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Saudi-Arabien : Panzer für die Prinzen?

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Saudische Bedienstete auf einem Opec-Gipfel in Riad Bild: dpa

Saudi-Arabien ist in den vergangenen drei Generationen aus dem Beduinen-Zeitalter in die Moderne hineinkatapultiert worden. Doch das fast hypermoderne Antlitz des Landes kontrastiert mit seinem geistigen Innenleben.

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          Geplante Panzerlieferungen an Saudi-Arabien sorgen nicht nur bei der Opposition in Berlin für Unruhe und Kritik, auch im Regierungslager sind offenbar nicht alle damit einverstanden. Was hat Vorrang, die politische Moral oder die „Realpolitik“? Ist Saudi-Arabien ein Krisengebiet, in das Waffen nicht geliefert werden dürfen, oder ein Hort der Stabilität, auf den nicht alleine die Amerikaner nicht verzichten können - aus Gründen der weltweiten Energieversorgung und der westlichen strategischen Interessen?

          Saudi-Arabien hat die größten nachgewiesenen Erdölreserven der Welt. Allein diesem Faktum hat es seinen märchenhaft anmutenden Aufstieg in den vergangenen 100 Jahren zu einer einflussreichen Kraft im globalen Weltgetriebe zu verdanken. Riad ist nicht nur die führende Macht in der Opec, der Organisation der erdölfördernden und -exportierenden Länder, sondern auch auf der Arabischen Halbinsel, wo es den Golf-Kooperationsrat (GCC) dominiert.

          In diesem seit Mai 1981 bestehenden Bündnis haben sich die arabischen Golfmonarchien zusammengeschlossen, nicht zuletzt, um der Bedrohung durch Iran zu begegnen, wo 1979 schiitische Revolutionäre die Macht ergriffen hatten. Die Golfregion aber ist zudem Zentrum der militärischen Aktivitäten der Vereinigten Staaten. Deren Fünfte Flotte liegt in Bahrein, und der Irakkrieg wurde von den Amerikanern unter anderem von dem benachbarten Qatar aus geführt. Erst unlängst waren es saudische Sicherheitskräfte, die in Bahrein die mehrheitlich schiitische Volkserhebung gegen das Herrscherhaus der Al Chalifa mit brutaler Gewalt niederzuschlagen halfen.

          Per Katapult aus dem Beduinen-Zeitalter in die Moderne

          In den vergangenen drei Generationen ist Saudi-Arabien aus dem Beduinen-Zeitalter in die Moderne hineinkatapultiert worden. Unter dem Gründer-König Abdul Aziz Ibn Saud, der später mit Roosevelt und Churchill konferierte, trat das Reich 1932 auf die weltpolitische Bühne; und der König selbst setzte noch Impulse zu einer Modernisierung, die zu seiner Zeit allerdings noch Maß hatte und überschaubar war. Erst unter seinen Söhnen Ibn Saud, Faisal, Chaled und Fahd fand jener „große Sprung“ statt, der das Land mit einem - obzwar ungleich verteilten - enormen Reichtum und allen Segnungen der Zivilisation versah.

          Doch das fast hypermoderne Antlitz des Landes kontrastiert auf paradoxe Weise mit seinem geistigen Innenleben. In Saudi-Arabien, das mit Mekka und al Medina auch die heiligsten Stätten des Islam beherbergt und damit so etwas ist wie das Weltzentrum des Islam, herrscht in Gestalt des Wahhabismus die strikteste, freudloseste und repressivste Lehre des Islam überhaupt; nur die Taliban praktizieren einen noch archaischeren Islam.

          An dessen Entstehung freilich war Saudi-Arabien nicht unbeteiligt. Der heute in Teilen Pakistans und Afghanistans herrschende extreme Fundamentalismus geht unter anderem auf die Deobandi-Theologenschule zurück, die immer unter wahhabitischem Einfluss stand. Die seinerzeit mit dem General Zia-ul-Haq (gestorben 1988 bei einem Flugzeugabsturz) als Staatspräsident geförderte massive Islamisierung der pakistanischen Politik geschah weitgehend unter saudischem Einfluss und auch mit saudischem Geld. Schon die Entstehung Pakistans 1947 war ohne den Blick auf das gegenüberliegende Arabien kaum denkbar. Die meisten Geschichtsbücher Pakistans beginnen mit den Ereignissen um 570/71 n. Chr., als in Mekka der Prophet Mohammed geboren wurde, auf heute saudischem Boden. Der politische Gründervater Pakistans, Mohammed Ali Djinnah, hatte den Staat der indischen Muslime allerdings säkular konzipiert.

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