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Rouhani gewinnt Wahl in Iran : Kandidat, Kleriker, Hoffnungsträger

In Iran schon ein Hoffnungsträger: Der Sieg des Kandidaten aus dem Lager der Reformer, Hassan Rohani, wurde in der Nacht in Teheran stundenlang gefeiert. Bild: Reuters

Mit der Wahl Hassan Rouhanis stehen an der Spitze der Islamischen Republik Iran nun wieder zwei Theologen: Revolutionsführer Chamenei, der in allen Fragen das letzte Wort hat, und Präsident Rouhani, der versuchen wird, seinen engen Spielraum auszuweiten.

          Hassan Rouhani war unter den sechs Kandidaten für die Wahl eines neuen Präsidenten der Islamischen Republik Iran der einzige Theologe. Dennoch war er der einzige Gemäßigte. Eine Koalition aus Reformern und Pragmatikern hatte dazu aufgerufen, ihn zu wählen. An der Spitze der Islamischen Republik stehen damit wieder - wie unter dem Reformer Chatami, der Rouhani offen unterstützte - zwei Theologen: Revolutionsführer Chamenei, der in allen Fragen das letzte Wort hat, und Präsident Rouhani, der versuchen wird, seinen engen Spielraum gegen den Widerstand der nicht gewählten Institutionen auszuweiten, die von den Hardlinern bestimmt werden.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Chatami war das nicht gelungen. Nach den desaströsen zwei Amtszeiten von Mahmud Ahmadineschad stehen diesmal die Chancen besser. Denn es gilt die politischen und wirtschaftlichen Fehlentwicklungen der vergangenen acht Jahre zu korrigieren. Hinzu kommt, dass Rouhani, anders als der Schöngeist Chatami, ein erfahrener Politiker und Diplomat ist. Zudem hatte er im Krieg gegen den Irak gelernt, nicht aufzugeben.

          Verfolgt, inhaftiert, ausgewandert

          Rouhani ist seit der Islamischen Revolution von 1979 Teil des Personals der Islamischen Republik. Der 1948 nahe der zentraliranischen Stadt Semnan geborene Sohn eines Bazaris hatte in der Theologenstadt Qm studiert, er beteiligte sich an den Protesten gegen den Schah, war Anhänger von Ajatollah Chomeini, wurde verfolgt und mehrfach inhaftiert, bis er 1977 nach Glasgow ging, wo er ein Studium der Politikwissenschaften und Jura mit einer Promotion abschloss. Zu Beginn des Kriegs gegen den Irak war er aufgefallen, als er die vom Auseinanderfallen bedrohte iranische Armee neu ordnete.

          Von 1982 bis 1988 gehörte er dem Hohen Verteidigungsrat an, von 1986 bis 1991 kommandierte er die Luftabwehr, und von 1988 an war er knapp zwei Jahre lang stellvertretender Generalstabs der Streitkräfte. Gleichzeitig machte Rouhani politische Karriere. Von 1980 bis 2000 wurde fünf Mal ins Parlament (Madschles) gewählt. In den ersten beiden Legislaturperioden stand er dem Verteidigungsausschuss vor, in der vierten und fünften war er Vorsitzender des außenpolitischen Ausschusses und stellvertretender Sprecher des Parlaments. 1991 wurde er in den Schlichtungsrat gewählt, der zwischen dem Parlament und dem Wächterrat vermittelt.

          Inneres Exil in der Forschung

          Den Präsidenten Rafsandschani (1989 bis 1997) und Chatami (1997 bis 2005), die beide seine Wahl unterstützten, stand er als nationaler Sicherheitsberater zur Seite. Zudem war er von 1989 bis 2005 Generalsekretär des Nationalen Sicherheitsrats, in dem er zunächst auch der persönliche Vertreter Chameneis war. Am 6. Oktober 2003 übertrug ihm Präsident Chatami die Zuständigkeit für die Atomverhandlungen. In den Verhandlungen mit Großbritannien, Frankreich und Deutschland stimmte er der Suspendierung der Urananreicherung zu.

          Mit der Wahl Ahmadineschads zum neuen Staatspräsidenten gab er sein Amt zurück, die Suspendierung wurde rückgängig gemacht. Seither beschäftigte er sich mit der Forschung und gab drei wissenschaftliche Zeitschriften heraus, etwa „Strategie“ und den „Iranian Review of Foreign Affairs“. Nun kann Rohani Politik, wenn auch in Schranken, wieder selbst gestalten.

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