003 und 2004 tödliche Anschläge in dem Königreich verübten.

          Der Iran verurteilte die Hinrichtung des schiitischen Geistlichen scharf. „Anstatt sich mit den (IS-) Terroristen zu beschäftigen, die die Region und die ganze Welt gefährden, lassen die Saudis eine Persönlichkeit wie al-Nimr hinrichten“, sagte Außenamtssprecher Dschaber Ansari am Samstag. Die rein politisch und religiös motivierte Tat reflektiere die irrationale und verantwortungslose Politik der Saudis, kritisierte Ansari weiter. Die Hinrichtung werde für das Königreich Konsequenzen haben, zitierte die Nachrichtenagentur ISNA den Sprecher weiter.

          Das saudische Innenministerium teilte mit, die Hingerichteten seien wegen Mitgliedschaft in „terroristischen Organisationen“ und der Ausführung „krimineller Verschwörungen“ verurteilt worden und hätten einer radikalen Strömung des Islamismus angehört. Bis auf einen Ägypter und einen Tschader waren alle Saudi-Araber. Nicht auf der Liste war al-Nimrs ebenfalls zum Tode verurteilter Neffe, der zur Zeit seiner Festnahme während der Proteste erst 17 Jahre alt war.

          Warnungen aus Teheran

          Al-Nimr war ein entschiedener Gegner des sunnitischen Königshauses in Riad. Er hatte während der Proteste 2011 die Abspaltung der mehrheitlich schiitischen Regionen Katif und Al-Ihsaa im Osten des Landes befürwortet. Vor einem Jahr wurde er wegen Aufwiegelung, Ungehorsams und Waffenbesitzes von einem Sondertribunal zum Tode verurteilt. Ende Oktober wurde das Todesurteil vom Obersten Gerichtshof Saudi-Arabiens bestätigt.

          Der Iran warnte Riad daraufhin vor der Hinrichtung al-Nimrs. Sollte das Todesurteil gegen den Geistlichen vollstreckt werden, werde Saudi-Arabien einen „hohen Preis zahlen“, sagte der iranische Vize-Außenminister Hossein Amir Abdollahian. Die meisten der rund zwei Millionen saudiarabischen Schiiten leben im Osten des Landes. Die schiitische Minderheit klagt seit langem über religiöse und soziale Diskriminierung durch das wahhabitische Herrscherhaus.

          Das ultrakonservative Königreich, in dem eine besonders strenge Auslegung des islamischen Rechts der Scharia gilt, richtete im vergangenen Jahr laut einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP 153 Menschen hin. Das Land steht seit Jahren wegen der hohen Zahl von Hinrichtungen in der Kritik internationaler Menschenrechtsorganisationen. Auch wichtige Verbündete wie die Vereinigten Staaten äußern sich kritisch, scheuen aber aus politischen Gründen vor Sanktionen gegen das strategisch wichtige und ölreiche Land zurück.

          Topmeldungen

          Der Start am Weltraumbahnhof in Florida

          Cape Canaveral : Erste bemannte SpaceX-Rakete erfolgreich gestartet

          Es ist der erste bemannte Weltraumflug Amerikas seit neun Jahren – die Privatfirma SpaceX hat ihre Crew-Dragon-Kapsel ins All geschickt. Der erfolgreiche Start der zweistufigen Rakete bedeutet eine grundsätzliche Abkehr von der Art und Weise, mit der Astronauten bisher in den Orbit befördert werden.
          Nicht nur am Mainufer, sondern auch an der Frankfurter Börse herrscht frühlingshafter Optimismus.

          Steigende Kurse trotz Krise : Das Börsenvirus

          Die Wirtschaft liegt noch am Boden, doch die Kurse an der Börse steigen und steigen. Kann die Wette auf die bessere Zukunft aufgehen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.