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Russlands Einsatz in Syrien : Assads zweite Luftwaffe

Amerikanischen Schätzungen zufolge fliegen russische Kampfflugzeuge wie die Sukhoi Su-24 bis zu 90 Einsätze am Tag. Bild: Reuters

Der russische Einsatz in Syrien ist schlagkräftig und erscheint langfristig angelegt. Amerikanische Offiziere äußern sich beeindruckt über die Leistungsfähigkeit der Russen - und büßen möglicherweise ihre eigene Bewegungsfreiheit ein.

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          Russlands Eintritt in den syrischen Bürgerkrieg hat den Westen überrascht, denn mit diesem Schritt hatte offenbar niemand gerechnet. Da es sich im Unterschied zur Ukraine nicht um eine verdeckte Operation handelt, kann man sich inzwischen ein recht genaues Bild vom russischen Einsatz in dem nahöstlichen Land machen. Dabei fällt zweierlei auf: Er ist schlagkräftig, und er dient bisher vor allem der Stabilisierung des Regimes.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Amerikanische und deutsche Forschungseinrichtungen, die das russische Engagement in den vergangenen Wochen ausgewertet haben, weisen darauf hin, dass der Umfang des Einsatzes geringer erscheint als die Wirkung, die von ihm auf dem Schlachtfeld ausgeht. Den Kern bildet eine Luftwaffenkomponente mit Jagdbombern, Erdkampfflugzeugen, Kampfhubschraubern und Drohnen zur Aufklärung. Zu Beginn der Operation wurden etwa 34 Flugzeuge gezählt und zwölf Hubschrauber.

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          Da der Einsatz noch im Aufbau erscheint, können sich diese Zahlen aber auch schon erhöht haben. Auf alle Fälle handelt es sich um Flugzeuge, die geeignet sind, Bodentruppen im Gefecht zu unterstützen. Sie sind also als Luftunterstützung für die Truppen des syrischen Regimes und seiner Alliierten (Hizbullah, iranische Revolutionsgarden, schiitische Milizen aus dem Irak) gedacht. Ergänzt wird das von einem verstärkten Bataillon russischer Marineinfanteristen (geschätzt 600 Mann), ausgerüstet mit Schützenpanzerwagen, Kampfpanzern und Artillerie.

          Wenige Angriffe gegen Terrorgruppe „Islamischer Staat“

          Die Operation besteht derzeit vor allem aus Luftangriffen, mit denen die Russen am 30. September begonnen haben. Soweit bekannt ist, konzentrierte sich der Großteil der Einsätze in einer ersten Phase auf Gebiete im Norden und Westen Syriens, vor allem von der Provinz Latakia nach Idlib und in die Provinzen Homs und Hama. Dort operieren einige der stärksten Widersacher des Regimes, die dessen Truppen einige Verluste zugefügt haben. Es handelt sich aber vornehmlich nicht um Kräfte der Terrorgruppe „Islamischer Staat“, sondern um andere Gegner Assads, darunter offenbar auch Gruppen, die vom amerikanischen Geheimdienst CIA ausgebildet und bewaffnet wurden. Auch in der Provinz Aleppo kam es zu Angriffen.

          Die russischen Flugzeuge schafften anfangs zwanzig bis dreißig Einsätze pro Tag, bei denen geschätzt je zehn bis zwölf Ziele getroffen wurden. Die syrische Luftwaffe, die in den vergangenen Kriegsjahren deutliche Verluste hinnehmen musste, scheint dabei unterstützende Angriffe zu fliegen. Die Zahl der Einsätze konnte in der Zwischenzeit offenbar kontinuierlich gesteigert werden. Das russische Verteidigungsministerium meldete Ende Oktober 71 Einsätze innerhalb von 24 Stunden, bei denen 118 „terroristische Ziele“ angegriffen worden seien. Nach amerikanischen Schätzungen kamen die Russen an einigen Tagen auf fast 90 Einsätze, was sogar an den jüngsten Durchschnitt der Operation „Inherent Resolve“ herankommt, die unter amerikanischer Führung Luftschläge gegen den IS fliegt.

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