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Nahost-Konflikt : Rückkehr in den Krieg

Palästinensische Familien verlassen abermals ihre Häuser in Gaza-Stadt. Bild: AFP

Frustriert von den Verhandlungen in Kairo, beenden Hamas und Islamischer Dschihad die Feuerpause und feuern Raketen nach Israel. Die israelische Luftwaffe schießt zurück. Nun hat Jerusalem die Verhandlungen über eine tragfähige Waffenruhe im Gazastreifen abgebrochen.

          Die Hoffnungen waren groß, aber die jüngste Feuerpause in Gaza hielt nur 72 Stunden. Israel war bereit, sie bis mindestens Montag zu verlängern. Bis in die Morgenstunden wurde in Kairo verhandelt. Statt die Ruhe fortzusetzen, wurden am Freitagmorgen aus Gaza aber wieder Granaten und Raketen in Richtung Israel abgefeuert - insgesamt mehr als 30 Geschosse. Israel hat nun die Verhandlungen mit Palästinenservertretern über eine dauerhafte Waffenruhe im Gazastreifen abgebrochen. Israel werde „nicht unter Beschuss verhandeln“, sagte ein Regierungsvertreter am Freitag.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Zunächst hatte die israelische Armee abgewartet. Zweieinhalb Stunden nach dem Ende der Waffenruhe ordnete Ministerpräsident Benjamin Netanjahu jedoch an, das Feuer aus Gaza „kraftvoll“ zu erwidern. Kurz darauf griff die israelische Luftwaffe wieder Ziele in Gaza an. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurde dabei in Gaza-Stadt ein zehn Jahre alter Junge getötet.

          Zugleich reiste laut Presseberichten die israelische Verhandlungsdelegation aus Kairo ab, während die Palästinenser dort blieben und zu weiteren Gesprächen bereit sind. Israel und die ägyptischen Vermittler hatten von Anfang an klargestellt, dass sie nur verhandeln, wenn zuvor die Waffen schweigen.

          Die indirekten Gespräche in Kairo verliefen für Hamas und Islamischen Dschihad offenbar so enttäuschend, dass sie keinen Sinn mehr in der Feuerpause sahen. Nach allem, was bekannt wurde, will Israel nur einen kleinen Teil ihrer Forderungen erfüllen, die die beiden Gruppen zur Bedingung für einen langfristigen Waffenstillstand machten. In Israel könnte man sich die Ausweitung der Fischereizone vorstellen sowie die Einfuhr von mehr Baumaterial unter internationaler Überwachung. Die palästinensischen Islamisten verlangen jedoch viel mehr. Sie wollen, dass die Blockade des Gazastreifens aufgehoben wird. Für sie gehören dazu die Öffnung der Grenzübergänge nach Israel und Ägypten, die Freilassung von palästinensischen Gefangenen und der Bau eines See- und eines Flughafens. Diese weitreichenden Wünsche lehnt auch Ägypten ab, das den Islamisten von der Hamas keinen Triumph am Ende des Krieges gönnen will.

          Von den bisherigen Gesprächen frustriert, versuchen Hamas und Islamischer Dschihad nun, mit den neuen Raketenangriffen noch einmal den Druck zu erhöhen, um in Kairo mehr zu erhalten. Ihre militärischen Möglichkeiten sind dabei begrenzt. Nach israelischen Schätzungen verfügen sie nur noch über rund 3000 Raketen, etwa ein Drittel des Arsenals vor Kriegsbeginn; die Tunnel für Angriffe auf Israel sind bereits zerstört. Wenn die beiden Gruppen weiterfeuern, wie in den vergangenen Wochen, sind ihre Vorräte spätestens in einem Monat endgültig erschöpft. Dann können sie nur noch verhandeln.

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