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Sara Netanjahu : Wie eine Flasche leer

Benjamin Netanjahu und seine Gattin Sara Bild: AFP

Viele Israelis werfen ihre Pfandflaschen weg, Sara Netanjahu tut dies nicht. Doch die Gattin des Ministerpräsidenten denkt dabei nicht an den Umweltschutz, sie kassiert seit Jahren das Pfandgeld. Die Getränke bezahlt der Staat.

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          Nicht die Furcht vor einer neuen Konfrontation mit der Hizbullah beherrscht die Zeitungen in Israel. Die „Flaschenaffäre“ drängt die Kriegsangst in den Hintergrund. Die Vorwürfe richten sich gegen Sara Netanjahu, die eigentlich den Israelis, die ihre Flaschen meistens lieber wegwerfen, als sie zu recyceln, mit gutem Beispiel vorangeht. In der offiziellen Residenz in Jerusalem sorgt die Ehefrau des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu persönlich dafür, dass jede Pfandflasche im Supermarkt zurückgegeben wird. Das berichteten frühere Angestellte, - aber auch über ein weiteres Detail: Das Pfand, das ihr Fahrer zurückbringt, behält die Gattin des Regierungschefs seit sechs Jahren für sich.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Dabei kommt der Staat für die Getränkekosten der Residenz auf, in der die Netanjahus auch viele Gäste bewirten. Um noch mehr Pfand zu erhalten, habe die Hausherrin angeordnet, nur noch kleine Wasserflaschen zu kaufen, sagte ein früherer Angestellter. Er schätzt, dass sich auf diese Weise ein zusätzliches „Taschengeld“ von rund 5000 Euro angesammelt habe. Das wären wesentlich mehr als die rund 900 Euro, die das Ehepaar Netanjahu vor zwei Jahren freiwillig an Pfandgeldern an den Staat überwiesen hatte.

          Laut israelischen Presseberichten weiß der Generalstaatsanwalt seit Monaten von diesen Vorwürfen, die er lieber an den Obersten Rechnungsprüfer Joseph Schapira weiterleitete, der sich jedoch nicht für zuständig hält. Schapira selbst hat einen anderen Bericht fertiggestellt, in dem es laut „Haaretz“ um „exzessive Ausgaben“ in der Residenz des Ministerpräsidenten geht, zum Beispiel bei Blumenschmuck, Duftkerzen und Friseurbesuchen. Wegen der Wahlen im März hätten die Anwälte Netanjahus darum gebeten, mit der Veröffentlichung zu warten. Das könnte ein Grund für die staatliche Zurückhaltung in der „Flaschenaffäre“ sein. Die Kritik am Lebensstil der Familie Netanjahu ist nicht neu.

          Sara Netanjahu wurde schon vorgehalten, sie lasse ihre Kleidung während offizieller Reisen mit ihrem Mann in Luxushotels chemisch reinigen. Vor zwei Jahren wurde dann bekannt, dass der staatlich finanzierte Haushaltsplan knapp 2000 Euro im Jahr für den Einkauf von Eis für die Netanjahus und ihre Gäste vorsah.

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